23. März 2022 / 19:55 Uhr

Torwart-Gerangel im DFB-Kader: Wie Kevin Trapp an Bernd Leno vorbeizog

Torwart-Gerangel im DFB-Kader: Wie Kevin Trapp an Bernd Leno vorbeizog

Roman Gerth und Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bernd Leno (links) kann Kevin Trapp, Marc-André ter Stegen und Manuel Neuer derzeit nur vom Sofa aus zuschauen.
Bernd Leno (links) kann Kevin Trapp, Marc-André ter Stegen und Manuel Neuer derzeit nur vom Sofa aus zuschauen. © IMAGO/Getty (Montage)
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Manuel Neuer ist als Kapitän unumstrittener Stammtorhüter der deutschen Nationalmannschaft, Marc-André ter Stegen sein Ersatz. Dahinter scheint die Rolle als Torwart Nummer drei klar wie lange nicht: Kevin Trapp hat Bernd Leno abgehängt.

Ein Pokal steht noch nicht im reichlich gefüllten Trophäenschrank von Manuel Neuer. "Der EM-Titel fehlt uns allen", verdeutlichte der Kapitän und Stammtorwart der deutschen Nationalmannschaft mit Blick auf den aktuellen DFB-Kader bei der Pressekonferenz am Montag. Ob Neuer die Chance auf den Sieg bei der Heim-Europameisterschaft 2024 bekommt, hängt davon ab, welche Pläne der Profi des FC Bayern hat. Am Sonntag wird er 36 Jahre alt. Die Lust auf weitere Länderspiele ist bei ihm ungebrochen. "Ich habe immer gesagt, dass ich so lange, wie ich helfen kann, wie ich mich gut fühle, gebraucht werde und Spaß habe, dabei sein möchte", sagte Neuer, für den das DFB-Trikot noch immer "eine große Ehre" darstellt.

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Seine Stellung als unangefochtene Nummer eins im deutschen Tor wird manifestiert sein, bis er – freiwillig oder verletzungsbedingt – die Handschuhe an den Nagel hängt. Bis ins höhere Alter spielende Keeper sind keine Seltenheit. Neuer steckte zudem schon einige Verletzungen gut weg, zuletzt eine Knie-OP.

Start ins WM-Jahr: Katar und Ukraine-Krieg bei DFB-Team im Fokus

Nach Neuer kommt ter Stegen, dann Trapp

Hinter Neuer wartet mit Marc-André ter Stegen vom spanischen Spitzenklub FC Barcelona ein würdiger Vertreter. Er ist 29, ter Stegen hat somit noch einige Jahre mehr auf Top-Level vor sich. Seine Leistungskurve steigt derzeit parallel zu der seines Klubs an, die internationale Klasse des Ex-Torwarts von Borussia Mönchengladbach ist unbestritten – ebenso die Position als Nummer zwei.

Das Duell um den glücklichen Dritten hinter Neuer und ter Stegen im DFB-Team war da lange Zeit deutlich umkämpfter. Bernd Leno (30) und Kevin Trapp (31) rangelten bei jeder Nominierung um die Gunst des Bundestrainers. Nachdem Hansi Flick von Jogi Löw übernahm, sah es so aus, als wäre Leno hauchdünn vorne. Die damalige Nichtnominierung wiederum scheint seinen Konkurrenten Trapp die nötige Extramotivation gegeben zu haben. Der Saarländer drehte kurz beim 2:1-Sieg der Frankfurter gegen den FC Bayern auf, spielte danach wiederholt stark und wahrte gerade erst gegen RB Leipzig (0:0) überragend die weiße Weste.

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Leno hingegen ist beim FC Arsenal nur noch die Nummer zwei, bekam jüngst beim 1:0 gegen Aston Villa nach sieben Monaten mal wieder einen Premier-League-Einsatz. "Bernd Leno fehlt diesmal, weil wir nur drei Torhüter mitnehmen wollten. Ich habe mit ihm gesprochen in London", sagte Flick nach der Kadernominierung. Und weiter: "Kevin Trapp hat tolle Leistungen gezeigt und aktuell die Nase vorne." Sollte Frankfurts Keeper das beibehalten, ist ihm die Reise nach Katar sicher.

Setzt Flick gegen Israel auf Job-Sharing?

Trapp könnte am Samstag in Sinsheim gegen Israel sogar zu seinem sechsten Länderspiel kommen, zumindest im Teilzeit-Modell mit ter Stegen. Beide stehen sich übrigens im Europa-League-Viertelfinale zwischen Frankfurt und Barcelona (Hinspiel am 7. April, Rückspiel am 14. April) gegenüber. Dabei hat der Eintracht-Keeper mit den Katalanen noch eine Rechnung offen: In seiner Zeit bei Paris Saint-Germain kassierte er 2017 im Achtelfinale der Champions League eine 1:6-Klatsche im Camp Nou – nach drei Toren von Barca zwischen der 88. Minute und dem Abpfiff war PSG mit Trapp trotz des 4:0-Hinspielsiegs ausgeschieden. Auf der anderen Seite freute sich ter Stegen über die Sensation. Gegen Israel könnte Bundestrainer Hansi Flick beide für eine Halbzeit aufstellen.

Das Prestige-Duell mit Holland wird sich Neuer drei Tage später dann eher nicht nehmen lassen. Es sind die großen Gegner wie in der Nations League etwa Italien und England oder die Weltmeisterschaft im Winter in Katar, die den DFB-Kapitän noch besonders reizen. "Für mich gibt es nur ein Ziel, das ist der WM-Titel", sagte er.

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