17. November 2020 / 07:50 Uhr

Spanien-Spiel als Reifeprüfung für DFB-Team im Umbruch - Manuel Neuer will "Kritiker beruhigen"

Spanien-Spiel als Reifeprüfung für DFB-Team im Umbruch - Manuel Neuer will "Kritiker beruhigen"

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die deutsche Nationalmannschaft muss gegen Spanien eine echte Reifeprüfung ablegen. Manuel Neuer glaubt fest an einen Sieg.
Die deutsche Nationalmannschaft muss gegen Spanien eine echte Reifeprüfung ablegen. Manuel Neuer glaubt fest an einen Sieg. © imago images/ActionPictures/Montage
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Ist die neue DFB-Elf mitten im Umbruch schon so weit, auch die großen Aufgaben zu meistern? Im Nations-League-Spiel um den Einzug ins Final-Four-Turnier gegen Spanien wird es darauf eine erste Antwort geben .

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Das Wetter stimmte schon mal. Als der Lufthansa-Flieger mit der deutschen Nationalmannschaft am Montagmittag in Andalusien aufsetzte, schien die Sonne. 23 Grad, blauer Himmel – so oder ähnlich hätte es Oliver Bierhoff auch gern, wenn er über den Zustand und die Gemütslage rund ums DFB-Team und den Verband im Allgemeinen spricht. Man wolle die "dunklen Wolken vertreiben", die sich in der jüngsten Vergangenheit angesammelt hätten, hatte der DFB-Direktor Anfang der vergangenen Woche in Leipzig gefordert – und dabei helfen vor allem Siege.

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Mit derer zwei (1:0 gegen Tschechien und 3:1 gegen die Ukraine) hat die Mannschaft von Joachim Löw neues Selbstvertrauen getankt und will beim letzten Länderspiel des Jahres am Dienstag gegen Spanien in Sevilla (20.45 Uhr, ARD) den Gruppensieg in der Nations League eintüten. "Wir wollen nicht verwalten, sondern gewinnen", sagte Kapitän Manuel Neuer in Anbetracht der Tatsache, dass Deutschland als Tabellenführer ein Punkt genügen würde, um auf Platz eins zu bleiben und sich für das Finalturnier Ende 2021 zu qualifizieren. 1,5 Millionen Euro bekäme der DFB für den Gruppensieg, 4,5 Millionen Euro gäbe es für den Erfolg beim Final Four im Dezember nächsten Jahres.

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Die Partie im Hochrisikogebiet Sevilla bedeutet nach dem Wirbel um die Ansetzung des Ukraine-Spiels trotz fünf positiver Corona-Fälle beim Gegner in Leipzig einen ähnlichen Drahtseilakt. Gestern wurde bekannt, dass zwei Ukrainer, die am Samstag auf dem Platz standen, ebenfalls positiv getestet wurden.

Mannschaft noch mitten im Umbruch?

Sportlich wird sich zeigen, ob die neue Mannschaft, die sich nach dem WM-Debakel 2018 noch immer mitten im Umbruch befindet, schon bereit ist, um diese erste Reifeprüfung bei einem Topteam zu bestehen. Löw hat in seinen fast 15 Amtsjahren gegen Spanien noch kein Pflichtspiel gewinnen können und musste zu einem ähnlichen Zeitpunkt wie momentan zwei bittere Pleiten hinnehmen – wenn auch auf ganz anderer Bühne. Löws talentierte, neu formierte Elf um Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski verlor 2008 zunächst das Finale der Europameisterschaft mit 0:1 und schied 2010 mit dem gleichen Ergebnis im Halbfinale der WM in Südafrika aus.

Der letzte Sieg gelang 2014 in einem Testspiel, ausgerechnet durch den "Halbspanier" Toni Kroos, der nach seiner Gelbsperre heute zurückkehrt und neben Matthias Ginter und Antonio Rüdiger der letzte Übriggebliebene aus dem damaligen Kader ist (Rüdiger fehlt allerdings gesperrt). Auch für den Kapitän wäre es "wichtig, wenn wir in unserem Prozess weitermachen und würde uns auch in der Vorbereitung auf die EM helfen", glaubt Neuer, der zudem sagte: "Vielleicht würde das auch den einen oder anderen Kritiker beruhigen."

Im Hinspiel der Nations League gab es ein 1:1 in Stuttgart, bei dem die DFB-Elf eine starke Leistung zeigte, sich aber wieder mal nicht belohnte und nach dem Führungstreffer durch Timo Werner in der 90. Minute noch den Ausgleich kassierte. Wie auch schon gegen die Niederlande und zuletzt gegen die Türkei (3:3) verspielte Deutschland eine Führung. Dortmunds Emre Can sagte dazu im Oktober den treffenden Satz: "Wir müssen erwachsener werden."

Gruppensieg gegen Spanien täte gut

Umso mehr täte dem jungen Team ein Gruppensieg vor Spanien gut. Zumal sich die Nationalspieler erst in über vier Monaten im März wiedersehen und so mit einem Erfolgserlebnis in die lange Pause verabschieden könnten.

"Wir sind auf einem guten Weg. Aber wir haben auch noch ein ganzes Stück vor uns, wenn wir dahin kommen wollen, dass wir bei der EM wieder ein ernsthafter Konkurrent für alle sind", sagte der Bundestrainer im Interview mit dem SPORTBUZZER.

Ein Erfolg in Spanien und Platz eins in der Gruppe A4 ohne eine einzige Pleite wären auf diesem Weg auf jeden Fall schon mal ein wichtiger nächster Schritt.