12. Oktober 2020 / 09:38 Uhr

Das DFB-Team vor dem Nations-League-Spiel gegen die Schweiz: Die Suche nach den Sternen

Das DFB-Team vor dem Nations-League-Spiel gegen die Schweiz: Die Suche nach den Sternen

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Müssen sich steigern: Die DFB-Spieler um Toni Kroos und Co.
Müssen sich steigern: Die DFB-Spieler um Toni Kroos und Co. © Joosep Martinson/Getty Images
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Trotz des 2:1-Sieges gegen die Ukraine stellen sich rund um die Fußball-Nationalmannschaft einige Fragen - vor allem vor der Partie gegen die Schweiz am Dienstag. Der SPORTBUZZER sucht nach Antworten.

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Am Sonntag war endlich mal durchschnaufen angesagt für die Nationalspieler. Nach der nächtlichen Rückreise aus dem Risikogebiet Kiew checkten Manuel Neuer und Co. gegen 5 Uhr im Hyatt Hotel am Kölner Rheinufer ein. Müde, aber vor allem froh und erleichtert über das 2:1 in der Nations League gegen die Ukraine, dem ersten Sieg seit über einem Jahr durch die Treffer von Matthias Ginter und Leon Goretzka. Doch auch beim ersten Dreier in diesem Wettbewerb lief längst nicht alles rund. Die Mannschaft leistete sich „so viele Fehler im Spielaufbau, wie man sie normalerweise nicht sieht“, gab Ginter offen zu. „Wir haben nicht die Sterne vom Himmel gespielt.“

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Kritik: Nach dem 3:3 im Test gegen die Türkei musste Joachim Löw heftige Kritik einstecken – unter anderem von Rekordnationalspieler Lothar Matthäus. Die (Nicht-)Reaktion des Bundestrainers darauf wurde ihm als Arroganz ausgelegt. Nun war es der neue ARD-Experte Bastian Schweinsteiger, der von „fehlender Identifikation“ mit dem DFB-Team sprach und den der Auftritt in Kiew nur wenig begeisterte. Löw wiederholte noch mal, dass jeder seine Meinung äußern dürfe, er aber von seinem Weg überzeugt sei und sich nicht davon abbringen lasse. Außerdem appellierte er: „Wir dürfen nicht vergessen, wo wir herkommen. Wir waren 2018 ganz, ganz unten und haben dann mit einer jungen Mannschaft die Qualifikation gewonnen. Wir müssen realistisch bleiben und uns nicht von unserer Linie abbringen lassen. Wir hatten für den Umbruch ein sehr gutes Jahr.“

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Testphase: Die Zeit des Experimentierens dürfte nun dennoch vorbei sein. In Kiew hatte Löw erstmals seit langer Zeit fast wieder alle Stammkräfte dabei, von wenigen Ausnahmen (Ilkay Gündogan, Marco Reus, Leroy Sané) abgesehen. Dennoch merkte man der prominent besetzten Startelf mit den fünf Rückkehrern des FC Bayern und den beiden Profis von RB Leipzig an, dass sie in dieser Konstellation seit langer Zeit nicht mehr auf dem Platz gestanden hatte und sich erst wieder einspielen muss. Am Dienstag gegen die Schweiz (20.45 Uhr, ARD) will Löw deswegen kaum etwas ändern. Beim nächsten Länderspiel-Dreierpack ist dann damit zu rechnen, dass in seinem Aufgebot bereits das Gerüst für die EM im nächsten Jahr abzulesen ist.

Löw stellt Taktik um

Taktik: Auch Löws Taktik wurde erneut diskutiert. In der Ukraine probierte er es wieder mal mit einer Dreierkette, Schweinsteiger hätte sich gegen den defensiven Gegner lieber einen Spieler mehr in der Offensive gewünscht. „Das hätte dem Spiel gutgetan.“ Löw will aber bis zur EM flexibler werden und muss daher die Automatismen im Ernstfall einstudieren – die Viererkette beherrscht seine Mannschaft aus dem Effeff.

Zuschauer: Endgültig wird erst an diesem Montag entschieden, ob und wie viele Fans gegen die Schweiz im Rheinenergie-Stadion dabei sein dürfen. Doch eine Erlaubnis für mehr als 300 Zuschauer in Köln ist zumindest rechnerisch ausgeschlossen. Nachdem die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen am Sonntag weiter auf 59,7 stieg, könnte sie am Montag selbst bei keinem weiteren Fall nicht mehr unter die erforderliche Kennzahl von 35 sinken. In Kiew waren knapp 18 000 Zuschauer im Olympiastadion dabei – mitten im Corona-Hotspot.

Programm: Nach dem Rückspiel der Nations League gegen die Eidgenossen, die 0:1 in Spanien verloren, stehen im November die Rückspiele gegen die Ukraine (14.11.) in Leipzig und drei Tage später in Madrid gegen Spanien an. Am 11. November wird ebenfalls in Leipzig gegen die Tschechische Republik getestet. Im EM-Jahr gibt es noch mal Abstellungsperioden im März sowie Ende Mai, bevor es in die direkte Vorbereitung auf die Endrunde geht. Löw sagt: „Wir haben insgesamt nicht so viele Spiele bis zur EM, noch sieben bis zum Beginn der Vorbereitung. Wichtig ist, dass sich jetzt die Mannschaft einspielt. Sie war ja in dieser Besetzung über zehn Monate nicht mehr zusammen.“