18. Oktober 2020 / 23:06 Uhr

DFB-Team: Schweinsteiger würde als Bundestrainer auf Boateng und Müller setzen

DFB-Team: Schweinsteiger würde als Bundestrainer auf Boateng und Müller setzen

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bastian Schweinsteiger (r.) würde als Bundestrainer auf Jerome Boateng und Thomas Müller setzen.
Bastian Schweinsteiger (r.) würde als Bundestrainer auf Jerome Boateng und Thomas Müller setzen. © imago images/Montage
Anzeige

Der frühere DFB-Führungsspieler Bastian Schweinsteiger zeigt im "Kicker" die Problemzonen der deutschen Nationalmannschaft auf. Er stärkt Bundestrainer Joachim Löw den Rücken, hätte mit Blick auf die Ausbootung der Weltmeister Thomas Müller und Jerome Boateng jedoch anders entschieden.

Anzeige

Auf dem Weg zur EM im kommenden Jahr befindet sich die deutsche Nationalmannschaft in einer Ergebniskrise. In der vergangenen Länderspielphase gab es in drei Spielen lediglich einen Sieg, ein mühsames 2:1 gegen die Ukraine. Die beiden anderen Spiele endeten gegen die Türkei und die Schweiz jeweils 3:3. Fehlende Automatismen und einen schwächelnden Spielaufbau erkannte ARD-Experte Bastian Schweinsteiger - der allerdings auch Joachim Löw in Schutz nahm. Die Unterstützung für den Bundestrainers untermauerte der Weltmeister nun im Kicker - fand jedoch auch kritische Worte.

Löw habe "mit Sicherheit (...) die Qualität als Trainer und die Erfahrung, es hinzubekommen", sagte Schweinsteiger und ergänzte: "Er ist weltweit am längsten Trainer einer Nationalmannschaft und weiß, worauf es ankommt. Aber letztlich beurteilen die Fans die Mannschaft nach ihren Leistungen, Ergebnissen, also Erfolgen." In dieser Hinsicht hatte das DFB-Team seit dem Einzug ins EM-Halbfinale 2016 (damals noch mit Schweinsteiger) größere Probleme. Das WM-Aus in der Vorrunde 2018 und der holprige Umbruch der vergangenen Jahre haben Spuren hinterlassen.

Mehr vom SPORTBUZZER

Schweinsteiger sieht in Löws Kader etliche Lücken: "Die defensiven Außenbahnen, die Innenverteidiger plus der Mittelstürmer sind Problemstellen, die wir in Zukunft beheben müssen", sagte der 36-Jährige, der seine aktive Karriere im vergangenen Jahr beendete. Viele sehen im Kader zudem fehlende Führungskräfte. Manche, darunter Ex-Coach Christoph Daum und BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, machen sich für die Rückkehr von ausgebooteten Spielern wie Thomas Müller oder Mats Hummels stark. Die Demission von Müller, Hummels und Jerome Boateng sei "das gute Recht des Bundestrainers" gewesen, betonte Schweinsteiger - der allerdings anders entschieden hätte.

Schweinsteiger lobt Boateng: "Sehe ich nicht durch Bayern-Brille"

"Ob man Müller und Boateng, die am Triplegewinn 2020 maßgeblich beteiligt waren, komplett weglässt? Wenn ich Bundestrainer wäre, wären Boateng und Müller in der Nationalmannschaft", sagte der frühere Vizekapitän des DFB-Teams und der Nationalmannschaft klar, räumte aber auch ein:  "Aber ich bin nicht der Bundestrainer. Es ist Jogis Entscheidung, die man respektieren muss." Speziell Boateng würde der aktuell schwachen Abwehr aber helfen: "Wenn ich über die Abwehr rede, könnte ich auch Bonucci oder den Spanier Sergio Ramos nennen. Zurzeit haben wir einen Innenverteidiger mit dieser Klasse in Deutschland - und das sehe ich nicht durch die Bayern-Brille", so Schweinsteiger.

Den Umbruch im DFB-Team sieht Schweinsteiger, der in seiner Karriere für den FC Bayern, Manchester United und Chicago Fire aktiv war und 121 Mal für die deutsche Nationalmannschaft auflief (24 Tore) nicht so negativ wie viele andere Fußball-Kenner - schon gar nicht im Angriff, den etwa Trainer-Legende Arsène Wenger als größte Baustelle ausgemacht hatte. Schweinsteiger: "Die Offensive ist gut, auch wenn man mit der Chancenverwertung nicht zu 100 Prozent zufrieden sein kann. Das vordere Drittel ist gut besetzt."

DFB-Team "mit die wichtigste Mannschaft in Deutschland"

Zuletzt habe es allerdings "viele leichte Fehler" gegeben. Deshalb fordert der ehemalige Mittelfeldspieler klopp und klar: "Langsam muss mit Blick auf die EM 2021 ein Gerüst gefunden werden und ein System, in dem sich die Elf wohlfühlt." Die jungen Spieler bräuchten "mehr Zielstrebigkeit, sie müssen die Fans begeistern wollen". Nicht nur bei großen Turnieren soll das DFB-Team "eine gewisse Stimmung und Euphorie" entfachen; "auch sonst sollte die Nationalmannschaft den Menschen in unserem Land nicht egal sein. Sie ist mit die wichtigste Mannschaft in Deutschland, diese Wertschätzung muss sie wieder bekommen", fordert Schweinsteiger.