16. August 2021 / 18:21 Uhr

DFB-Urteil: Wolfsburg ist raus, Münster in der zweiten Pokalrunde!

DFB-Urteil: Wolfsburg ist raus, Münster in der zweiten Pokalrunde!

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Der Wechselfehler von Münster: Wolfsburg-Trainer Mark van Bommel brachte mit Admir Mehmedi (l.) einen sechsten Spieler.
Der Wechselfehler von Münster: Wolfsburg-Trainer Mark van Bommel brachte mit Admir Mehmedi (l.) einen sechsten Spieler. © 2021 Getty Images
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Das DFB-Sportgericht hat entschieden: Die DFB-Pokalpartie zwischen Preußen Münster und dem VfL Wolfsburg wird für den Viertligisten gewertet. Der VfL hatte sechs statt der erlauben fünf Auswechslungen vorgenommen.

Der VfL Wolfsburg ist aus dem DFB-Pokal ausgeschieden! Am Montagabend gab das DFB-Sportgericht unter Leitung von Stephan Oberholz dem Protest von Preußen Münster gegen die Wertung des Wolfsburger Sieges beim Viertligisten statt. Im Erstrundenspiel am 8. August, das Wolfsburg in Münster mit 3:1 nach Verlängerung gewann, hatte VfL-Trainer Mark van Bommel in der 103. Minute Admir Mehmedi als sechsten Spieler eingewechselt. Erlaubt sind im DFB-Pokal aber nur fünf Einwechslungen - anders als etwa bei der EM im Sommer, wo bei einer Verlängerung ein zusätzlicher sechster Wechsel möglich war. Der VfL kann nun bis morgen in die Berufung gehen.

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Schon im Vorfeld der Verhandlung war durchgesickert, dass sich die VfL-Bank beim vierten Offiziellen Tobias Fritsch nach einer sechsten Wechselmöglichkeit erkundigt haben will und weder von ihm noch von Schiedsrichter Christian Dingert daran gehindert wurde, die regelwidrige Auswechslung vorzunehmen. Dingert vermerkte den Wechselfehler anschließend auf dem Spielberichtsbogen. In Paragraph 31 der Durchführungsbestimmungen ist geregelt, dass die Zahl von fünf Auswechslungen sich in diesem Wettbewerb auch bei einer Verlängerung nicht erhöht. In Verhandlung am Montag erklärte Fritsch, dass er der Wolfsburger Bank keine Erlaubnis für einen sechste Wechsel gegeben, sondern lediglich auf die zur Verfügung stehen Wechelslots hingewiesen habe. Als Sachverständiger war Ex-Bundesliga-Schiri Lutz Wagner dabei - und betonte, dass das Erkennen von Wechselfehlern zu den Aufgaben das vierten Offiziellen gehört.

Neben Trainer van Bommel und Sportdirektor Marcel Schäfer waren für den VfL bei der Verhandlung auch Torwarttrainer Pacal Formann, Geschäftsführer Tim Schumacher und Anwalt Christoph Schickhardt (Ludwigsburg) vor Ort. Für Preußen waren Geschäftsführer Bernhard Niewöhner, Sportdirektor Peter Niemeyer und Teammanager Harald Menzel im Frankfurter Hermann-Neuberger-Haus dabei, dazu Anwalt Simeon Scheuermann aus München. Beide Seiten legten ihre Sicht der Dinge dar, dann wurde die Verhandlung auf Anregung Schickhardts für einen informellen Austausch unterbrochen. Schließlich zog sich das Sportgericht noch eimmal für eine abschließende Beratung zurück, ehe das Urteil folgte - mehr als fünf Stunden nach Sitzungsbeginn. In der Begründung heißt es, dass Wolfsburg maßgeblich und eigenverantwortlich leichtfertig gehandelt habe, der VfL hätte die Pflicht gehabt, die Wechsel-Regularien zu kennen. Fritsch wurde zu mehr Sorgfalt aufgefordert.

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Einen Tag nach dem Spiel hatte Preußen Münster Einspruch eingelegt, beim VfL nahm man daraufhin den Patzer mit Humor. Manager Jörg Schmadtke teilte via Vereins-Homepage mit, dass man darüber nachgedacht habe, „alle Beteiligten zu einem Volkshochschul-Grundkurs ‚Richtig Lesen‘ anzumelden". Zudem hatten die Wolfsburger mit einer Anspiel auf den Wechselfehler Werbung für den Ticketverkauf zum ersten Liga-Spiel der Saison gemacht - wer fünf Karten für die Partie gegen Bochum erwarb, bekam eine sechste gratis dazu.

Schnell war klar, dass der 3:1-Sieg der Wolfsburger in Münster nicht Bestand haben wird. Bei der Verhandlung in Frankfurt ging es lediglich darum, ob die Partie wiederholt oder für Münster gewertet wird. Eine solche Spielwertung hatte schon einmal für ein VfL-Aus in der ersten DFB-Pokalrunde gesorgt: 2004 setzten die Wolfsburger beim 3:0-Erfolg beim 1. FC Köln II den rotgesperrten Marian Hristov ein, die Partie wurde anschließend mit 2:0 für die Reserve der Domstädter gewertet.

Rot in Wolfsburg: Tesche für zwei Spiele gesperrt

Was das Sportgericht am Montag ebenfalls entschied: Bochums Robert Tesche wird nach seiner Roten Karte in Wolfsburg für zwei Spiele gesperrt. Der Mittelfeldmann war bereits in der vierten Minute des Bundesliga-Auftakts vom Platz gefolgen, weil er mit einem Handspiel ein Gegentor verhindert hatte. Dass Wout Weghorst den fälligen Handelfmeter verschoss, wirkt sich nun strafverschärfend für Tesche aus. Hätte der Niederländer getroffen, wäre Tesche nach den Gepflogenheiten des Sportgerichts nur für eine Partie gesperrt worden.