16. Januar 2023 / 08:36 Uhr

DFB-Vize Schaffert kritisiert deutsche WM-Geste scharf: "Wie Äffchen die Münder zugehalten"

DFB-Vize Schaffert kritisiert deutsche WM-Geste scharf: "Wie Äffchen die Münder zugehalten"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die deutsche Mannschaft hält sich vor dem WM-Spiel gegen Japan den Mund zu.
Die deutsche Mannschaft hält sich vor dem WM-Spiel gegen Japan den Mund zu. © dpa
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Bei der WM 2022 in Katar kam die deutsche Nationalmannschaft wie beim Turnier vier Jahre zuvor nicht über die Vorrunde hinaus. Laut DFB-Vizepräsident Ralph-Uwe Schaffert habe sich Deutschland im Wüstenstaat blamiert – sowohl sportlich als auch bei der politischen Außendarstellung.

DFB-Vizepräsident Ralph-Uwe Schaffert hat am Sonntag bei einer Brandrede in Hildesheim das Auftreten der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2022 in Katar scharf kritisiert. Schaffert, der gleichzeitig auch Präsident des Norddeutschen und Niedersächsischen Fußball-Verbands (NFV) ist, bezeichnete das Turnier als "große Blamage" für Deutschland, wie die Hildesheimer Allgemeine Zeitung berichtet. Sportlich und gesellschaftlich sei einiges schief gelaufen. "Wenn sich die deutschen Nationalspieler wie Äffchen die Münder zuhalten und sich den Friseur ins Hotel bestellen", müsse man sich nicht wundern, wenn man gegen Japan verliere, wütete der DFB-Vize während des Neujahrsempfangs des NFV Kreis Hildesheim.

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Worauf der "DFB-Vizepräsident für Gesellschaftliche Verantwortung und Recht" anspielt: Vor dem 1:2 zum WM-Auftakt gegen Japan hatten sich die DFB-Profis beim Mannschaftsfoto unmittelbar vor dem Anpfiff die Hand vor den Mund gehalten. Nach langem Zoff während der WM hatte die FIFA dem DFB kurz die Nutzung der selbst entworfenen "One Love"-Kapitänsbinde untersagt. Nationalspieler Niklas Süle schlug zuletzt in eben jene Kerbe. Er habe sich durch die ständigen Diskussionen um die Binde bei der WM negativ beeinflusst gefühlt. "Ja, das hat mich persönlich gestört. Ich halte es für richtig und wichtig, auf Missstände aufmerksam zu machen. Aber wenn es um ein Fußballturnier geht, dann sollte es - irgendwann - auch mal zum Fußball gehen“, sagte der Abwehrspieler von Borussia Dortmund der Zeitung Welt am Sonntag.

Den Fokus auf Fußball habe Schaffert dagegen vermisst. Die Diskussionen um das Austragungsland Katar seien "verlogen" und "scheinheilig" gewesen, schimpfte der DFB-Verantwortliche. "Deutsche Unternehmen haben dort zweistellige Milliardenbeträge mit verschiedenen Projekten verdient. Kritik daran habe ich nicht gehört", raunte Schaffert, der gleichzeitig auch einen Irrglauben der Europäer anprangerte, dass sie die großen Weltverbesserer seien. "Wenn eine WM nur noch in Ländern ausgetragen werden soll, die man selbst gut findet, dann bleiben nicht viele übrig. Vielleicht Luxemburg oder die Schweiz", sagte der DFB-Vize. Es könne zudem nicht sein, dass der Fußball "jede gesellschaftliche Fehlentwicklung" geraderücke.

Vor und während der Fußball-WM entbrannten zudem immer wieder Debatten um den Gastgeber Katar. Immer wieder wurde der Wüstenstaat wegen systematischer Menschenrechtsverstöße und der Ausbeutung von Migranten kritisiert.

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