09. Mai 2021 / 00:16 Uhr

DFB-Vizepräsident Rainer Koch erklärt: Deshalb habe ich die Keller-Entschuldigung nicht angenommen

DFB-Vizepräsident Rainer Koch erklärt: Deshalb habe ich die Keller-Entschuldigung nicht angenommen

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Rainer Koch hat erklärt, warum er die Entschuldigung von Fritz Keller nur entgegen genommen hat.
Rainer Koch hat erklärt, warum er die Entschuldigung von Fritz Keller nur "entgegen genommen" hat. © Getty Images (Montage)
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Der Nazi-Vergleich von Fritz Keller schlägt weiter hohe Wellen und könnte dem DFB-Präsidenten den Job kosten. Im "ZDF"-Sportstudio hat sich nun Vizepräsident Rainer Koch, der von Keller beleidigt wurde, zum Fall geäußert und erklärt, warum er die Entschuldigung Kellers nicht angenommen hat.

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Für DFB-Präsident Fritz Keller wird es immer enger an der Spitze des Deutschen Fußball-Bundes. Der 64 Jahre alte Verbandspräsident hatte seinen Vizepräsidenten Rainer Koch im April bei einer Präsidiumssitzung mit Nazi-Richter Roland Freisler verglichen - und steht auch deshalb vor dem Aus als Präsident. Die DFB-Landeschefs hatten Keller am vergangenen Sonntag das Vertrauen entzogen. Die Ethikkommission beriet über den Vergleich Kellers und legte das Resultat am Montag dem DFB-Sportgericht zu einer Entscheidung vor. Nun hat sich Koch im "Aktuellen Sportstudio" des ZDF zur Keller-Entgleisung geäußert - und erklärt, warum er eine Entschuldigung Kellers nicht angenommen, sondern nur "entgegen genommen" hat.

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Seit dem Nazi-Vergleich Kellers gab es Kritik von allen Seiten. "Ich bedauere meine affektbeladene Entgleisung zutiefst und bitte erneut um Verzeihung", hieß es in Kellers Stellungnahme am Freitag. Das DFB-Sportgericht will den heiklen Fall um den Nazi-Vergleich bis Ende Mai abschließen. Keller hatte bereits zuvor schriftlich um Entschuldigung gebeten. Koch, auch Chef des Bayerischen Fußball-Verbands, hatte diese aber zunächst nicht angenommen. Rund um den DFB-Krisengipfel am Sonntag im Potsdam hatte Keller seine Entschuldigung noch einmal ausformuliert, Koch nahm diese entgegen, akzeptierte sie aber nicht. "Das ist doch eine sehr persönliche Situation. Ich habe mich zu dem Vorgang überhaupt nicht geäußert. Ich habe ihn auch nicht angezeigt", antwortete Koch auf die Frage, warum er die Keller-Entschuldigung nicht akzeptiert habe. "Aber ich bin seit 32 Jahren Berufsrichter und hab eine ganz persönliche Betroffenheit und ich glaube, das können Sie verstehen."

Koch von Nazi-Vergleich tief getroffen

Freisler sei ein "Blutrichter" gewesen, der "viele tausend Menschen in den Tod geführt" habe. "Und wenn eine solche Äußerung gegenüber jemand, der sein Leben lang dem Recht gewidmet hat, fällt, dann ist so eine Betroffenheit nachvollziehbar", führte Koch weiter aus. "Deswegen habe ich die Entschuldigung entgegengenommen, aber es ist nicht meine Aufgabe, darüber zu befinden, wie das insgesamt im Blick auf den DFB zu sehen ist."



Zuvor hatte FC-Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge bei Sky Koch dazu aufgefordert, die Entschuldigung anzunehmen. "Ich habe grundsätzlich Fritz Keller als integeren, seriösen und auch liebevollen Menschen kennengelernt", sagte der FCB-Chef. "Er weiß selber, dass das, was da passiert ist, eine schwere Entgleisung war. Er hat sich dafür entschuldigt, und ich fände es, das muss ich ganz klar und deutlich sagen, eine nicht nur schöne Geste, sondern eine Geste, diese Entschuldigung nicht nur entgegenzunehmen, sondern auch anzunehmen." Rummenigge wollte den DFB-Vizepräsidenten, "gar nicht als den Alleinschuldigen ausmachen". Es falle aber auf, dass im Verband einfach zu viel Unruhe da sei, sagte der Bayern-Vorstand. "Es gibt keine Loyalität, keine Harmonie - und die muss es geben, wenn du Erfolg haben willst." Schließlich stehe die Europameisterschaft, auch mit Spielen in München, an.

Koch wiederholte im ZDF seine Forderung nach einer neuen Führung beim DFB. "Das Sportgericht ist die eine Frage. Aber das betrifft einen ganz speziellen Fall", so Koch in Bezug auf den Nazi-Vergleich. "Die andere Frage geht darum, ob wir gemeinsam unter dieser Führung den DFB schnell in die Zukunft bringen können ohne das jetzt weiterer Schaden eintritt." Der "entscheidende Satz" der Konferenz am Freitagabend sei gewesen, dass "weiterer Schaden vom deutschen Fußball abgewendet werden muss. Es hat keinen einzigen Landesverband gegeben, der gestern zu einem anderen Ergebnis gekommen ist".

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