04. März 2020 / 08:03 Uhr

DFB-Vizepräsident Rainer Koch über Playoffs im Amateurfußball und Augenmaß bei Spielansetzungen

DFB-Vizepräsident Rainer Koch über Playoffs im Amateurfußball und Augenmaß bei Spielansetzungen

Christian Müller
RedaktionsNetzwerk Deutschland
DFB-Vizepräsident Rainer Koch will die Amateure nach eigener Aussage nicht im Regen stehen lassen.
DFB-Vizepräsident Rainer Koch will die Amateure nach eigener Aussage nicht im Regen stehen lassen. © Imago Images/Patrick Scheiber
Anzeige

DFB-Vizepräsident Rainer Koch äußert sich im Interview zum Stellenwert des Amateurfußballs und dazu, wie der Verband den Amateuren unter die Arme greifen will. Koch macht aber auch klar, wozu der DFB nicht in der Lage ist.

Anzeige

Dieser Artikel ist Teil der Amateurfußball-Initiative #GABFAF. Mehr Infos dazu auf gabfaf.de.

SPORTBUZZER: Herr Koch, seit Dienstag sitzen Sie im Exekutivkomitee der UEFA. Als Vizepräsident des DFB müssen Sie aber vor allem versuchen, die Kluft zwischen Amateur- und Profifußball zu schließen. Wo sehen Sie aktuell die größten Probleme?

Anzeige

Rainer Koch: Bei allen Fragen rund ums Geld. Wer muss wem wieviel geben? Wieweit müssen die Amateure Rücksicht auf die Profis nehmen? Dazu die Fragen um Sonntagsspiele, Abstellungsverpflichtungen und Nachwuchsförderung. Es geht darum Interessen, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein können, zusammenzuführen.

Mehr zu #GABFAF

Wie soll das funktionieren?

Inzwischen haben alle führenden Leute im Fußball hierzulande erkannt, dass es nur miteinander geht. Die Spitzenvertreter des Amateurfußballs hatten in der Vergangenheit Schwierigkeiten, medial als ebenbürtiger Partner betrachtet zu werden. Das ist jetzt deutlich besser geworden. Nicht zuletzt auch dank unseres neuen Präsidenten Fritz Keller.


Koch kündigt "fachliche und technische Unterstützung" an

Welche Hilfe kann der DFB Vereinen geben, die Mühe haben, Vorstände zu finden - etwa, weil diese Haftungsrisiken scheuen?

Der DFB ist weder in der Lage noch berechtigt, einzelnen Vereinen mit Geld zu helfen. Schon gar nicht mit dem Geld, das der Klub bräuchte, um sich dauerhaft krisenfest aufzustellen. Das bedeutet aber nicht, dass der DFB die Amateure im Regen stehen lässt. Seit 2015 sind die finanziellen Leistungen von DFB und DFL für den Amateurfußball mehr als verdoppelt worden. Wir sollten anerkennen, wie gut es dem Amateurfußball im Vergleich zu anderen Sportarten geht. Die Landesturnverbände müssen zum Beispiel dem Deutschen Turnerbund erhebliche Geldbeträge überweisen, damit wir bei Olympia wieder eine tolle Mannschaft haben.

Das sind die prominenten #GABFAF-Unterstützer:

Freunde des Amateurfußballs: Mehr als 40 prominente #GABFAF-Unterstützer findest Du hier in der Galerie. Zur Galerie
Freunde des Amateurfußballs: Mehr als 40 prominente #GABFAF-Unterstützer findest Du hier in der Galerie. ©

Dennoch: wie kann der DFB konkret helfen?

Zum Beispiel mit fachlicher und technischer Unterstützung, wenn wir etwa die Trainerausbildung sehen oder die Digitalisierung, die Lobbyarbeit für das Ehrenamt und eine steuerliche Besserstellung. Im „Masterplan Amateurfußball“ sind erhebliche Geldmittel, mehrere Millionen Euro jährlich, enthalten. Acht Pilotprojekte sollen noch 2020 starten, darunter mit dem „Club 2024“ eine Maßnahme zur Verbesserung zielgerichteter Vereinsberatung.

"Highlight-Spiele" für jeden Fußballkreis

Sie stellten zuletzt auch die Spielansetzungen in Frage.

Natürlich sollte der Meister auf- und der Letzte absteigen. Ich bin aber dafür, dass sich jeder Landesverband Gedanken macht, wie der Spielbetrieb flexibler gestaltet werden kann. Warum diskutieren wir in den unteren Ligen nicht die Form der Relegationen oder sprechen über Play-offs? Ich bin sicher: Wenn wir unsere Wettkampfangebote attraktiv gestalten, kann sich der Amateurfußball weiter behaupten. Zudem sollten wir uns in jedem Fußballkreis, in jedem Verein überlegen, was vor Ort die Highlight-Spiele des Jahres sind. Es ist viel einfacher, bei einem Verein mit durchschnittlich 80 Zuschauern ein-, zweimal im Jahr 500 Leute an den Platz zu holen, als dafür zu kämpfen, dass sich die Durchschnittszahl von 80 auf 95 erhöht.

Hier #GABFAF-Supporter werden

Der Amateurfußball braucht dringend Hilfe! #GABFAF setzt sich bei Verbänden, Politikern und Sponsoren für die Amateurklubs ein. Für vernünftige Duschen, Umkleiden, Plätze, Flutlicht. Für mehr Respekt. Trage Dich hier kostenlos ein, wenn Du dieses Anliegen unterstützt. Du bekommst unseren exklusiven Newsletter und hast jeden Monat die Chance auf 2000 Euro Zuschuss für Deinen Verein.

Das sind die fünf wichtigsten Forderungen der #GABFAF-Supporter an den neuen DFB-Präsidenten Fritz Keller:

Das erwartet der Amateurfußball von Fritz Keller Zur Galerie
Das erwartet der Amateurfußball von Fritz Keller ©

Der Eventcharakter kommt bei vielen Fans im Profifußball überhaupt nicht gut an.

Da muss man genau unterscheiden, wer das behauptet. Zweifelsohne sind die Fans in der Kurve wichtig. Und man muss gerade bei Montagsspielen aufpassen, welche Begegnungen angesetzt werden. Aber was ist mit den rund 500 000 Menschen, die sich am Montagabend ein Fußballspiel im Fernsehen anschauen? Wir lassen uns teilweise von einigen in der Kurve mit Spruchbändern die gesamte Diskussion in eine Richtung hin aufzwängen. Nicht der, der am lautesten schreit, ist das Abbild der Mehrheit. Der Fan ist in seiner Verschiedenheit zu respektieren.