23. April 2020 / 15:27 Uhr

DFL-Versammlung: Bundesliga konkretisiert Konzepte und weist auf bedrohliches Szenario hin

DFL-Versammlung: Bundesliga konkretisiert Konzepte und weist auf bedrohliches Szenario hin

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Bundesliga soll mit Geisterspielen - wie hier in Gladbach - fortgesetzt werden.
Die Bundesliga soll mit Geisterspielen - wie hier in Gladbach - fortgesetzt werden. © imago images/Laci Perenyi/blickwinkel (Montage)
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Nach der außerordentlichen DFL-Mitgliederversammlung hat sich Christian Seifert zu den Konzepten für eine Bundesliga-Fortsetzung geäußert. Der Liga-Chef betont, dass eine Absage der Saison verheerende wirtschaftliche Folgen haben würde.

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Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat ihre Pläne zur Fortsetzung der Bundesliga-Saison weiter konkretisiert. Auf ihrer Mitgliederversammlung am Donnerstag berieten die 36 Profiklubs über ihr weiteres Vorgehen und kamen zu dem Ergebnis, den Spielbetrieb - wenn möglich - im Mai wieder aufnehmen zu wollen. DFL-Boss Christian Seifert betonte jedoch: "Für uns bleibt einzig und allein entscheidend, was die politisch Verantwortlichen entscheiden. Sollte es der 9. Mai sein, sind wir bereit." Gleiches gelte für jedes Datum danach. Es liege "nicht in der Kompetenz" der Liga ohne politische Abstimmung einen Termin zu nennen. Derzeit ist der Spielbetrieb bis zum 30. April ausgesetzt. Laut Seifert sei es möglich, die Saison bis in den Juli hinein auszutragen.

DFL-Boss Seifert: "Kollateralschaden der Corona-Krise" droht

Seifert betonte nach der Videokonferenz mit den Klubs, bei der unter anderem über ein 41-seitiges Konzeptpapier der "Taskforce Sportmedizin/Sonderspielbetrieb im Profifußball" beraten wurde, ganz klar: "Wenn wir wieder spielen, wäre es für einige Klubs die wirtschaftliche Rettung." Bedeutet im Umkehrschluss: Sollte die Saison nicht beendet werden können, dürfte sich die Landschaft rund um die Bundesliga und 2. Liga wesentlich verändern. Sollte eine Rückkehr in den Spielbetrieb zeitnah nicht möglich sein, müsse klar sein, "dass wir die Bundesliga auch in einigen Monaten nicht spielen werden. Dann wäre die Bundesliga irgendwann ein Kollateralschaden dieser Corona-Krise", sagte Seifert.

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Seifert konnte allerdings verkünden, dass sich die DFL "bis auf eine Ausnahme" mit allen Medienpartnern auf die Fortführung der für diese Saison noch ausstehenden Zahlungen geeinigt habe. Damit sei die Liquidität der Vereine bis zum 30. Juni gesichert. Aber: Sollte die Wiederaufnahme des Spielbetriebs ausbleiben, müssten "Zahlungen zurückgeführt" werden, was erneut zu erheblichen wirtschaftlichen Problemen führen würde.

Seifert: "Es gibt nicht nur einen definitiven Plan"

Zudem verkündete die DFL, dass man ein Organisationskonzept für die Durchführung möglicher Begegnungen sowie ein entsprechendes medizinisch-hygienisches Konzept erstellt habe. Dabei stellte Seifert heraus, dass ihm bewusst sei, dass jedes mögliche Szenario für Kritik sorgen könnte. Er meinte auch: "Nach wie vor gilt, dass es in einer solchen Situation nicht nur einen definitiven Plan gibt, es muss aber eine strategische Idee geben."

Endgültige Bundesliga-Entscheidung am 30. April?

Ob die Liga tatsächlich wieder spielen kann, bleibt wohl für mindestens eine Woche weiterhin offen. Zwar hatte es zuletzt von Seiten der Politik positive Signale für die Weideraufnahme des Spielbetriebs gegeben, das finale grüne Licht steht aber noch aus. Eine endgültige Entscheidung wird am 30. April erwartet, wenn sich Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten über das weitere Vorgehen in den gesellschaftspolitischen Fragen während der Corona-Pandemie berät.

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Er muss während der Corona-Krise einen der größten Tiefpunkte der Bundesliga-Geschichte meistern: Der <b>SPORT</b>BUZZER stellt DFL-Boss Christian Seifert vor. Zur Galerie
Er muss während der Corona-Krise einen der größten Tiefpunkte der Bundesliga-Geschichte meistern: Der SPORTBUZZER stellt DFL-Boss Christian Seifert vor. ©

Dabei dürfte es vor allem um das gesundheitliche Risiko und den Aufwänden für die in der Bundesliga regelmäßig geplanten Corona-Tests gehen. Schon vor dem Beginn der DFL-Mitgliederversammlung war erneut ein offizielles Dokument zu den Plänen der Bundesliga-Fortsetzung an die Öffentlichkeit gelangt. In dem Papier, das die Bild am Vormittag publik machte, geht es unter anderem um die Abläufe der vorgesehenen Tests und deren Kosten.

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Einleitend heißt es in dem Dokument, dass die "Durchführung der Profiligen mit vertretbarem medizinischem Risiko" das Ziel sei. Eine "hunderprozentige Sicherheit für alle Beteiligten zu garantieren", könne derweil "nicht das Ziel" sein. Durch "eine regelmäßige Testung" der Akteure wolle man eine potenzielle Ansteckungsgefahr jedoch auf das Minimalste reduzieren.

Corona-Tests kosten Bundesliga 2,5 Millionen Euro

So sollen "mindestens wöchentlich" Nasen- und Mundrachenabstriche sowie als begleitendes wissenschaftliches Element auch eine Antikörpertestung stattfinden. Dabei geht man bei der DFL bis zum Ende der Spielzeit von insgesamt 25.000 erforderlichen Tests aus. Bei durchschnittlichen Kosten von 100 Euro pro Maßnahme stünden für die Klubs am Ende Aufwände in Höhe von insgesamt 2,5 Millionen Euro zu Buche - im Vergleich zu den drohenden Millionen-Verlusten durch ausbleibende TV-Einnahmen eine geringe finanzielle Belastung.

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Zudem rechnet die DFL in dem Papier vor, was die Inanspruchnahme der Test-Ressourcen mit Blick auf die Gesamtgesellschaft bedeuten würde. So entfielen "0,4 Prozent der gesamt in Deutschland durchgeführten Tests" nach dem Modell auf den Profi-Fußball. Getestet werden sollen die Protagonisten jeweils am Vortag eines Spiels, mindestens sechs Stunden vor dem Anpfiff einer Partie sollen die Vereine dann über den Gesundheitszustand ihrer Spieler informiert sein.

Keine Belastung des Gesundheitssystems

Seifert sagte, dass man Kooperationen mit fünf Laboren abgeschlossen habe. Von den Instituten lägen "schriftliche Erklärungen vor", dass es durch den Profi-Fußball "keine Einschränkungen oder Limitierungen" mit Blick auf Tests für die Gesellschaft geben werde. Sollten die Kapazitäten andernorts benötigt werden, würde die DFL vom Gebrauch der Tests Abstand nehmen und diese der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Eine gesonderte Belastung des öffentlichen Gesundheitssystems werde es nicht geben.