16. März 2020 / 17:51 Uhr

DFL-Boss Christian Seifert warnt vor Finanz-Crash wegen Coronavirus-Krise: "Geht ums Überleben"

DFL-Boss Christian Seifert warnt vor Finanz-Crash wegen Coronavirus-Krise: "Geht ums Überleben"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
 DFL-Geschäftsführer Christian Seifert hat eindringlich die finanziellen Auswirkungen der Aussetzung des Bundesliga-Spielbetriebs beschrieben. 
DFL-Geschäftsführer Christian Seifert hat eindringlich die finanziellen Auswirkungen der Aussetzung des Bundesliga-Spielbetriebs beschrieben.  © imago images/Jan Huebner
Anzeige

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert hat in der Debatte um eine weitere Aussetzung des Spielbetriebs wegen der Coronavirus-Pandemie Alarm geschlagen. Solange nicht gespielt werden kann, geht es laut Seifert für einige Vereine finanziell "ums Überleben". 

Anzeige
Anzeige

Was passiert, wenn der Spielbetrieb in der Bundesliga wegen des Ausbruchs der Coronavirus-Pandemie dauerhaft unterbrochen bleibt? Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL) hat zu dieser Frage bei der Pressekonferenz zur Sitzung der 36 Klubs der Bundesliga und der 2. Bundesliga am Montag ausführlich Stellung genommen. Die Antwort klingt dramatisch. Seifert sagte unter anderem: "Es geht nicht mehr darum, wer in der Öffentlichkeit am besten da steht. Sondern es geht für die Klubs der Bundesliga und der 2. Liga ums Überleben."

Mehr vom SPORTBUZZER

Hintergrund: Die Austragung eines Bundesliga-Spiels beinhaltet weit mehr als die 22 Fußballer auf dem Feld, wie Seifert nachdrücklich deutlich machte. Ihm sei bewusst, dass der Profifußball von außen oft als reines Milliardengeschäft gesehen wird, setzte der Geschäftsführer an, um die wirtschaftlichen Dimensionen der Partien zu erklären: "Dadurch sind in den letzten Jahren direkt oder indirekt 56.000 Teilzeit- oder Vollzeitarbeitsplätze entstanden. Dazu kommen zehntausende weitere Jobs in weiteren Bereichen, Medien, Gastronomie, Hotelerie." Seifert unterstrich, dass zahlreiche Klubs ab einem gewissen Zeitpunkt" ohne Zuschauer, ohne TV- und Sponsoring-Einnahmen zwangsläufig in ihrer Existenz bedroht sind. Was wiederum Arbeitsplätze in Gefahr bringt.

Seifert: Geisterspiele "einzige Überlebenschance"

Aus diesem Grund hält Seifert auch die Austragung von Geisterspielen, so wie sie auch am ursprünglich für das vergangene Wochenende angesetzten 26. Spieltag angedacht waren, kurzfristig für "die einzige Überlebenschance für viele Klubs der 1. und 2. Bundesliga." Der DFL-Boss machte keinen Hehl daraus, was wirklich auf dem Spiel stehe: "Wer Geisterspiele rundheraus ablehnt, der muss sich keine Gedanken mehr machen, ob wir demnächst mit 18 oder 20 Profiklubs spielen. Denn dann wird es keine 20 Profiklubs mehr geben."

Der Sport-Geschäftsführer des SC Paderborn, Martin Prondziono, hatte sich am Sonntag in der Sendung Sky 90 offen für die Einrichtung eines Solidarfonds gezeigt, um wirtschaftlich schwächeren Klubs zu helfen, die finanziellen Folgen der Coronavirus-Krise zu überstehen. Dergleichen - wie auch staatliche Hilfen - waren aber offenbar noch nicht Gegenstand der Sitzung, bei der eine Aussetzung des Spielbetriebs bis mindestens 2. April vereinbart wurde. Solche Überlegungen kommen laut Seifert einfach noch zu früh. "Wir müssen einen Überblick darüber bekommen, wer wie lange ohne Spiele durchhält", sagte er.

Medien-, Sponsoring- und Zuschauereinnahmen fehlen

Das Problem an Spielabsagen sei, dass den Vereinen dadurch Medien-, Sponsoring- und Zuschauereinnahmen verloren gingen - ihre laut Seifert größten Einnahmeposten. "Und wenn Sie Zuschauereinnahmen, TV-Einahmen und demzufolge Sponsoren-Einnahmen nicht mehr haben, dann geht das – selbst wenn Sie Kosten im Tagesgeschäft reduzieren, weil beispielsweise Spieler auf Gehälter verzichten – eine Zeit lang gut, aber eben nicht sehr lange", erläuterte der Funktionär.

Sport-Stars in der Corona-Pause: So halten sich Ramos, Hamilton und Co. fit

Der SPORTBUZZER zeigt, wie sich die Sport-Stars während der Corona-Krise fit halten.  Zur Galerie
Der SPORTBUZZER zeigt, wie sich die Sport-Stars während der Corona-Krise fit halten.  ©

Allerdings bemühte sich Seifert auch, dem Eindruck entgegen zu wirken, es gehe der DFL wieder einmal nur ums Geld. "Allen Beteiligten war wichtig, zu betonen, dass wir in nächster Zeit nicht nur eine finanzielle Solidarität an den Tag legen müssen, sondern auch eine moralische und emotionale. Das beinhaltet auch, dass nicht einen Klub etwas tut und damit indirekt andere Vereine unter Druck setzt", warb Seifert für Solidarität zwischen den Vereinen. Überdies habe das Ziel, das Coronavirus in den Griff zu bekommen, "Priorität A, B und C".

Keine Versicherung gegen Pandemie-Ausbruch

Am Wochenende hatte es Berichte gegeben, dass ein vorzeitiger Abbruch der Saison die Erst- und Zweitligaklubs mangels einer entsprechenden Versicherung bis zu 750 Millionen Euro kosten könnte. Seifert nahm auch dazu Stellung: Die DFL habe zwar 2018 erstmals eine sogenannte Spielausfall-Versicherung abgeschlossen, durch die aber nicht der Ausfall beispielsweise von Zuschauereinnahmen abgedeckt sei. Außerdem: "Hätten wir vier Jahren zur Abstimmung gestellt, dass wir über vier Milliarden Euro Mediengelder für den Ausfall im Falle einer Pandemie versichern, wären wir wahrscheinlich alle vor dieser Situation zurückgeschreckt, weil uns die Versicherungsprämien vermutlich abgeschreckt hätten." Er verglich das aktuelle Geschehen mit einem "Science-Fiction-Film".