05. Februar 2018 / 06:00 Uhr

DFL-Entscheidung zu 50+1 bei Hannover 96: Worum geht es? Mit welchem Ausgang ist zu rechnen?

DFL-Entscheidung zu 50+1 bei Hannover 96: Worum geht es? Mit welchem Ausgang ist zu rechnen?

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Von der DFL gab es noch keine Antwort zu den Übernahmeplänen von Martin Kind.
Wie entscheidet die DFL über den Antrag von Martin Kind zur 50+1-Ausnahmeregelung bei Hannover 96? © imago/Nordphoto
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Die Deutsche Fußball Liga (DFL) will am Montag über den Antrag von Martin Kind zur 50+1-Ausnahmeregelung bei Hannover 96 entscheiden. Wir beantworten die wichtigen Fragen zu dem brisanten Thema: Worum geht es? Mit welchem Ausgang ist zu rechnen?

Wer entscheidet?

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Die DFL ist die Dachorganisation der 36 Proficlubs aus erster und zweiter Liga. Am späten Vormittag trifft sich am Montag das neunköpfige DFL-Präsidium zu einer turnusmäßigen Sitzung. Dabei wird auch der 96-Antrag zu 50+1 behandelt.

50+1 bei Hannover 96: Das sind die acht Entscheider der DFL:

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Der Sportbuzzer stellt Euch das achtköpfige DFL-Präsidium vor, das entscheidet, ob Martin Kind die Macht bei Hannover 96 bekommt.  ©

Was ist die 50+1-Regel?

Sie begrenzt den Einfluss von Investoren bei einem Club und sieht vor, dass die Stammvereine nach einer Ausgliederung der Profi-Abteilungen in eine Kapitalgesellschaft immer noch die Mehrheit der Stimmanteile besitzen müssen.

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Wie lautet der 96-Antrag?

96-Chef Martin Kind hat einen Antrag auf Ausnahmegenehmigung von der 50+1-Regel gestellt. Kind bezieht sich dabei auf ein DFB-Schiedsgerichtsurteil von 2011, für den Hörgeräte-Unternehmer war das ein "gesichtswahrender Kompromiss". Danach kann ein Investor, der den Verein 20 Jahre ununterbrochen und erheblich gefördert hat, die Mehrheit übernehmen. Das war bei Dietmar Hopp und der TSG Hoffenheim zum Beispiel gegeben. 

Was will Kind?

Die vier 96-Gesellschafter (Kind, Dirk Roßmann, Gregor Baum und Matthias Wilkening) besitzen bereits 100 Prozent der vom Verein ausgegliederten 96-Profifußball-Firma KgaA. Es geht ausschließlich noch um die Übernahme der Mehrheit in der Management GmbH, in der der Geschäftsführer der 96-Fußballfirma (KgaA) bestellt wird. Die Gesellschafter wollen bestimmen, wer ihr Geld ausgeben darf.

Wie ist die Tendenz?

Bild und Tagesspiegel berichteten, dass der 96-Antrag abgelehnt wird. Damit beziehen sie sich offenbar auf eine Beschlussvorlage, die ihnen zugespielt wurde. Kind selbst nennt das "eine interne Ausarbeitung", und stellt die Frage, ,,von wem mit welcher Interessenlage" das geschehen sei.

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Welche Rolle spielt DFL-Geschäftsführer Christian Seifert?

Er gilt als 50+1-Gegner und könnte Bewegung in den 96-Fall bringen. „Niemand will einen komplett freien Markt, in dem sich Investoren austoben und bedienen", sagte Seifert jüngst. ,,Populistische Phrasen und die Ignorierung juristischer Risiken sind aber auch keine zukunftsfähige Lösung“. Eine grundsätzliche Modifizierung der Regel und Öffnung für Investoren lässt sich am besten mit dem Fall Kind als Treibmittel durchsetzen.

Womit rechnet Kind?


Am Wochenende hat 96 noch mal mögliche Kompromisse durchgespielt. ,,Ich kann nur empfehlen, dass die DFL ihre Gestaltungsmöglichkeit nicht aufgibt. Es wäre eine Katastrophe, wenn der Fußball selbst keine Antworten hätte", sagte Kind gestern vor dem Spiel in Hamburg. Das heißt: Wird Kind am Montag nicht zumindest die Übernahme in Aussicht gestellt wird er klagen, und nach Einschätzung nahezu aller Experten vor ordentlichen Gerichten gewinnen, weil die jetzige 50+1-Regel sowohl EU- als auch Kartellrecht widerspricht.

Wie geht es aus?

Eine komplette Ablehnung ist so unwahrscheinlich wie die Annahme des 96-Antrags. Es scheint auf einen Kompromiss, auf eine Hintertür hinauszulaufen, durch die Kind in Kürze doch gehen und 96 übernehmen kann. Ob das Markenrechte sind, die dem Verein zurückgeben werden müssen oder mögliche Unveränderbarkeit des Logos - die DFL wird vermutlich Auflagen erteilen. Kind muss dann entscheiden, ob er zustimmt - oder doch klagen wird.

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