04. März 2020 / 16:49 Uhr

DFL reagiert auf Fanproteste gegen Dietmar Hopp: "Kollektivstrafen haben noch nie ein Problem gelöst"

DFL reagiert auf Fanproteste gegen Dietmar Hopp: "Kollektivstrafen haben noch nie ein Problem gelöst"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die DFL hat in einer Stellungnahme auf die massiven Fanproteste gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp reagiert.
Die DFL hat in einer Stellungnahme auf die massiven Fanproteste gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp reagiert. © dpa-Montage
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Die DFL mit Geschäftsführer Christian Seifert haben auf die Fanproteste und die Anfeindungen gegen Mehrheitseigner Dietmar Hopp von der TSG Hoffenheim mit einer Stellungnahme reagiert. Darin sprach sich die Dachorganisation der Profiklubs gegen Kollektivstrafen aus.

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Die Deutsche Fußball Liga hat sich im Streit zwischen Fanszene und DFB gegen Kollektivstrafen ausgesprochen. „Kollektivstrafen haben im deutschen Fußball noch nie ein Problem gelöst“, heißt es in einer ausführlichen Erklärung der DFL am Mittwoch zum derzeitigen Streit im Fußball. Als „Ultima Ratio in absoluten Ausnahmefällen“ könnten sie aber in sportgerichtlichen Verhandlungen zwischen Deutschem Fußball-Bund und Klubs nicht komplett ausgeschlossen werden.

Die DFL will auf den DFB zugehen, um das grundsätzliche Gespräch unter anderem bezüglich Transparenz sowie Auslegung und damit auch Akzeptanz von Sanktionen zu suchen. Der Drei-Stufen-Plan mit Spielunterbrechungen und -Abbrüchen müsse präzise definiert werden, forderte die Dachorganisation der Profiklubs mit Geschäftsführer Christian Seifert.

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"Die Meinungsfreiheit steht nicht zur Disposition"

„Die Meinungsfreiheit, zu der selbstverständlich auch Protest gehört, steht nicht zur Disposition“, hieß es weiter. Genauso klar sei aber auch: „Menschen gehören auch auf Plakaten nicht ins Fadenkreuz. Diffamierungen, Hetze und Hass – gleichgültig in welcher Form – sind nicht hinnehmbar. Dies gilt unabhängig von Dietmar Hopp für alle Menschen – jedes Alters, jedes Geschlechts, jeder Religion, sozialen Schicht, Hautfarbe, Nationalität oder sexuellen Orientierung.“

Selbstkritisch erklärte die DFL auch, dass es „absolut legitim“ sei, zu fragen, warum diese Haltung in dieser Deutlichkeit nicht früher zum Ausdruck gekommen sei. Das Präsidium habe sich eingehend mit dem Miteinander in den Stadien der Bundesliga und 2. Bundesliga sowie dem Zusammenspiel von DFL, DFB, Klubs und Fans beschäftigt.

Die Chronologie im Fall Hopp: So eskalierte der Hass gegen den Hoffenheim-Mäzen

Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp ist über die Jahre zur Hassfigur der aktiven Fanszenen geworden. Im Februar 2020 kam es zum Eklat. Doch was ist die Ursache für die Anfeindungen? Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt die Chronologie des Hasses gegen Hopp! Zur Galerie
Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp ist über die Jahre zur Hassfigur der aktiven Fanszenen geworden. Im Februar 2020 kam es zum Eklat. Doch was ist die Ursache für die Anfeindungen? Der SPORTBUZZER zeigt die Chronologie des Hasses gegen Hopp! ©

Auslöser für die zuletzt wieder stark aufflammenden Proteste war die von den Fankurven als Kollektivstrafe empfundene Sanktion gegen die Anhänger von Borussia Dortmund, die kurz vor Weihnachten beim Auswärtsspiel in Sinsheim abermals mit Plakaten und Gesängen gegen Hopp aufgefallen waren. Da die BVB-Szene aufgrund ähnlicher Vorkommnisse ohnehin unter Bewährung stand, verhängte der DFB eine Sperre gegen Dortmunder Anhänger von zwei Jahren für Auswärtspartien bei der TSG.

Fanszenen solidarisieren sich nach Kollektivstrafe mit BVB-Fans

Daraufhin solidarisierten sich Fanszenen anderer Vereine mit der Borussia, um gegen die Kollektivstrafen - deren Abschaffung der DFB Ende 2017 angekündigt hatte - zu protestieren. Auch beim Hoffenheimer Spiel bei Borussia Mönchengladbach wurde ein Plakat mit Hopp im Fadenkreuz präsentiert, weshalb der Schiedsrichter die Partie unterbrach.

Eine Woche später stand die Partie des FC Bayern München in Sinsheim wegen eines beleidigenden Banners der FCB-Fans kurz vor dem Abbruch. Spieler beider Teams kickten sich aus Protest gegen das Vorgehen der Bayern-Fans in den letzten 13 Minuten der Begegnung nur noch den Ball hin und her, nachdem das Spiel zweimal unterbrochen gewesen war. Auch bei den Duellen BVB gegen den SC Freiburg (1:0), 1. FC Köln gegen Schalke 04 (3:0) und Union Berlin gegen den VfL Wolfsburg (2:2), alle ebenfalls am 24. Spieltag, gab es Protest-Plakate und Gesänge gegen Hopp. Selbst beim Drittliga-Spiel zwischen Preußen Münster und Hansa Rostock ereignete sich ein ähnlicher Vorfall, genau wie in der 2. Liga beim 3:1 von Hannover 96 gegen Holstein Kiel.