03. Juni 2020 / 13:39 Uhr

Druck auf DFL vor TV-Poker mit Sky, DAZN und Co. wächst  - Experte Dammholz: "Zeitpunkt nicht optimal"

Druck auf DFL vor TV-Poker mit Sky, DAZN und Co. wächst  - Experte Dammholz: "Zeitpunkt nicht optimal"

Roman Gerth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die DFL um Geschäftsführer Christian Seifert (links) steht bei der im Juni anstehenden Rechte-Ausschreibung unter Druck, meint Experte Kay Dammholz.
Die DFL um Geschäftsführer Christian Seifert (links) steht bei der im Juni anstehenden Rechte-Ausschreibung unter Druck, meint Experte Kay Dammholz. © Getty Images/imago images/Frank Hoermann (Montage)
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Der Höhenflug von Sky im Bundesliga-Endspurt ist vorbei, die ARD-"Sportschau" beklagt sinkende Quoten - und damit wächst der Druck auf die DFL für die anstehende TV-Rechte-Ausschreibung. Experte Kay Dammholz spricht gar von einer ungünstigen Terminierung.

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Der Bundesliga-Neustart stand stets im Zeichen der TV-Millionen. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) und ihre Klubs betonten regelmäßig, wie wichtig die Saison-Fortsetzung allein mit Blick auf die Zahlung der ausstehenden Tranche von Sky, DAZN und Co. ist. Den Streit mit Eurosport, das seinen Vertrag letztlich aufkündigte, nutzte die Liga sogar, um mit DAZN und Amazon zwei neue Vereinbarungen zu schließen, die unter anderem die Freitags- und Montagsspiele sowie die Relegationspartien einschließen. Die DFL hatte dabei stets schon die im Juni anstehende Ausschreibung für den Rechte-Zyklus ab der Saison 2021/22 im Fokus.

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Die Liga setzte darauf, dass die Fans nach der langen Corona-Pause wieder Lust auf Fußball haben - und sich dies sogar langfristig positiv auswirken könnte, solange keine Fans im Stadion dabei sein dürfen. Doch die Mega-Quoten von Sky sanken nach den beiden im Free-TV übertragenen Konferenzen an den ersten beiden Nach-Corona-Spieltagen wieder auf Normalmaß. Noch bitterer lief es für die ARD. Der öffentlich-rechtliche Sender hatte durch die Konkurrenz von Live-Spielen im frei empfangbaren Fernsehen schon schwache Reichweiten verzeichnet - und diese stürzten nun sogar noch weiter ab. Zuletzt wollten nur noch 3,30 Millionen Menschen den Sport-Klassiker in der ARD am Samstag sehen - der Quoten-Durchschnitt in dieser Saison lag vor der Pause bei 4,81 Millionen Zuschauern.

Experte Dammholz: "Die anfängliche Neugier ist gestillt"

TV-Rechte-Experte Kay Dammholz sieht dafür gleich mehrere Gründe. "Der Effekt, dass die Meisterschaft nunmehr entschieden ist, muss auf jeden Fall einkalkuliert werden. Es liegt natürlich auch an den nicht ganz so attraktiven Geisterspielen. Diese sind zwar besser als von vielen befürchtet, aber das Zuschauen macht trotzdem nicht so viel Spaß wie zuvor", sagt der ehemalige DFL- und DAZN-Manager dem SPORTBUZZER.

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Dammholz weiter: "Die anfängliche Neugier, der Heißhunger, wieder Fußball zu sehen, ist ein Stück weit gestillt. Hinzu kommt der Faktor Corona: Auf der einen Seite sind die Sorgen der Menschen wegen der Nachwirkungen der Krise noch groß. Auf der anderen Seite wird der Lockdown immer weiter aufgehoben. Das Wetter ist gut, und die Menschen sind fernsehmüde nachdem sie wochenlang vor den Bildschirmen verbracht haben." Er geht allerdings "nicht davon aus, dass der Quoten-Rückgang der 'Sportschau' dauerhaft anhält."

Die Free-TV-Aktion von Sky zum Liga-Neustart nennt Dammholz derweil "sehr clever. Man hat dem Volk den Restart der Bundesliga nach der langen Corona-Pause gratis zugänglich gemacht und sich damit als Wohltäter positioniert, das Produkt Bundesliga-Konferenz einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert sowie Promotion für sich selbst etwa mit Blick auf ein ‚End-of-Season‘-Abo gemacht."

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Der Druck auf die DFL bei der kommenden Medienrechte-Ausschreibung sei in Folge der aktuellen Bundesliga-Müdigkeit einiger Fans hingegen gewachsen. "Aus meiner Sicht hat die DFL den Zeitpunkt der Rechte-Ausschreibung nicht optimal gewählt. Es ist immer noch unklar, wann und in welchem Umfang wieder Fans in die Stadien dürfen. Die Geisterspiele sind allgegenwärtig. Man hat auf Liga-Seite wohl mit der Euphorie des Neustarts kalkuliert – doch das war eher ein Strohfeuer", meint der Geschäftsführer der Sportmarketing-Agentur Sass Media.

Der Zoff mit Eurosport schwebt ebenfalls noch im Raum. Das Tochterunternehmen des Medienriesen Discovery hatte seine Rechte seit vergangenem Sommer ohnehin nicht mehr selbst genutzt, die Übertragungen an den Streamingdienst DAZN weiterverkauft - aber dennoch nur etwa die Hälfte der kolportierten Rechtesumme von 80 Millionen Euro, die an die DFL gezahlt werden muss, damit eingenommen.

"Es gibt noch keine absehbare Lösung"

Als neuer starker Player positionierte sich derweil Amazon. Doch was bedeutet das aktuell geringe Interesse an TV-Fußball für den Milliarden-Poker im Juni? Dammholz sagt: "Es gibt noch keine wirklich absehbare dauerhafte Lösung für die nächste Saison und auch nicht für die Saisons danach. Es ist aber anzunehmen, dass die DFL von den Bietern einen ‚Daumen hoch‘ bekommen hat, sodass sie sich sicher sein kann, dass die Ausschreibung wie geplant ablaufen kann und auf Bieter trifft, die willens und in der Lage sind, zum aktuellen Zeitpunkt langfristige und gravierende Investitionen in Fußballübertragungsrechte zu tätigen.“