06. August 2020 / 17:40 Uhr

"Unsere Kurve": Fan-Vertreter schießt gegen DFL-Konzept - "Geht um Bürger- und Persönlichkeitsrechte"

"Unsere Kurve": Fan-Vertreter schießt gegen DFL-Konzept - "Geht um Bürger- und Persönlichkeitsrechte"

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Fan-Vertreter Markus Sotirianos vom Bündnis Unsere Kurve hat die Maßnahmen im DFL-Konzept zur Rückkehr von Fans in die Stadien kritisiert.
Fan-Vertreter Markus Sotirianos vom Bündnis "Unsere Kurve" hat die Maßnahmen im DFL-Konzept zur Rückkehr von Fans in die Stadien kritisiert. © Neundorf/Kirchner-Media/Hübner/Imago Images (Montage)
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Die DFL hat in dieser Woche ein Konzept zur Rückkehr von Fans in die Bundesliga-Stadien vorgelegt. Markus Sotirianos vom Fan-Bündnis "Unsere Kurve" sieht die Pläne um Gästefans-Verbot und personalisierte Tickets jedoch kritisch.

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Die Bundesliga-Klubs haben am Dienstag weitreichende Maßnahmen beschlossen, um die Rückkehr von Zuschauern in die Stadien zu ermöglichen. Wesentliche Punkte des Papiers sind Stehplatz- und Alkoholverbote. Auch Gästefans sollen vorerst nicht ins Stadion gehen dürfen. Alle Tickets, die verkauft werden, sollen personalisiert werden. Doch die Maßnahmen stoßen unter den Fans auf Kritik – zumal die Fanvertreter eigenen Angaben zufolge kaum in die Planungen involviert waren. Anfang Juli habe es eine Sondersitzung der AG Fankultur gegeben, erklärt Markus Sotirianos, Vorstandsmitglied beim Fan-Bündnis „Unsere Kurve“, dem SPORTBUZZER. „Allerdings waren wir nun in die konkrete Entscheidungsfindung für das Konzept nicht eingebunden“, sagt er. „Das hätten wir uns anders gewünscht.“

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Vor allem das Sammeln von Daten hält er für problematisch. „Es ist zu befürchten, dass diese Maßnahmen durch die Hintertür bleiben könnten“, so Sotirianos. In der Corona-Zeit sollen die Zuschauer ihre Daten am Eingang abgeben, damit mögliche Infektionsketten nachvollzogen werden können. Dagegen spreche auch nichts, sagt Sotirianos. Allerdings befürchten Datenschützer und Fan-Vertreter, dass auch die Polizei auf diese Daten zugreifen könne. Zumal einige Politiker und Polizeigewerkschafter diesen Zugriff auf Daten schon in der Vergangenheit häufiger gefordert hatten – genauso wie personalisierte Tickets. Angeblich würden Krawallmacher so schneller ausfindig gemacht werden können, heißt es. Doch Sotirianos warnt davor, dieses Konzept nach der Corona-Zeit zum Alltag zu machen. „Dabei geht es uns vor allem um Bürger- und Persönlichkeitsrechte.“

Politiker fordern generelles Alkoholverbot in Stadien

Gleiches gilt für das Alkoholverbot in Stadien. Erste Politiker stießen bereits die Überlegung an, dies generell auch nach Corona-Zeiten durchzusetzen. „Das könnte ein Weg für die Zukunft darstellen, denn Alkohol spielt auch bei Ausschreitungen oder dem Missbrauch von Pyrotechnik oft eine Rolle“, sagte der CDU-Politiker Eberhard Gienger der Augsburger Allgemeinen Zeitung. „Unsere Kurve“ geht das zu weit. „Viele Menschen werden so unter Generalverdacht gestellt“, sagt Sotirianos. „Zuschauer werden oft als Sicherheitsrisiko und Krawallmacher bezeichnet. Dabei sind es die Fans, die den Fußball gesellschaftlich relevant machen.“

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Deshalb fordert „Unsere Kurve“ eine sozial gerechte Verteilung der Eintrittskarten, wenn eine Teilzulassung von Zuschauern in der Bundesliga erfolgt. „Sponsoren sind sicher wichtig für die Vereine, aber diese sollten nicht bevorzugt werden“, sagt Sotirianos. Die Spaltung dürfe nicht vorangetrieben werden, schließlich sei jeder Fan, der den Fußball liebt.

"Unsere Kurve": Verbot von Gästefans kaum nachvollziehbar

So sei auch das Gästefan-Verbot bis Ende des Jahres kaum nachvollziehbar, sagt das Vorstandsmitglied von „Unsere Kurve“. Zwar sei es in Corona-Zeiten ein Argument, den Reiseverkehr einzuschränken. Allerdings dürfe auch beispielsweise ein Fan von Borussia Dortmund aus Bremen nicht beim Auswärtsspiel seines Klubs beim SV Werder ins Stadion. „Es besteht die Gefahr, dass zwischen gutem und bösen Fan unterschieden wird“, sagt Sotirianos. „Der Aspekt im Konzept suggeriert unterschwellig, dass Gästefans und Stehplätze schwierig sind.“

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Dies zahle auch darauf ein, dass das Verhältnis zwischen Fans und Verbänden in der Vergangenheit nicht sonderlich gut war. „Der Fußball ist aber abhängig von seinen Fans und den Emotionen“, sagt Sotirianos. „Ich sehe die Gefahr der Abkehr vom Fußball. Eine gewisse Entfremdung ist aktuell da. Nun wird es wichtig sein, wie ernst der Fußball es mit den Reformen meint“, sagt das Vorstandsmitglied von „Unsere Kurve“.

Der Fußball dürfe nicht zum reinen Fernsehsport verkommen. „Der Fußball muss sich entscheiden, ob er eine Gelddruckmaschine sein will, oder die Basis berücksichtigt“, mahnt Sotirianos. Deshalb wünscht sich das Fan-Bündnis „Unsere Kurve“, „dass wir Fans als wichtiger Teil des Fußballs wahrgenommen werden, nicht nur als Beiwerk, das zwar zahlt, aber dem mit Vorbehalten begegnet wird. Dafür müssten die Faninteressen bei den Verbänden jedoch institutionell stärker verankert werden“, sagt Sotirianos.