31. Mai 2021 / 14:15 Uhr

DFL-Zahlen: Wolfsburg hat sein Minus mehr als halbiert

DFL-Zahlen: Wolfsburg hat sein Minus mehr als halbiert

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Sportlich sehr gut, wirtschaftlich besser als zuvor: Dr. Tim Schumacher freut sich über den Konsolidierungs-Kurs des VfL.
Sportlich sehr gut, wirtschaftlich besser als zuvor: Dr. Tim Schumacher freut sich über den Konsolidierungs-Kurs des VfL. © Roland Hermstein
Anzeige

Der VfL Wolfsburg macht weiter Miese - aber deutlich weniger als zuvor. Das geht aus den Finanzkennzahlen hervor, die die DFL am Montag veröffentlicht hat. Finanzgeschäftsführer Dr. Tim Schumacher: "Wir haben unseren Weg der Konsolidierung konsequent fortgesetzt."

Der VfL Wolfsburg setzt seinen Sparkurs weiter fort - und das lässt sich jetzt auch an handfesten Daten ablesen. Die DFL veröffentlichte am Montag die Finanzkennzahlen der deutschen Profi-Klubs für die Saison 2019/20, der VfL hat sein Minus im Vergleich zur Spielzeit davor mehr als halbiert. 44,8 Millionen Euro hatte das Defizit 2018/19 betragen (als der VfL unter Bruno Labbadia die Europa League erreichte), ein Jahr später lag das Defizit bei 21,02 Millionen - in der zweiten Saison unter Manager Jörg Schmadtke und Sportdirektor Marcel Schäfer, die Wolfsburg auf Platz sieben beendet hatte. Die Zahlen für die gerade beendeten Spielzeit gibt es erst in einem Jahr, sie dürften sich in ähnlicher Größenordnung bewegen.

Anzeige

"Wir haben unseren Weg der Konsolidierung konsequent fortgesetzt und auch aufgrund der weiteren finanziellen Stabilisierung im Lizenzbereich in der Saison 19/20 – trotz Corona – ein wesentlich besseres Ergebnis erzielt als im Vorjahr“, freut sich VfL-Finanzgeschäftsführer Dr. Tim Schumacher. Finanzielle Stabilisierung heißt hier: Die Verträge für die Profis sind nicht mehr ganz so üppig wie in der Zeit vor Schmadtke und Schäfer, auch wenn immer noch Spieler beim VfL unter Vertrag stehen, die ihren laufenden Kontrakt zu einer Zeit unterschrieben haben, als rund um die VW-Arena noch mit größeren Summen hantiert wurde.

Mehr zum VfL Wolfsburg

Größter Ausgabenposten sind - wie bei allen Profiklubs - die Gehälter, beim VfL waren das in der Saison 2019/20 123,96 Millionen und damit weniger als in der Spielzeit davor (132,4 Millionen). In der Liga haben nur Bayern (339,8 Millionen), Dortmund (215,2 Millionen), Leipzig (147,1 Millionen) und Leverkusen (139,8 Millionen) höhere Gehaltskosten. Allerdings sind hier alle VfL-Angestellten und alle Teams der GmbH (Frauen, Nachwuchs) mitgerechnet. Die Gehaltskosten die männlichen Bundesliga-Kicker liegen bei geschätzten 95 Millionen Euro und damit im Gegensatz zur Saison davor unter der 100-Millionen-Grenze.

Im Liga-Vergleich gehört der VfL nun nicht mehr zu den fünf Klubs, die das größte Minus eingefahren - Hertha BSC (53,4 Millionen), Borussia Dortmund (44,0 Millionen), Eintracht Frankfurt (37,0 Millionen), dem 1. FC Köln (24,7 Millionen) und dem VfB Stuttgart (28,3 Millionen) hatten höhere Fehlbeträge - wobei sich die Zahlen aus Frankfurt und Stuttgart auf das Kalenderjahr 2020 beziehen, nicht auf die Saison 2019/20.

In der Spielzeit, deren Zahlen jetzt vorgelegt worden sind, fehlten im letzten Saisonviertel Zuschauer-Einnahmen - Corona hatte für die ersten Geisterspiele gesorgt. „Die Saison 19/20 wurde natürlich auch unter anderem durch die Corona-bedingt fehlenden Einnahmen geprägt", so Dr. Schumacher. Die Spielzeit 2020/21 fand nahezu komplett ohne Zuschauer statt. Auch das wird sich auswirken. Aber: Im Gegensatz zu den beiden Relegations-Jahren stehen finanzieller Aufwand und sportlicher Ertrag beim VfL wieder in einem gesünderen Verhältnis. Dr. Schumacher: „In einer durch Corona sehr herausfordernden Saison 20/21 haben wir die Konsolidierung vor allem beim Personalaufwand weiter vorangetrieben und mit Platz vier und der damit verbundenen Qualifikation für die Champions League ein überragendes sportliches Ergebnis erzielt. Die wirtschaftlich positiven Effekte durch die Champions League werden sich aber natürlich erst in der Saison 21/22 bemerkbar machen.“

Dazu kommt, dass es in der kommenden Saison wohl wieder Zuschauereinnahmen geben wird - ab wann und in welcher Größenordnung, ist noch offen. Wobei sich ein wirtschaftlicher Nutzen erst einstellt, wenn rund 8000 Zuschauer in die VW-Arena dürfen - bei geringeren Zahlen kostet der logistische Aufwand für ein Bundesliga-Spiel mehr als durch den Ticket-Verkauf eingenommen wird. Wichtiger aber: Die Königsklasse wird Einnahmen in zweistelliger Millionen-Höhe bringen und "unsere wirtschaftliche Situation deutlich verbessern", so Dr. Schumacher.


An Eigner Volkswagen ist die VfL-GmbH über einen "Gewinnabführungsvertrag" gekoppelt, der sich in diesem Jahr verlängert hat und über den VW den 21-Millionen-Verlust ausgleicht. „Mit unserem Partner Volkswagen sind wir robust aufgestellt", sagt Dr. Schumacher, "wir achten trotzdem aber nach wie vor auch auf die Kostendisziplin, auf Einsparpotenziale und eine Priorisierung von Themen.“ Was sich auch auf die an Berater gezahlten Honorare auswirkt, die ebenfalls von der DFL veröffentlicht werden. Nach 21,6 Millionen Euro 2018 (Platz vier in der Liga) und 10,6 Millionen (Platz acht) 2019 waren es 2020 nun 8,14 Millionen Euro - acht Klubs gaben mehr aus, Spitzenreiter ist der FC Bayern mit 32,6 Millionen.