16. März 2021 / 17:28 Uhr

DHB-Vorstand Chatton kündigt nach Drohbrief gegen Gislason rechtliche Schritte an: "Müssen aufpassen"

DHB-Vorstand Chatton kündigt nach Drohbrief gegen Gislason rechtliche Schritte an: "Müssen aufpassen"

Jens Kürbis
Lübecker Nachrichten
Benjamin Chatton hat sich über die ausländerfeindlichen Ausfälle gegen Handball-Bundestrainer Alfred Gislason geäußert.
Benjamin Chatton hat sich über die ausländerfeindlichen Ausfälle gegen Handball-Bundestrainer Alfred Gislason geäußert. © IMAGO/Andreas Gora/wolf-sportfoto
Anzeige

Den ausländerfeindlichen Eklat um Bundestrainer Alfred Gislason sorgt auch beim Deutschen Handballbund für Entsetzen. Gegenüber dem SPORTBUZZER kündigt DHB-Vorstand Benjamin Chatton rechtliche Schritte gegen den noch unbekannten Verfasser eines Drohbriefs an. Gislason hatte den Fall am Dienstag publik gemacht.

Anzeige

Im beschaulichen Wendgräben bei Magdeburg, einem 32 Einwohner zählenden Dorf bei Magdeburg, hatte sich Alfred Gislason in seinem ausgebauten Bauernhaus am Montagabend ein Gläschen Rotwein gegönnt. Nach den drei Tagen von Berlin, dem abgeholten Olympia-Ticket, war dem Handball-Bundestrainer eine Last von den Schultern gefallen. Der Druck, er war jetzt der Erleichterung und der Vorfreude auf die Olympischen Spiele, seine ersten als Trainer, gewichen. Was der 61-Jährige jedoch am Morgen danach in seinem Briefkasten fand, ließ ihn Entsetzen. In einem Brief wurde er ausländerfeindlich beleidigt und massiv bedroht. Gislason veröffentlichte den Inhalt umgehend auf seinem Instagram-Account. „Wir sind alle deutsch und wünschen uns auch einen deutschen Trainer für die Handballmannschaft“, heißt es darin. Für den Fall, dass er sein Amt nicht niederlege, werde man ihn auf seinem Grundstück aufsuchen - „mal sehen was aus ihren Anwesen dann wird“, heißt es weiter.

Anzeige

Gislason schrieb in einem Kommentar dazu. „Schöner Brief in dem Briefkasten heute!!! Nach insgesamt knappen 30 Jahren in Deutschland, das erste mal das ich in diesem großartigen Land bedroht wurde.“ Bei der Suche nach dem Absender rief er auch seine Follower zur Mithilfe auf, indem er den Briefumschlag veröffentlichte und schrieb: „Vielleicht erkennt jemand die Handschrift meines "Fans"..?“ Dass jemand dem Handball und auch ihm schaden will, empfindet Gislason als „sehr eigenartig. Ich habe nie jemandem etwas getan“, sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur SID. Gislason lebt seit seiner erfolgreichen Zeit als Trainer des SC Magdeburg in der Nähe der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt.

Der Deutsche Handballbund (DHB) reagierte umgehend: „Wir sind geschockt, denn wir sind froh, dass wir Alfred als deutschen Bundestrainer haben. Wir verurteilen die Attacke. Er ist sportlich unser Fels in der Brandung, jetzt sind wir sein Fels in der Brandung“, sagte DHB-Präsident Andreas Michelmann dem SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), und ergänzte: „Für die Idioten ins Stammbuch geschrieben: Alle vier Nationen, die am Berliner Turnier teilgenommen haben, haben ausländische Trainer. Das ist ein ganz normaler Vorgang, ganz abgesehen davon, dass Alfred gut drei Jahrzehnte in Deutschland zu Hause ist.“ Als Bagatelle wolle man diesen Vorfall keinesfalls abtun, in jedem Fall rechtliche Schritte einleiten.

Benjamin Chatton, DHB-Vorstand Finanzen und Recht, erklärte, dass die Polizei eingeschaltet werde. „Wir werden uns mit den Behörden austauschen. Das sind die Profis, die wissen, was zu tun ist.“ Chatton stellte klar, dass er den Vorfall keinesfalls verharmlosen will. „Wir müssen ihn aber auch richtig einordnen, aufpassen, dass wir damit keine Nachahmer provozieren.“ Dem Vernehmen nach soll der DHB Kontakt zum Magdeburger Innenministerium aufgenommen haben.

Unterstützung für Gislason groß: "Ein Fall für die Polizei"

Im Netz ist die Unterstützung für den Bundestrainer groß. Knapp 1000 Kommentare hatte Gislason am Dienstagnachmittag unter seinen Posts. Auch wenn Nationaltorhüter Silvio Heinevetter scherzhaft „Das Grundstück findet doch eh keiner“ kommentierte, der Inhalt ist ernst. HSV-Stadionsprecherin Christina Rann schrieb dazu: „Dieser ekelhafte Rassismus ist beschämend, mit krimineller Energie offen zu Schau getragen.“ Die ehemalige Handball-Reporterin findet es gut, dass Gislason den Vorfall öffentlich gemacht hat, „damit wir lauter sein können und laut sagen: Nein zu Rassismus.“ Auch der THW Kiel meldete sich: „Leider nehmen diese Subjekte immer mehr Raum ein – lass dich nicht unterkriegen, Alfred.“ Auch Gislasons Kumpel aus Essener Handball-Tagen Piet Krebs steht hinter ihm: „Wenn sich Feigheit und Dummheit paart. Ein Fall für die Polizei. Alfred Go.“

Und Gislason? Er erklärte, dass „dieser Vorfall es nicht schafft, mir Angst einzujagen“. Und dann war er Offline, räumte rings um sein Haus auf und fuhr liegengebliebenen Schotter weg.