25. Januar 2022 / 15:39 Uhr

Handball-Präsident Michelmann über EM-Rückzug: "Klipp und klar: Wir wären dann pleite gewesen"

Handball-Präsident Michelmann über EM-Rückzug: "Klipp und klar: Wir wären dann pleite gewesen"

Jens Kürbis
Lübecker Nachrichten
DHB-Präsident Andreas Michelmann blickt auf die Geschehnisse bei der Handball-EM zurück.
DHB-Präsident Andreas Michelmann blickt auf die Geschehnisse bei der Handball-EM zurück. © IMAGO/wolf-sportfoto (Montage)
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DHB-Präsident Andreas Michelmann erklärt im Gespräch mit dem SPORTBUZZER, warum der Verband nie über einen Rückzug von der von Corona überschatteten EM nachgedacht hat. Der Handball-Boss spricht zudem über die Auftritte der deutschen Mannschaft, die Perspektiven - und seine eigene Corona-Infektion.

Kaum in den heimischen vier Wänden in Aschersleben angekommen, hat es auch den Präsidenten des Deutschen Handballbundes (DHB) erwischt. Andreas Michelmann ist positiv auf die Corona-Variante Omikron getestet worden. "Mit geht es soweit gut. Husten, Schnupfen – von allem ein bisschen, aber nichts Dramatisches. Ich bin ja auch geboostert", berichtete der 62-Jährige, der in den Tagen der Europameisterschaft zwischen Bratislava und Aschersleben, seinen Jobs als DHB-Chef und Oberbürgermeister hin- und hergependelt ist, im Gespräch mit dem SPORTBUZZER.

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Mit dem EM-Abschneiden des von Corona gebeutelten DHB-Teams ist Michelmann zufrieden: "Vor allem die ersten drei Spiele haben gezeigt, dass es der richtige Schritt ist, die Mannschaft konsequent zu erneuern. Das macht Mut für die Zukunft." Doch dann überrollte die Omikron-Welle das deutsche Team. 15 Corona-Ausfälle. Aus Deutschland wurde immer wieder neues Personal eingeflogen, zehn Spieler insgesamt. In Bratislava war das "gesunde" Team dann von einer normalen Spielvorbereitung weit entfernt. Training auf freiwilliger Basis, zusätzliche, selbst auferlegte PCR-Tests, Spieler in Einzelzimmern isoliert.

Die 13. Etage des Lindner-Hotels, der große Aufenthaltsbereich mit Darts, Mini-Tischtennis, Besprechungsräumen – er war in der zweiten EM-Woche verwaist. "Unter den Umständen muss man den Hut vor der Mannschaft ziehen. Ich kenne auch keine andere Nation, die so viele Spieler nachnominiert und trotzdem mit der Weltspitze mithält", sagte Michelmann.

In der Bundesliga und in Handball-Deutschland wurde ein EM-Ausstieg des deutschen Teams heftig diskutiert. "Wir als DHB haben das aber nie ernsthaft in Erwägung gezogen", stellte Michelmann klar. Und das aus mehreren Gründen. "Die Mannschaft hat klar formuliert, dass sie weiterspielen will. Sie wäre dieser Chance beraubt worden." Medizinisch sei es nach Rücksprache mit Experten auch zu verantworten gewesen. Ein einseitiger Rückzug aus dem Turnier hätte zudem dramatische Folgen für den DHB gehabt.

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Michelmann: "Wir wären von der Qualifikation für die WM 2023 ausgeschlossen worden. Auch die Gastgeberrolle für die EM 2024 hätte auf dem Spiel gestanden." Kurzfristig wären auf den Verband zudem Regressforderungen von allen Seiten (EHF, EM-Gastgeber, TV-Anstalten, Sponsoren) in zweistelliger Millionenhöhe zugekommen. "Klipp und klar: Wir wären als DHB dann pleite gewesen", erklärte Michelmann, der seine persönliche Rückkehr zur Europanmeisterschaft, zu den Finalspielen nach Budapest ausschließt. Der DHB-Präsident ist in häuslicher Quarantäne.

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