21. Januar 2020 / 15:03 Uhr

Trotz verpasster EM-Medaille: Job-Garantie für DHB-Coach Christian Prokop

Trotz verpasster EM-Medaille: Job-Garantie für DHB-Coach Christian Prokop

Jens Kürbis
Lübecker Nachrichten
Christian Prokop wird die deutsche Handball-Nationalmannschaft trotz der verpassten EM-Medaille weiterhin coachen.
Christian Prokop wird die deutsche Handball-Nationalmannschaft trotz der verpassten EM-Medaille weiterhin coachen. © imago images/Camera 4
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Christian Prokop wird die deutsche Handball-Nationalmannschaft auch nach dem verpassten EM-Halbfinale weiterhin coachen. DHB-Sportvorstand Axel Kromer hat dem Bundestrainer das volle Vertrauen des Verbandes ausgesprochen. Mit Prokop werde man die Olympischen Spiele im Sommer anpeilen.

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Die Pressekonferenz im schmucken Teamhotel "Hilton Garden Inn" in der Wiener Südstadt war schon einige Minuten am Laufen, als Axel Kromer das Wort ergriff. Nicht, dass der Vorstand Sport des Deutschen Handballbundes (DHB) in diesen EM-Tagen bisher nichts zu sagen gehabt hätte. Doch in der Art war er noch nicht aus dem Schatten getreten: "Wir als Verbandsführung wollen klarstellen, dass es intern nie eine Diskussion darüber gab, mit welchem Trainer wir künftig die Nationalmannschaft prägen wollen. Wir werden natürlich mit Christian in Richtung Olympia gehen und die Sommerspiele anpeilen." Kromer reagierte damit vor dem abschließenden Hauptrundenspiel am Mittwoch gegen Tschechien (20.30 Uhr/ZDF) auf die externe Kritik an Bundestrainer Christian Prokop, die nach dem verfehlten Halbfinaleinzug aufgekommen war.

Wolff, Kohlbacher und Co. sprechen sich für Prokop aus

Prokop hatte Kromers Machtwort reglos zur Kenntnis genommen. Er hatte sich bereits nach der 34:22-Gala gegen Österreich, die das Stockholm-Ticket und das Spiel um Platz fünf (Sa., 16 Uhr) sicherte, Luft gemacht: "Das ist ein Unding. Wenn man gegen Kroatien so einen Fight hinlegt, am Ende unglücklich verliert. Wenn man sieht, was wir für eine kurze Vorbereitungszeit hatten, und wie viele Spieler, sich dort einspielen mussten, wie sie sich gesteigert haben. Und dann wird das Thema aufgemacht, das ist schon sehr bitter." Auch die Spieler übten den Schulterschluss. "Wenn eine Mannschaft mit zwölf gewinnt, dann will sie ihren Trainer behalten", erklärte Keeper Andreas Wolff.

Jannik Kohlbacher zeigte sich von der Diskussion gar überrascht: "Die Kommunikation mit Christian ist intakt. Er ist ein toller Trainer, macht einen tollen Job." Und Hendrik Pekeler, alles andere als ein Lautsprecher, wählte gerade in Richtung Daniel Stephan harsche Worte. Der ehemalige Welthandballer hatte im SPORTBUZZER-Interview Prokop als Fehlbesetzung bezeichnet. "Daniel Stephan war früher mal ein guter Handballer", sagte Pekeler, "aber seitdem hat er nicht viel dazu beigetragen, dass seine Sportart wächst." Elf Monate im Jahr höre man von ihm nichts, "kaum macht man ein schlechtes Spiel, kommt er aus dem Loch gekrochen."

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Kromer: Für Platz fünf muss man sich nicht schämen

Die Botschaften der "gnadenlos überzeugten Spieler" (Kromer) sind eindeutig: Mannschaft und Trainer schließen den Kreis. Und der Verband will auf die Trainer-Diskussion den Deckel drauf machen. Dass die Vorrunde dürftig, das Spiel gegen Kroatien nur 50 Minuten fantastisch war und unterm Strich das Halbfinale verpasst wurde, lässt sich dennoch nicht wegreden. Das weiß auch Kromer: "Ja, wir haben das Ziel verfehlt, aber wir sind ganz nah dran. Und wenn es Platz fünf wird, ist das nichts, wofür man sich schämen muss." Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es Bob Hanning war, der die Kritik-Tür nach dem Kroatien-Spiel aufgemacht hatte. Der mächtige DHB-Vize hatte erklärt, dass man im Österreich-Spiel sehen werde, "was die Mannschaft mit dem Trainer macht". Nach dem Spiel lenkte er schnell ein, erklärte, dass er das so nicht gemeint habe.

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Kromer gab zu, dass ihn die Trainer-Diskussion überrascht habe. "Zur EM 2018 will ich nicht in Abrede stellen, dass sie gerechtfertigt war. Aber hier haben wir nach den ersten Top-Spielen in Wien gedacht, dass sie aufhört. Aber sie hat nicht aufgehört. Dass die Jungs und Christian eng sind, das sieht doch jeder. Deshalb mussten wir klare Worte wählen." Dass man die eher von Hanning erwartet hätte – Harz drüber. Nach der EM will die Verbandsspitze die Titelkämpfe analysieren. "Doch die Personalie Prokop steht da nicht zur Debatte", stellte Kromer nochmals klar, "wir sind von der Zusammenarbeit überzeugt. Wenn das Thema damit jetzt aufhört, wäre uns sehr geholfen."

Gegen Tschechien: Michalczik ersetzt Wiencek

Der Rundumschlag und das Zusammenrücken ist für Mannschaft und Trainer so etwas wie eine Frischzellenkur für die letzte Turnierphase, mit der sich das Team für die Olympia-Qualifikation im April in Berlin einspielen will. Gegen Tschechien wird dabei der am Knie verletzte Patrick Wiencek fehlen. Er wird durch Marian Michalczik ersetzt. Doch diese Personalien standen am Dienstag nicht im Fokus...

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