04. November 2020 / 12:06 Uhr

DHfK-Handballer Lukas Binder: So läuft mein Leben in der Quarantäne

DHfK-Handballer Lukas Binder: So läuft mein Leben in der Quarantäne

Matthias Roth
Leipziger Volkszeitung
Labrador Caruso bringt Abwechslung in den Quarantäne-Alltag von Lukas Binder.
Labrador Caruso bringt Abwechslung in den Quarantäne-Alltag von Lukas Binder. © Christian Modla
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Die Bundesliga-Handballer des SC DHfK Leipzig sitzen zu Hause fest. Denn nach inzwischen neun positiven Coronafällen im Team wurde die gesamte Mannschaft in Quarantäne geschickt. Für die Profis ist das nicht ohne. Linksaußen Lukas Binder hat dem SPORTBUZZER verraten, wie sich sein Alltag zwischen Staubsauger, Hund und Training per Videoschalte gestaltet.

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Leipzig. Hausarbeit statt Handball: Lukas Binder muss sich an die neue Situation erst gewöhnen. Der Linksaußen der Bundesliga-Handballer des SC DHfK Leipzig befindet sich wie seine Mannschaftskameraden seit Freitag in häuslicher Quarantäne. Nach der Rückkehr vom Donnerstagsspiel in Stuttgart wurde jedem Spieler bei der Ankunft in Leipzig morgens um 4 Uhr ein Abstrich genommen. Stunden später stand fest: Sechs Profis sind positiv auf Corona getestet worden. Am Dienstag dann die nächste Hiobsbotschaft, es sind drei weitere Spieler betroffen, die halbe Mannschaft also inzwischen.

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Kampf gegen den inneren Schweinehund

„Das zeigt, wie krass aggressiv das Virus ist“, so Binder. Vor der Partie beim TVB waren alle Tests bei den Spielern noch negativ ausgefallen. Allerdings musste sich zuvor bereits Trainer André Haber in die häusliche Isolation mit einem ebenfalls positiven Test begeben.

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Für Binder und seine Kollegen heißt es nun 14 Tage lang abwarten. Der 28-Jährige muss sich in der heimischen Wohnung aufhalten. Alle negativ getesteten Spieler bekommen Tipps via Videoschalte vom Athletikcoach Hagen Pietrek. Binders größtes Problem ist der innere Schweinehund: „Ich kann mich allein nur schwer motivieren, brauche die Kollegen neben mir“, gesteht er. Schon im März und April musste er sich in die Laufschuhe quälen. Seine Fitnesswerte gehörten später bei den Tests nach dem Lockdown dennoch zu den besten der Mannschaft. Binder gesteht aber: „Das geht nicht immer so, ohne Training kommt man schnell außer Form.“

Der Leipziger versucht auch mental im Lot zu bleiben. „Zwei Wochen in der Wohnung können dich ganz schön runterziehen“, sagt der Handballprofi. Er hat sich deshalb eine Art Stundenplan aufgestellt, will nicht in den Tag hineinleben und sich auch nicht der Novemberdepression ergeben. Auf seiner Liste stehen so Sachen wie Staubsaugen, Post bearbeiten, sich um den Hund kümmern, Umzug für den Januar vorbereiten oder basteln am Startup. Der Alltag soll Struktur behalten. Quarantäne hin oder her: Labrador Caruso muss jeden Tag an die frische Luft. „Das übernimmt jetzt meine Freundin oder ein Kumpel“, berichtet der DHfK-Spieler.

Zwangspause kommt in mehrfacher Hinsicht ungelegen

Mit seinem dänischen Kollegen Patrik Wiesmach arbeitet er an einem Online-Portal für Leipzig im skandinavischen Stil. Es soll eine Plattform für die Gastro- und Veranstaltungsszene werden. Die Pandemie machte beiden auch hier einen Strich durch die Pläne. Der Startschuss im September wurde verschoben. „Wir arbeiten aber weiter an der Website“, erklärt Binder.

Sportlich kommt die Saisonunterbrechung für den Linksaußen zur Unzeit. Es lief beim 28-Jährigen. Mit 29 Toren liegt er vereinsintern hinter Philipp Weber (30 Treffer) auf Rang zwei in der Statistik. Und mit einer Trefferquote von 72,5 Prozent mischt er auch im Bundesligavergleich ordentlich mit.

Sein Traum von einer Berufung in die Nationalmannschaft hat allerdings gerade wieder einen Dämpfer erhalten. Bundestrainer Alfred Gislasson berief neben dem gesetzten Uwe Gensheimer mit Marcel Schiller, Patrick Zieker, Tim Nothdurft, Matthias Musche und Rune Dahmke gleich sechs Spieler auf seiner Position in seinen erweiterten Kader. Binder lässt sich auch davon nicht unterkriegen: „Ich gebe weiter Gas“, sagt er. Nächste Gelegenheit hat er voraussichtlich erst am 29. November gegen den SC Magdeburg mit Linksaußen Musche.