13. Februar 2021 / 08:26 Uhr

SC DHfK Leipzig vor Start ins Punktspieljahr: „Essentiell, dass Fans bald zurück in die Arena dürfen“

SC DHfK Leipzig vor Start ins Punktspieljahr: „Essentiell, dass Fans bald zurück in die Arena dürfen“

Tilman Kortenhaus
Leipziger Volkszeitung
Günther (1)
SC DHfK Leipzigs Geschäftsführer Karsten Günther erklärt, dass die Rückrunde schwieriger wird. © Alexander Prautzsch
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Der Spiel-Auftakt im neuen Jahr in Kiel wurde verschoben. Nun geht es am Sonntag zum Bergischen HC. Vor der Begegnung sprach Karsten Günther, der Geschäftsführer des SC DHfK Leipzig, im SPORTBUZZER-Interview über die Rückrunde, die Rückkehr der Fans und die finanzielle Situation des Vereins.

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Leipzig. Die Winterpause für die Handballer des SC DHfK Leipzig ist vorbei. Seit Wochen laufen die Vorbereitungen auf die verbleibenden Hinrunden-Spiele der Bundesliga, die am vergangenen Wochenende den Spielbetrieb wie der aufgenommen hat. Durch einen Corona-Fall beim Auftaktgegner THW Kiel hat sich der Start für die Grün-Weißen um eine Woche verschoben. Am kommenden Sonntag trifft der DHfK nun auf den Bergischen HC. Vorab sprach Geschäftsführer Karsten Günther mit dem SPORTBUZZER über die WM-Blase und Auswirkungen der Corona-Pandemie, die finanzielle Situation des Vereins und über sportliche Vorsätze für die kommenden Spiele.

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SPORTBUZZER: Die Handball-Weltmeisterschaft ist vorbei, die Blase ist weitestgehend intakt geblieben und nur wenige Corona-Fälle bekannt geworden. War die Ausrichtung in Ägypten dennoch ein zu hohes Risiko?

Karsten Günther: Die WM in Ägypten hat gezeigt, dass ein solches Turnier während der Pandemie funktionieren kann, aber es gibt noch Optimierungsbedarf. Wir haben dazugelernt und wissen für die Zukunft, dass es zehn Tage vorher losgehen muss. Die Quarantäne muss möglichst lang sein, damit niemand eine Infektion in die Blase einschleppen kann. Unterm Strich ist eine WM ohne Zuschauer natürlich Mist. Immerhin gibt es aber einen Weltmeister, es gab spannende Spiele bis zum Schluss und aus der sportlichen Perspektive hat sich der Handball weltweit in einem tollen Licht präsentiert.

Dem Qualifikationsturnier für Olympia im März steht also nichts im Weg?


Wenn alle Teilnehmer ab mindestens 10 Tage vor dem Turnier alle zwei Tage einen PCR-Test machen müssen, sehe ich da kein Problem. Bei den Spielern, die in der Bundesliga aktiv sind, ist das jetzt schon so. Jetzt liegt es am ausrichtenden Verband, dass für alle anderen Spieler, Trainer und Teammitglieder auch verpflichtend zu machen, egal in welchem Land sie gerade Spielen. Wenn sie allerdings wieder so naiv sind erst beim Turnier das Testregime zu starten, kann es eine böse Überraschung geben.

Der SC DHfK hatte fünf eigene Spieler bei der Weltmeisterschaft – ein Rekord. Wie aufmerksam hat der Verein die WM verfolgt?

Wir haben unser Scouting-Team für die WM breit aufgestellt. Gemeinsam haben sie fast alle Spiele geschaut und haben dementsprechend auch genau beobachten können was Marko, Maciej und Co. gemacht haben. Das war mehrheitlich schwer in Ordnung. Vor allem Polen und die Schweiz haben positiv überrascht. Ich persönlich habe mich auf die Spiele der deutschen Nationalmannschaft und die Platzierungsspiele beschränkt.

Während die Nationalspieler in Ägypten im Dauereinsatz waren, hat André Haber die Mannschaft auf die Rückrunde vorbereitet. In der Hinrunde stand die Abwehr sehr gut, Probleme gab es eher im Angriff. Was muss aus Ihrer Perspektive besser werden, was soll in Zukunft anders laufen?

Unsere Abwehr inklusive Torhüter steht wirklich sehr gut. Die Jungs haben einen wesentlichen Anteil daran, dass wir aktuell auf 17 Punkten stehen. Auch das Tempospiel hat bisher schon gut funktioniert. Im Aufbau nach Vorne war es in vielen Spielen aber noch nicht abgestimmt genug. Die Abläufe müssen noch klarer werden. Daran müssen wir arbeiten – hier sind jetzt vor allem Philipp, Luca und Pitsche gefragt.

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In den Testspielen hatte Witzke viel Zeit, daran zu arbeiten. Was für ein Fazit ziehen Sie aus den Übungsmatches?

Wir haben mit Marc Esche, Niclas Pieczkowski und Luca Witzke drei echte Gewinner der Vorbereitung. Es ist schön zu sehen, dass bei Luca der Körper hält und er wieder richtig Gas geben kann. Auch Marc und Niclas haben sich wieder super eingespielt. In den Testspielen hatten wir wirklich gute Phasen, aber es ist insgesamt noch zu schwankend. Gegen Lemgo war die zweite Hälfte richtig gut, gegen Dresden bis zur 35. Minute, aber dann bricht es auch wieder ein. Wir brauchen mehr Stabilität.

Der SC DHfK hatte im Sommer ausgerufen, die beste Saison der Bundesligazeit zu spielen. Seitdem ist viel passiert, Corona hat viele Pläne über den Haufen geworfen. Halten Sie dennoch an dem Vorsatz fest?

Der aktuelle Platz sechs ist trügerisch. Wir haben noch vier Hinrunden-Spiele offen, davon sind drei absolute Kracher und allesamt auswärts. Es wird also keineswegs einfach, die Hinrunde auch so gut abzuschließen. Wir wollen von unseren Zielen aber auf keinen Fall abweichen. Für mich steht fest, dass wir bisher zufrieden mit unser Leistung sein können – jetzt müssen wir aber auch etwas daraus machen. Bei der Bewertung darf man außerdem nicht vergessen, dass wir auch drei Spiele hatten, die wir unter mehr als ungewöhnlichen Umständen bestreiten mussten. In Stuttgart mussten wir beispielsweise ohne unseren Coach antreten.

Sprechen wir über Finanzen. Corona hat die Sportvereine in ganz Deutschland hart getroffen. Wie steht es um den SC DHfK?

Aktuell ist die Lage stabil. Das haben wir unseren Partnern zu verdanken, die treu zur Stange halten. Sie sind sehr leidgeprüft, durften seit fünf Spielen nicht in die Halle – und haben trotzdem bezahlt. Deshalb stehen wir noch stabil da. Wenn das aber noch ein halbes Jahr so bleibt, dann bekommen wir ein richtiges Problem. Das ist einfach ein Fakt und das kann auch kein Hilfsprogramm vom Bund auffangen – zumindest nicht die aktuellen Programme. Es ist deshalb essentiell, dass unsere Fans bald zurück in die Arena dürfen.

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Am 31. Januar 21 holte der SC DHfK Leipzig nur ein Remis im Testspiel gegen den HC Elbflorenz. Zur Galerie
Am 31. Januar 21 holte der SC DHfK Leipzig nur ein Remis im Testspiel gegen den HC Elbflorenz. ©

Wie könnte die Zuschauerrückkehr aussehen?

Wir haben mit der Restart-19-Studie wissenschaftlich belegt, dass eine Rückkehr theoretisch möglich ist. Als Sprecher der Initiative „Teamsport Sachsen“ bin ich in der „AG-Restart“ des Kultusministeriums mit dabei. Hier haben wir gemeinsam einen Stufenplan entwickelt und klare Forderungen formuliert. Ab einer Inzidenz von unter 100 müssen Veranstaltungen mit einer geringen Zuschauerauslastung wieder möglich sein, vorausgesetzt natürlich, wir setzen unsere Hygienekonzepte konsequent um und finden Lösungen für die An- und Abreise der Fans. Das Belüftungsthema ist in der Arena kein Problem und auch die Akzeptanz von Masken ist inzwischen gestiegen.

Gibt es Hoffnung, im März wieder vor Fans zu spielen?

Ich weiß, dass es gehen könnte. Jetzt ist die Frage, ob der politische Wille bis dahin soweit ausgeprägt ist, das zu ermöglichen. Alles unter der Voraussetzung, dass die Inzidenz unter 50 liegt – wohl wissend, dass es laut Studienlage auch bis 100 möglich wäre.