20. Juli 2021 / 08:07 Uhr

René Adlers Revolution am Transfermarkt: "Tinder für Fußballer und Vereine"

René Adlers Revolution am Transfermarkt: "Tinder für Fußballer und Vereine"

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
René Adler im LVZ-Kuppeltalk mit Guido Schäfer.
Aktuell tummeln sich über 50 Clubs und knapp 3.000 Spieler bei „11TransFAIR“. © Alexander Prautzsch
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Digitale Offensive für Fußballspieler und Clubs: Der gebürtige Leipziger und Ex-Profi René Adler will Ballkünstlern, die nicht ganz so prominent wie RB-Star André Silva und andere sind, Hilfe zur Selbsthilfe angedeihen lassen. Möglich macht das die sogenannte „11TransFAIR“-App.

Leipzig. Am Montagabend fuhr André Silva in Leipzig vor, am Dienstag wird der Königstransfer der Roten Bullen die Fitnesstests absolvieren, am Mittwoch mit seinen neuen Kollegen üben. Der 25-jährige Mittelstürmer hat in der Vor-Saison 28 Tore für die Frankfurter Eintracht erzielt, war via Ausstiegsklausel günstig zu haben, ist viel mehr wert als jene 23 Millionen, die RB Leipzig an die SGE überweist. Weniger schön: Silvas Berater(team) kassiert ebenfalls ein paar Millionen Euro. Von RB.

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Wer wie Mino Raijola (berät unter anderem Erling Haaland), Pini Zahavi (David Alaba und Co.) oder auch Volker Struth (Toni Kroos, Dayot Upamecano, Julian Nagelsmann et cetera) im kleinen Teich der Top-Berater mitschwimmt, wird mit seinen Klienten reich. In der Saison 2019/2020 haben die Bundesliga-Clubs für die Mittler-Dienste 193 Millionen Euro gezahlt. Man will die Berater eigentlich nicht (bezahlen), kann aber nicht ohne sie leben. Zumindest nicht im Spitzen-Segment der Haalands und Alabas.

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Dass die Macht der Berater schwindet, ist eingedenk der Interessenlage noch unrealistisch. Dass weniger berühmten Fußballern bei der Suche nach Karriere-Chancen geholfen werden kann, steht weit oben auf der App-Agenda von Ex-Nationaltorhüter René Adler. Die digitale Offensive des 36-jährigen Jung-Unternehmers ist just online gegangen und erfreut sich wachsender Beliebtheit. Adler nennt die Kontakt-Plattform „Tinder für Fußballspieler und Vereine“.

Dynamik im Transfergeschehen

Das Startup-Unternehmen wurde von Ex-Profis wie Adler, Juristen und Transfer-Experten aus der Taufe gehoben, wird von selbigen gehegt, gepflegt, perfektioniert. Name der Neuheit: „11TransFAIR“. Unter einem Mangel an Selbstbewusstsein, Schaffenskraft und Überzeugung leiden Adler und Co. nicht, die Produktbeschreibung von 11TransFAIR geht so: „Die Revolution am internationalen Transfermarkt. Wir verbinden Spieler und Vereine. Global, digital und anonym.“ Adler, dessen Torwart-Handschuh-Firma T1TAN einen juristischen Streit mit Oliver Kahn beigelegt hat, wächst und gedeiht: „Immer mehr Spieler wollen sich aus der kompletten Abhängigkeit von Beratern lösen. Aber es ist nicht jeder Spieler in der glücklichen Lage, sich die Vereine aussuchen zu können. Da setzen wir mit unserer Hilfe zur Selbsthilfe an.“ Die neuartige App soll einen unübersichtlichen Transfermarkt sortieren, Angebot und Nachfrage zueinander bringen, Ligen - und länderübergreifend. Marktanalyse und Laufbahn-Perspektive per Mausklick also. Adler, der von 2007 bis 2019 für Bayer Leverkusen, den HSV und die einzigartigen Mainzelmännchen 269 Bundesliga-Spiele absolviert hat und verletzungsbedingt nur zu zwölf Länderspielen kam: „Wir wollen die Karriere der Spieler unterstützen.“

Ein Beispiel aus dem Leben: Wenn bei einem holländischen Erstliga-Verein ein ablösefreier Innenverteidiger mit starkem linken Fuß und Gehaltsvorstellung XY gesucht wird, könnten Kicker aus Brisbane, Bern, Budapest oder Balingen in Adlers App-Reich aufploppen. Wenn auf beiden Seiten Interesse besteht, geht es raus aus der digitalen Anonymität und rein in leibhaftige Verhandlungen. Gerne ohne Zwischenhändler aus der Beratungsszene.

Adler befindet sich in regem Austausch mit Lok-Sportvorstand Torsten Kracht, 53. Der Ex-Bundesliga-Star hat sich die App runtergeladen, will die Plattform nutzen, um seinem Verein und Cheftrainer Almedin Civa auf kurzem Dienstweg Gutes zu tun. „Das ist das Beste, was in den letzten Jahren auf den Markt gekommen ist“, sagt Kracht. „Alles steht und fällt natürlich mit der Größe der Dateien und der Qualität der Angaben.“ Aktuell sind über 50 Clubs und knapp 3000 Spieler bei „11TransFAIR“ vereint. Tendenz steigend. Und wenn ein Spieler laut App-Profil nahe an der Weltklasse ist, aber in der Bayern-Liga kickt? „Diesen Fall gibt es nicht“, sagt Adler, „die Daten sind valide und beruhen natürlich nicht nur auf den Angaben der Spieler.“ Kracht findet die Herangehensweise mit der App gut und wichtig. „Das bringt neue Möglichkeiten und Dynamik ins Transfergeschehen.“


Und das liebe Geld? Wer zahlt wen und wann? Spieler zahlen nichts, auf die Clubs kommt ein vergleichbar günstiges Honorarmodell zu. Adler: „Am Geld wird bei 11TransFAIR kein Deal scheitern."