16. Februar 2021 / 22:51 Uhr

Zwei dicke Patzer: RB Leipzig schlägt sich bei 0:2-Niederlage gegen Liverpool selbst

Zwei dicke Patzer: RB Leipzig schlägt sich bei 0:2-Niederlage gegen Liverpool selbst

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Sadio Mane ist enteilt, erzielt das Tor zum 0:2 gegen Peter Gulacsi und RB Leipzig.
Sadio Mane ist enteilt, erzielt das Tor zum 0:2 gegen Peter Gulacsi und RB Leipzig. © dpa
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Der amtierende englische Meister hat sich für RB Leipzig als zu clever erwiesen. Der Liverpool FC nutzte im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League jeden Fehler der Messestädter geschickt. Die legten ihrem Gegner die Tore bei der 0:2-Niederlage großzügig selbst auf.

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Budapest. Wie wir alle wissen, ist Fußball ein Fehlerspiel. Die Roten Bullen haben sich am Dienstagabend gegen den FC Liverpool ein paar zu viele Aussetzer geleistet, kassieren im Achtelfinal-Hinspiel in Budapest eine 0:2 (0:0)-“Heim“-Niederlage und brauchen im Rückspiel am 10. März einen sensationellen Abend zum Weiterkommen. Tore: Sadio Mané (53.) und Mo Salah (58.). Die Assists gehen aufs Kerbholz von Marcel Sabitzer und Nordi Mukiele. Diese beiden Männer stehen bei RB Leipzig unter Vertrag, sind dort tragende Säulen. Die in der Premier League kriselnden Liverpooler zeigen in der Königsklasse ihr mächtiges Geweih und Effizienz, die bis zum Anpfiff engagierten Leipziger schlagen sich selbst.

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Erneut ohne Stürmer

Vorm Match in der Budapester Puskas-Aréna geistert eine 60-Millionen-Ausstiegsklausel in Sachen RB-Neuzugang Angeliño durchs Worldwide Web. LVZ und Sportbuzzer bringen im Nachgang Licht ins Dunkel. Ja, die Sky-Kollegen haben Recht, es gibt diese Klausel. Die gilt aber nur für Angelinos Ex-Club Manchester City. Und falls Pep Guardiola auf die Idee kommt, jenen Spieler, für den er nie eine Verwendung hatte, zurückzuholen, werden ihm selbst die steinreichen ManCity-Scheichs aufs polierte Dach steigen.

DURCHKLICKEN: Bilder vom Hinspiel aus der Puskas-Arena

RB Leipzig unterliegt im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League nach zwei schweren individuellen Patzern dem FC Liverpool mit 0:2. Zur Galerie
RB Leipzig unterliegt im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League nach zwei schweren individuellen Patzern dem FC Liverpool mit 0:2. ©

RB-Trainer Julian Nagelsmann, 33, geht ohne Stoßstürmer ins Rennen, Yussuf Poulsen und Alexander Sörloth erleben den Anpfiff auf der Bank. Gegenmittel gegen die Reds-Koryphäen im Sturm: Eine Dreier-Abwehrkette mit den Sprintern Lukas Klostermann, Dayot Upamecano und Nordi Mukiele. Liverpools Manager Jürgen Klopp, 53, bringt Ex-Bayern-Ass Thiago für den angeschlagenen James Milner. Der Ex-Schalker Ozak Kabak verteidigt zusammen mit Jordan Henderson. Die finalen Worte der Trainer gehen so: „Wenn es nach den Ergebnisse geht, hätten wir gar nicht anreisen müssen“ (Klopp). „Wenn wir gewinnen wollen, müssen wir Tore schießen“ (Nagelsmann).

Abtasten ist nicht, die Pressing-Maschinen legen ungezügelt los, RB kommt früh zur ersten Super-Chance. Angelino flankt, Dani Olmo köpft, Alisson ist geschlagen, der linke Pfosten rettet für den LFC (5.). Es geht weiter im selben Stil, man nimmt sich gegenseitig Zeit und Raum, jagt einander. RB ist einen Mü aktiver, kassiert aber um ein Haar das 0:1. Mo Salah nutzt einen mikroskopischen Stellungsfehler von Klostermann, scheitert aus abseitsverdächtiger Position frei vorm glänzend disponierten Peter Gulacsi (15.). Die Reds kommen auf, Superstar Salah bleibt auf der rechten Seite eine Waffe, leitet eine Flanke von Superstar Robert Firmino auf Superstar Sadio Mané ein, der Ex-Salzburger köpfelt drüber (24.). Sie merken schon, da ist jede Menge Qualität.


Zwei Fehler in fünf Minuten

Gulacsi rückt immer mehr in den Mittelpunkt, muss gegen Mané im Sprint retten und sofort den Rückwärtsgang einlegen. Der 40-Meter-Versuch von Andrew Robertson landet auf dem Tor-Dach (32.). RB bringt sich immer wieder mit problematischen Pässen in tiefe Mittelfeld in die Bredouille und hat Glück, dass die Referees bei Manés Vorlage zum vermeintlichen 1:0 von Firminho auf Aus und Abstoß entscheiden (36.). Halbzeit, 0:0. Dass Liverpool eine Krise hat, ist offenbar nicht zu Klopps Spielern durchgedrungen. Die sind gegen stark startende und merklich nachlassende Leipziger klasse drauf, zeigen, dass sie es noch können. RB hat nach zupackender Anfangsphase keine offensive Tiefe mehr ins Spiel bekommen.

Mehr zum Spiel

Wiederbeginn und gleich die vermisste Tiefe und Chance zum Leipziger 1:0. Olmo passt genial in Christopher Nkunkus Lauf, Keeper Alisson ist draußen und klärt. Dann will Kapitän Marcel Sabitzer den Kollegen Klostermann anspielen, spielt aber Salah an. Der Ägypter düst auf Gulacsi zu, netzt zum Liverpooler 1:0 ein (53.). Fußball ist ein Fehler-Spiel. Das ist einer. Der nächste XXL-Bock bringt das 2:0 der Reds. Mukiele geht bei einem hohen Ball zu Boden statt im Spiel zu bleiben, Mané schnappt sich den Ball und netzt zur Vorentscheidung ein (58.). Nagelsmann bringt Willi Orban und Yussuf Poulsen für Amadou Haidara und Nordi Mukiele. RB gibt nicht auf, belagert das Liverpooler Tor, kommt zu halbgaren und einer sehr guten Chance (Angelino/78., Hwang/Nachspielzeit). Zu einer Wende zum Guten kommt es bei allem Bemühen nicht.

Liverpool bleibt in den letzten elf englisch-deutschen Konsultationen ungeschlagen. RB zahlt Lehrgeld und kann sich mit dem Budapester Abend nicht lange aufhalten. Am Sonntag, 15.30 Uhr, spielen die Roten Bullen bei Hertha BSC. Falls die Bayern bei bärenstarken Frankfurtern Punkte lässt, könnte sich der Fünf-Punkte-Rückstand verkürzen.