03. August 2020 / 20:01 Uhr

"Die Antwort wirkt abweisend": Wohl keine finanzielle Hilfe für Indians und Scorpions

"Die Antwort wirkt abweisend": Wohl keine finanzielle Hilfe für Indians und Scorpions

Stephan Hartung
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Ein leeres Eisstadion am Pferdeturm würden die Hannover Indians in der Oberliga finanziell wohl nicht überstehen. 
Ein leeres Eisstadion am Pferdeturm würden die Hannover Indians in der Oberliga finanziell wohl nicht überstehen.  © Florian Petrow
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Ein bisschen Ernüchterung machte sich breit. Die Eishockey-Oberligisten Hannover Indians und Hannover Scorpions hoffen zur finanziellen Absicherung des Spielbetriebs der kommenden Saison auf Unterstützung vonseiten der Politik. Doch offenbar können sie darauf nicht so richtig zählen - zumindest nach aktuellem Stand.

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„Das ist leider enttäuschend. Die Antwort wirkt auf mich sogar abweisend“, sagt Jan Roterberg, kaufmännischer Leiter der Indians. Vorangegangen war eine Anfrage des SPORTBUZZER beim Niedersächsischen Wirtschaftsministerium. Dabei ging es im Kern um das Problem, dass die Oberligisten als Drittligisten nicht unter das Hilfspaket des Bundes fallen – der Schirm deckt im Eishockey nur die erste und zweite Liga ab. Daher benötigen die Oberligisten, die professionellen Sport betreiben, Unterstützung aus der Landespolitik zum Überleben der Saison. „Die Überbrückungshilfe des Landes bietet finanzielle Unterstützung für kleine und mittelständische Unternehmen, Selbständige sowie gemeinnützige Organisationen“, sagt Laura Gosciejewicz. Die stellvertretende Pressesprecherin des Wirtschaftsministeriums fügt hinzu: „Inwieweit sich die Indians dabei unter diese Definition zur Überbrückungshilfe subsumieren lassen, können wir von hier aus nicht sagen.“

Bilder vom Eishockey-Spiel der Oberliga Nord zwischen den Hannover Scorpions und Hannover Indians (Februar 2020)

Die Hannover Scorpions feiern die Derbysieg gegen die Hannover Indians. Zur Galerie
Die Hannover Scorpions feiern die Derbysieg gegen die Hannover Indians. ©

Keine Antworten auf Indians-Anfragen

Konfrontiert mit diesen Aussagen findet es Roterberg schade, dass gar nicht auf das Problem eingegangen wurde. „Aber das haben wir auch schon erlebt. Wir haben an Ministerpräsident Stephan Weil geschrieben – und keine Antwort erhalten. Eine Anfrage an Wirtschaftsminister Bernd Althusmann wurde an Innenminister Boris Pistorius weitergeleitet, auch hier gab es bislang keine Reaktion.“

Darüber hinaus weist Laura Gosciejewicz darauf hin, dass im Rahmen des Corona-Sonderprogramms gemeinnützigen Sportorganisationen eine Einmalzahlung gewährt werde, wenn diese aufgrund von Liquiditätsengpässen infolge der Corona-Pandemie in ihrer Existenz bedroht sind.

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Muss noch mehr Druck ausgeübt werden?

„Das ist uns längst bekannt. Von unserem Stammverein ist auch nicht die Rede. Ich finde diese Form des Umgangs nicht angemessen“, sagt Roterberg und spricht von „einer Abwehrhaltung der Politik, mit wenig Interesse auf uns einzugehen“. Dies habe er auch zuvor bei den fehlenden Reaktionen seitens der Landesregierung bemerkt. Der Profisport am Pferdeturm findet unter dem Dach einer GmbH statt, nicht als gemeinnütziger Sportverein.

Auch Scorpions-Sportchef Eric Haselbacher hatte sich mehr Absichtserklärungen seitens der Politik erhofft – und glaubt, „dass man vielleicht noch mehr Druck ausüben muss“. Als Beispiel nennt er die aktuellen Entwicklungen in Bayern, wo viele Teams der Oberliga-Staffel Süd die gleichen Probleme haben. „Dort gibt es aber andere Signale von der Politik, auch Landtagsabgeordnete setzen sich für das Kulturgut Eishockey ein. Traditionsvereine wie Rosenheim oder Riessersee machen dort Stimmung – werden aber gehört und nicht allein gelassen“, sagt Haselbacher. In Niedersachsen ist ein solch runder Tisch aber nicht in Planung, heißt es aus dem Wirtschaftsministerium.