13. Juni 2020 / 11:26 Uhr

Die Arena des FSV Zwickau verkörpert Tradition an neuer Stelle

Die Arena des FSV Zwickau verkörpert Tradition an neuer Stelle

Frank Müller
Leipziger Volkszeitung
 Die neue Spielstätte des FSV Zwickau vor einem DFB-Pokal-Spiel gegen den Hamburger SV
Die neue Spielstätte des FSV Zwickau vor einem DFB-Pokal-Spiel gegen den Hamburger SV © imago images
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Das ist der fünfte Teil unserer Serie über Sachsens Fußballstadien. Vorher wurden die Neubauten in Leipzig, Dresden, Aue, Chemnitz vorgestellt. In diesem Teil geht’s um die Spielstätten des traditionsreichen FSV Zwickau „von der Halde nach Eckersbach“.

Zwickau. Während die bisher in dieser Serie vorgestellten Stadien allesamt Neubauten an alter Stelle sind, liegt die Sache in Zwickau anders. Die Fußballer vom FSV Zwickau zogen vor wenigen Jahren vom Westsachsenstadion in ihre neue Arena nach Zwickau-Eckersbach um. Dort war von Februar 2015 bis August 2016 für gut 10.000 Zuschauer (alle überdacht, davon 6363 Sitzplätze und 3637 Stehplätze) die neue Spielstätte der traditionsreichen Zwickauer entstanden.

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Derzeit genügt die Kapazität für den FSV in Liga 3. In sportlich besseren Zeiten war die ZSG Horch alias BSG Motor (ab 1967 BSG Sachsenring) jedoch froh, das mit Aschenbahn und Radrennbahn (sie wurde erst nach dem Krieg fertig, galt aber als eine der schnellsten Bahnen Deutschlands) versehene Oval an der legendären „Halde“ zu haben, denn dort fanden über 40.000 Zuschauer Platz.

DURCHKLICKEN: Eindrücke vom Westsachsenstadion bis zur neuen Arena in Eckersbach

Eine Spielszene aus dem DDR-Oberliga-Punktspiel Sachsenring Zwickau gegen Lok Leipzig im Dezember 1978 im Georgi-Dimitroff-Stadion Zur Galerie
Eine Spielszene aus dem DDR-Oberliga-Punktspiel Sachsenring Zwickau gegen Lok Leipzig im Dezember 1978 im Georgi-Dimitroff-Stadion ©

Die Halde an der Gegengeraden vis à vis zum markanten Eingangsturm war ein Relikt des hier einst betriebenen Steinkohlebergbaus. Ein Umstand, der später einen zeitgemäßen Umbau der unter dem Nazi-Regime ab 1937 bis 1942 von Gefangenen errichteten Sportstätte verhinderte. Wegen des Bergbau-Untergrunds wäre die ganze Sache sehr teuer geworden, weshalb sich die Zwickauer nach langem Ringen schließlich für den neuen Standort im Stadtteil Eckersbach entschieden.

Gegen Celtic Glasgow bebte die Halde

Doch man kommt nicht umhin, mehr Worte zur alten Spielstätte zu verlieren, wenn es um die Zwickauer und ihr Stadion geht. Denn die unter eher misslichen Umständen (vor allem für die inhaftierten Erbauer) entstandene Südkampfbahn, erlebte ab 1949 als Georgi-Dimitroff-Stadion großen Sport. Eigentlich sollte das Stadion Glückauf-Kampfbahn heißen, doch die SED setzte im Stadtrat den Namen des bulgarischen Kommunisten durch.

Neben Radrennen und manchem Leichtathletik-Wettkampf waren es tolle Fußballspiele, die die „Halde“ sah. So spielte hier Motor Zwickau 1954 gegen Madueiras Rio de Janeiro und 1956 gegen Green Cross Santiago de Chile vor über 50000 Fans. Unvergessen auch die unglaublichen Auftritte des BSG Sachsenring im EC der Pokalsieger. Nach schon sensationellem Gewinn des FDGB-Pokals drangen die Zwickauer im EC 1975/76 noch spektakulärer bis ins Halbfinale vor. Waren beim 2:0 gegen Panathinaikos Athen „nur“ 33 .000 zugegen, kamen gegen den AC Florenz (6:4 n.E.) 36 .000. Gegen Celtic Glasgow (1:0 durch Luggi Blank) und den RSC Anderlecht (0:3) bebte die ausverkaufte Halde unter jeweils über 40 .000 Fans. Erst die Belgier setzten dem Höhenflug des Außenseiters ein Stopp. Ein Länderspiel sah die Halde auch, doch die Partie DDR gegen Griechenland (1:0) lockte 1984 lediglich 2500 Besucher an.

Weitere Teile der Serie zu den Stadien in Sachsen

Der Verfall der Arena war danach nicht aufzuhalten, auch bedingt durch vom Bergbau verursachte Bodensetzungen. Nach der Wende, als der Sachsenring-Nachfolger es im nun Westsachsenstadion genannten Oval bis in die 2. Bundesliga schaffte, wurden kaputte Traversen samt Radrennbahn stellenweise mit Stahlrohrtribünen überbaut. Die Borussia aus der Partnerstadt Dortmund spendete dem Provisorium eine Flutlichtanlage.


Westsachsenstadion wurde Breitensportzentrum

Nach zwischenzeitlicher Insolvenz (sogar der Rasen verdorrte, weil der Verein die Wasserrechnung nicht bezahlt hatte) und Abstieg bis in die Sachsenliga rappelte sich der FSV wieder auf und hat heute in Eckersbach ein Drittliga-taugliches reines Fußballstadion, dessen Fassungsvermögen im Bedarfsfall durch den Ausbau der traversenlosen ungenutzten Eckblöcke noch erweitert werden könnte. Eröffnet wurde die zurzeit GGZ-Arena genannte Arena am 22. August 2016 mit dem DFB-Pokalmatch des FSV gegen den Hamburger SV (0:1). Das Westsachsenstadion wurde derweil in ein Schul- und Breitensportzentrum für nur noch 5000 Zuschauer, aber mit Kunstrasenplatz, 400-Meter-Asphaltbahn und Kunststoffrodelbahn umgestaltet.