09. Oktober 2020 / 18:08 Uhr

Die Badminton-Saison startet: BVG-Coach Niesner über Aufstiegschancen, Corona, Brexit und Dachluken

Die Badminton-Saison startet: BVG-Coach Niesner über Aufstiegschancen, Corona, Brexit und Dachluken

Maik Schulze
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
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Blickt auf eine Spielzeit, die er so noch nicht erlebt hat: Trainer Hans Werner Niesner über eine Badminton-Saison in Zeiten von Corona. © Cagla Canidar
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Wenn es um den BV Gifhorn geht, dann kommt man an Hans Werner Niesner nicht vorbei. Gifhorns Mr. Badminton prägt seit Jahrzehnten den Klub. Doch so eine Saison, wie die heute beginnende, hat auch er noch nicht erlebt. Ein Interview in Zeiten von Corona und vor den Regionalliga-Spielen gegen den Berliner SC (Sa., 10. Oktober, 15 Uhr*) und die Berliner Brauerein II (So., 11. Oktober, 10 Uhr).

Herr Niesner, am Wochenende beginnt die neue Badminton-Saison. Ist es eine wie alle anderen, oder ist alles anders?

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"Es ist auf jeden Fall eine andere Saison. Nichts ist mehr so wie bisher. Aber wir sind froh, dass wir wieder spielen können. Es gibt die Corona-bedingten Auflagen, wir haben ein ausführliches Konzept erarbeitet und auch für die Regionalliga-Punktespiele erstellt. Unter anderem sollen die Spieler, Betreuer und Schiedsrichter von den Zuschauern getrennt sein. Da kommt uns die Bauweise der OHG-Halle entgegen. Hier sehen die Zuschauer von oben aufs Spielfeld hinab, eine ausziehbare Tribüne, die an den Spielfeldrand grenzt, haben wir ja nicht.

Sie betreiben einen Indoor-, einen Hallensport. Das ist ein Nachteil in Corona-Zeiten. Können Sie ausreichend für Luftaustausch sorgen ohne die Ballwechsel zu stören?

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"Es gibt eine neue Dachfenster-Konstruktion. Wenn wir die Dachluken offen lassen ist für Austausch gesorgt. Wie sich das auf die Ballwechsel auswirkt, werden wir sehen und im Fall der Fälle Lösungen finden."

Mehr über den BV Gifhorn

Und wenn es regnet, die Dachfenster geschlossen bleiben müssen, droht dann ein Abbruch?

"Das sollte nicht der Fall sein, dann würden wir die Form der Lüftungspause wählen müssen. Das geschieht dann über die offenen Hallentüren."

Werden wir sportlich: Das Team hat sich den Aufstieg auf die Fahnen geschrieben. Hat der BV Gifhorn auch den stärksten Kader der Liga?

"So einfach kann man das nicht sagen. Wir haben einen sehr guten Kader, aber die Wahrheit liegt auf dem Platz. Als Konkurrenten sehe ich die Hamburger Teams, auch die Berliner Brauereien II können am Sonntag gefährlich werden, wenn sie entsprechend Unterstützung aus dem Zweitliga-Kader bekommen. Unser Team will versuchen, aufzusteigen. Aber wir wollen auch unsere Zweitvertretung stärken. Was man sagen kann ist, dass wir gut vorbereitet in die Saison gehen, das Selbstvertrauen ist da. Natürlich müssen wir von Verletzungen verschont bleiben."

...und die ausländischen Zugänge müssen anreisen können.


"Das stimmt. Im Frühjahr dachten wir, dass wir mit unseren Zugängen Martina Nöst aus Österreich und Sarah Findlay aus Schottland gut aufgestellt sind, aber die Lage ist durch Corona in dieser Hinsicht sehr problematisch geblieben. Bei Martina mache ich mir weniger Sorgen. Sie wird in Wien am Flughafen in den Flieger steigen und in Hannover landen. Das ist zurzeit möglich. Bei Sarah ist es schwieriger. Luckau hatte sie weiter gemeldet, ohne sie zu fragen. Davon wussten wir nichts. Ich habe die Zustimmung des schottischen Verbands beantragt und sofort bekommen. Für uns war klar, sie kann spielen, wir haben gemeldet. Dann bekamen wir die Nachricht, dass Luckau sie auch gemeldet hat. Ohne mit Sarah zu reden. Da sind wir ein wenig geleimt worden. Sie kann also erst in der Rückrunde spielen - und was die betrifft, wissen wir noch nicht: Wie kommt sie aus Schottland raus? Müsste sie in Quarantäne? Hinzukommt, dass wir sehen müssen, welche Hürden noch durch den Brexit ab 1. Januar auf Sarah und uns zukommen."

Einen Plan B...

"„...gibt es hier nicht. Aber wir haben ja Karen Radke und Lea Dingler fest im Kader. Doch selbst bei Lea, die in Berlin, einem aktuellen Corona-Hotspot lebt, muss man bei der aktuellen Lage aufpassen. Was, wenn beschlossen werden sollte, dass aus solchen Gebieten Reisen in ein anderes Bundesland gar nicht mehr möglich sind? Alles Faktoren, die dann auch in der Meisterschaft eine Rolle spielen können.“

Stichwort Berlin. Die Hauptstadt ist am Wochenende doppelt in Gifhorn zu Gast. Der BVG will aufsteigen. Also sind zwei Siege Pflicht?

"Vier Punkte müssen das Ziel sein. Auch, wenn das nicht so einfach ist. Wie gesagt, wir müssen schauen, in welcher Besetzung die Brauereien am Sonntag bei uns antreten. Es dürfte das schwerere Spiel im Vergleich zu Samstag sein, wenn der Berliner SC als Neuling auf uns wartet."

Wer wird zum Start des Projekts Aufstieg im Kader stehen?

"Bei den Damen sind es Martina Nöst, Lea Dingler und Karen Radke. Bei den Herren stellen wir zu den Youngstern Thies Huth, Marvin Schmidt und Holger Herbst die Routiniers Dennis Friedenstab, Yannik Joop und Patrick Thöne. Benjamin Dieckhoff und Wolf-Dieter Papendorf sind privat verhindert. Benjamins Bruder Lukas heiratet."

Lukas Diekhoff hat in der Vorsaison noch das Team gecoacht...

"Ja, aber beruflich lässt sich das leider nicht mehr vereinbaren. Ich werde zumindest bei den Heimspielen die Mannschaft wieder komplett betreuen."

Ganze Tage in Hallen zu verbringen, sind Sie als Full-Time-Trainer gewöhnt. Wie geht es Ihnen eigentlich in Zeiten von Corona. Mit 73 Jahren gehören Sie altersmäßig zur Risikogruppe. Machen Sie sich Sorgen um Ihre Gesundheit?

"Ja, statistisch gehöre ich zu dieser Gruppe. Aber nicht alle Alten werden krank. Ich habe ein stabiles Imunsystem, das ich pflege. Und ich bin auch in den vergangenen Monaten permanent unterwegs gewesen, halte Trainingcamps mit 30, 40 Teilnehmern ab. Mir geht es persönlich gut dabei, ich achte auf die Hygiene-Vorschriften. Es ist eine Geschichte, mit der ich umgehen muss und kann. Ich bin froh, dass ich seit Juni wieder arbeiten darf. Das Geld ist das eine, das andere ist aber der Spaß, den ich dabei habe und die erfolgreiche Bestätigung, die ich erfahre, wenn sich Spielerinnen und Spieler weiterentwickeln."

*Die Partie gegen den BSC wurde übrigens vorverlegt, da die Spieler aus Berlin aufgrund von Coronaverordnungen nicht in Niedersachsen in einem Hotel übernachten dürfen.