26. Juni 2018 / 06:37 Uhr

Die Baustellen vor dem Südkorea-Spiel: Opfert Joachim Löw nun Thomas Müller?

Die Baustellen vor dem Südkorea-Spiel: Opfert Joachim Löw nun Thomas Müller?

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bundestrainer Joachim (l.) und Thomas Müller
Bundestrainer Joachim (l.) und Thomas Müller © 2018 Getty Images
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Gegen Schweden blieben die Mesut Özil und Sami Khedira draußen. Trifft es gegen Südkorea in Thomas Müller den nächsten Weltmeister? Nicht die einzige Baustelle von Joachim Löw vor dem Gruppenabschluss. Der SPORTBUZZER gibt einen Überblick.

Verglichen mit den fünf Tagen von Sotschi ist die Reise des DFB-Trosses zum dritten Gruppenspiel nach Kasan ein Kurztrip. Um 11 Uhr hebt die Sondermaschine vom Moskauer Flughafen Wnukowo am Dienstag ab, um 12.30 Uhr ist Ankunft in der Hauptstadt der russischen Republik Tatarstan. Noch in der Nacht nach dem Match am Mittwoch gegen Südkorea (16.00 Uhr, ZDF und Sky live) geht es zurück in die Homebase, ins WM-Quartier in Watutinki – dann als Achtelfinal-Teilnehmer, so zumindest der Plan. Doch wer zweifelt nach dem 2:1-Energizer gegen die Schweden noch daran? Ein Sieg mit zwei Toren Unterschied – und Gruppenplatz zwei ist sicher. Mindestens.

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Dennoch hat Bundestrainer Joachim Löw einige Probleme zu lösen, muss vor dem Gruppenfinale gegen die Asiaten ein paar Aufstellungsfragen klären. 18 von 23 Profis des Kaders hat er bereits eingesetzt, eine Stammelf hat sich noch nicht herausgebildet. Auch gegen Südkorea wird Löw Veränderungen vornehmen, allein weil Jérôme Boateng wegen Gelb-Rot-Sperre fehlt und Sebastian Rudy vermutlich wegen seines Nasenbeinbruches.

Vorsicht, Baustelle! Die vier Löw-Sorgen vor dem Südkorea-Kick!

1. Braucht Müller eine Pause?

Nach zwei Partien steht der 28-Jährige bei null Toren. Noch geht nichts für „Mister WM“, dem bei zwei Endrunden bereits zehn Treffer gelungen sind, der in Südafrika 2010 Torschützenkönig wurde. Und nun: Kein einziger Torschuss gegen Mexiko (0:1), nur ein einziger gegen Schweden. Er sei vor allem im Auftaktspiel „zu wenig in Abschlusspositionen gekommen“, klagte Müller selbst. Unter Löw hat er eine andere Rolle als bei Bayern, agiert als verkappter Rechtsaußen mit Zug zur Mitte, nicht als Freigeist hinter einer Sturmspitze. Liegt seine Flaute daran? Setzt ihn Löw falsch ein?

WM-Porträt: Thomas Müller

Lothar Matthäus rät, Müller, dem er „wenig überzeugende Leistungen“ attestierte, zentraler aufzustellen: als rechten Halbstürmer oder zweite Spitze: „Müller muss in den Strafraum“, forderte der Rekordnationalspieler in Bild. Vielleicht aber muss Müller auch auf die Bank. Schließlich scheute sich Löw auch nicht, für das Schweden-Spiel, andere Routiniers wie Sami Khedira und Mesut Özil herauszunehmen. Opfert Löw nun den nächsten Weltmeister? Für Matthäus wäre dies „fatal. Er ist Sprachrohr, Persönlichkeit und Anführer. Er ist für mich der Kapitän der Feldspieler auf dem Platz.“ Kommt für Müller Kader-Küken Julian Brandt (22) rein? Bei seinen beiden Kurzeinsätzen als Joker traf er jeweils den Pfosten. Dennoch unwahrscheinlich, denn im DFB-Trainerstab hofft man, dass Müller gegen Südkorea seine Torflaute überwindet und dann auch für ihn die WM so richtig losgeht.

2. Muss Gomez von Beginn an ran?

Eher nein. Als Joker ist der VfB-Stürmer wertvoller. „Mario ist sehr wichtig für mich, er spricht viel mit mir. Auch wenn er ein Konkurrent ist, helfen wir uns“, sagte Timo Werner (22) am Montag über Team-Oldie Mario Gomez (32). Der hatte gegen Schweden nach seiner Einwechslung als Mittelstürmer-Prellbock agiert, so konnte Werner sein Tempo über den linken Flügel ausspielen. Eine gute Variante – aber eher nicht von Beginn an.


WM-Porträt: Mario Gomez

3. Wie besetzt Löw das defensive Mittelfeld?

Da Rudy wegen seines Nasenbeinbruches wohl im Quartier bleiben wird, braucht der Bundestrainer einen Ersatz als Nebenmann von Toni Kroos. Variante eins: Ilkay Gündogan, der bereits gegen Schweden eingewechselt wurde. Variante zwei: Khedira kehrt in die Startelf zurück. Variante drei: Özil agiert wie schon in der letzten halben Stunde gegen Mexiko als Sechser. Über seine Weltmeister sagt Löw: „Nur wegen eines Spiels geht das Vertrauen nicht verloren. Sie spielen teilweise seit vier Jahren und mehr auf hohem Niveau.“ Die Tendenz: Löw bringt Özil wieder, damit er ein Positiv-Erlebnis mit in die K.o.-Phase nimmt.

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4. Wer ersetzt den gesperrten Boateng?

Mats Hummels. „Mats ist wieder voll einsatzfähig und trainiert voll mit. Man kann davon ausgehen, dass er am Mittwoch spielen kann“, sagte Löws Assistenztrainer Marcus Sorg. Als Nebenmann dürfte Antonio Rüdiger, der gegen Schweden sein WM-Debüt gab, im Abwehrzentrum bleiben. Für Niklas Süle, Innenverteidiger Nummer vier, bleibt vermutlich wieder nur die Zuschauer-Rolle.

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