22. September 2018 / 12:39 Uhr

Die DDR-WM-Fahrer von 1974 treffen sich in Dresden

Die DDR-WM-Fahrer von 1974 treffen sich in Dresden

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Die DDR-WM-Fahrer von 1974 trafen sich an diesem Wochenende in Dresden.
Die DDR-WM-Fahrer von 1974 trafen sich an diesem Wochenende in Dresden. © Picasa
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Großes Wiedersehen: Zum zweiten Mal traf sich die legendäre WM-Auswahl der DDR im Dresdner Dorint-Hotel. Dabei gab es allerlei schöne Erinnerungen und eine Menge Klatsch und Tratsch.

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Wenn sich jene DDR-Auswahl trifft, die 1974 bei der Fußball-Weltmeisterschaft in der Bundesrepublik den späteren Titelträger überraschte, dann gibt es viel zu erzählen. Die Das legendäre 1:0 gegen die Schön-Elf im Hamburger Volksparkstadion war aber beileibe nicht das beherrschende Thema, als sich die damals von Georg Buschner betreuten Spieler mit ihren Frauen gestern im Dresdner Dorint-Hotel versammelten. Da ging es mehr um Privates, denn so oft sehen sich die Stars von einst auch nicht.

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„So ein Treffen in dieser Runde gibt es erst zum zweiten Mal“, erzählte der frühere Stürmerstar Joachim Streich. Der gebürtige Wismarer, der es 1974 als Stürmer von Hansa Rostock in den WM-Kader geschafft hatte, ehe er 1975 zum 1. FC Magdeburg wechselte und dort zehn Jahre Fußball-Geschichte mitschrieb, ist daher gern nach Dresden gekommen. Einige Kameraden aus der DDR-Auswahl treffe er schon ab und zu, aber manche eben nicht: „Joachim Fritsche habe ich ewig nicht gesehen.“ Der einstige Verteidiger vom 1. FC Lok Leipzig saß gestern Abend aber mit am Tisch – gut gelaunt und umringt von Jürgen Sparwasser, Jürgen Croy, Martin Hoffmann, Wolfgang Seguin, Eberhard Vogel, Gerd Kische, Lothar Kurbjuweit, Rüdiger Schnuphase und Hans-Jürgen Kreische, der das Treffen organisiert hatte.

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„Es freut mich, dass so viele der Einladung mit ihren Frauen gefolgt sind. Peter Ducke kommt noch nach“, sagte Kreische. „Einige haben aber leider abgesagt. Bernd Bransch geht es beispielsweise gesundheitlich nicht so gut“, bedauerte „Hansi“. Vollzählig werde man aber sowieso nie mehr: „Drei von unserer Truppe leben ja leider nicht mehr.“ Nach Reinhard Lauck (1997) und Wolfgang Blochwitz (2005) war 2016 auch der Dresdner Werner Friese – 1974 Torhüter bei Lok Leipzig und neben Blochwitz Ersatzmann für den Zwickauer Weltklassemann Croy – nach schwerer Krankheit im Alter von 70 Jahren gestorben.

Gedenken an verstorbene Mitspieler​

Auch wenn die Erinnerung an die nicht mehr lebenden Kameraden die WM-Helden von Hamburg nachdenklich machte, so war die Stimmung im Salon des Dorint-Hotels meist heiter. So sind die Magdeburger Idole Sparwasser, Streich und Hoffmann froh, dass es ihr Club nach Jahren der Bedeutungslosigkeit endlich in die 2. Bundesliga geschafft hat. Dass die Härtel-Elf dort noch auf den ersten Sieg wartet, hat Hoffmann (1974 WM-Torschütze beim 1:1 gegen Chile) aber nicht überrascht: „Die Qualität der 2. Liga ist eine andere als in der 3. Liga. Ich glaube, dass der 1. FCM, was die Offensive anbelangt, ein paar Nachteile hat. Christian Beck ist davon abhängig, dass Flanken kommen. Er hat sich darüber beschwert, dass er zu wenige kriegt. Ich glaube aber auch, dass er sich oft im falschen Moment in der Spitze bewegt.“ Nichtsdestotrotz hoffe er sehr, dass Magdeburg die Klasse hält, so der 63-Jährige, der in Gommern wohnt und seine blau-weiße Dauerkarte regelmäßig nutzt.


Neben der 2. Liga – heute sind die Altstars zu Gast beim Dynamo-Duell mit den Darmstädtern – war natürlich auch das Abschneiden der DFB-Elf bei der WM in Russland ein Thema. Dass Bundestrainer Joachim Löw nach dem Debakel weitermachen darf, versteht Joachim Streich nicht. „Wir sind Gruppenletzter geworden. Wer ist denn dafür verantwortlich?“, fragte der 98-fache DDR-Auswahlspieler. Was Löw Wochen nach dem Desaster an Erklärungen ablieferte, fand er ebenso enttäuschend: „Das war für mich keine Analyse. Für die Zusammenstellung, die Taktik und die Spielweise ist der Trainer verantwortlich. In der Bundesliga oder jetzt wie hier in Dresden wird ein Trainer bei Misserfolg beurlaubt.“ Martin Hoffmann stört aber vor allem etwas anderes: „In Deutschland geht man einfach davon aus, dass man Weltmeister wird oder zumindest ins Halbfinale oder Endspiel kommt, aber das ist nicht so leicht.“ Wahrscheinlich habe das auf die Spieler abgefärbt: „Löw hat sicher auch Fehler gemacht, aber was genau in der Kabine gelaufen ist, wissen wir alle nicht.“