09. März 2022 / 11:57 Uhr

Die Geschichte des Brandiser Fußballs: Sternstunden der Entwicklung

Die Geschichte des Brandiser Fußballs: Sternstunden der Entwicklung

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die erste Herrenmannschaft des LWSV Brandis, anno 1939
Die erste Herrenmannschaft des LWSV Brandis, anno 1939 © Archiv
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Im Oktober vergangenen Jahres feierte der FSV Brandis sein 100-jähriges Bestehen. In der SPORTBUZZER-Serie beleuchten wir die Geschichte des Vereins. Teil 2: Der Bau des Sportplatzes „Freundschaft“ und diverse Namensänderungen.

Brandis. Als eine besondere Sternstunde der Entwicklung des Brandiser Fußballsports erwies sich der Bau des heutigen Sportplatzes „Freundschaft“ in den Jahren 1931/1932. Viele sportbegeisterte Arbeiter waren mit Spitzhacke, Schaufel und Spaten zur Stelle, um bei diesem Projekt mitzuhelfen. Denn wie in den damaligen, noch untermotorisierten Zeiten üblich, wurden größere Erdbewegungen zur Planierung von Sportplätzen mit Muskelschmalz und Loren bewältigt.

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Fußballbetrieb kam zum Erliegen

Wäre der „Turnverein für Brandis und Umgebung“ nicht 1904, sondern erst 1906 gegründet, könnte er eine Anschaffung zum 25. Jubiläum gewesen sein. Oben ist deutlich das ATSB-Zeichen zu sehen. Der historische Gedenkstein wurde vermutlich während der Nazizeit versteckt. Auf einigen historischen Fotos sind die fleißigen Mithelfer des Sportplatzbaus zu sehen, sowie eine der ersten Partien auf dem Platz im Jahr 1932.

Verlegung der Lorengleise, bewegt mit viel Muskelkraft: Der Brandiser Sportplatzbau im Jahre 1931. Das Foto stammt aus dem Fundus von Sonja Zindler aus Brandis, deren Vater Arno Heller (3. v.r.) am Sportplatzbau beteiligt war.
Verlegung der Lorengleise, bewegt mit viel Muskelkraft: Der Brandiser Sportplatzbau im Jahre 1931. Das Foto stammt aus dem Fundus von Sonja Zindler aus Brandis, deren Vater Arno Heller (3. v.r.) am Sportplatzbau beteiligt war. © Archiv

Der LSV (LWSV) Brandis wurde spätestens im Jahr 1939 gegründet. Es kamen dort auch Militärangehörige zum Einsatz, die auf dem Flugplatz im heutigen Waldpolenz dienten. Dadurch konnte die Mannschaft mehrfach aufsteigen. In der Spielzeit 1940/41 in der 3. Kreisklasse (Staffel 8) gelang nach Platz eins der erstmalige Aufstieg. In der darauffolgenden Saison gelang das gleiche auch in der 2. Kreisklasse. Die erste Saison in der Bezirksklasse beendete der Verein dann mit 23:21 Punkten auf dem siebten Platz. Nach der Saison 1943/44 wurde die Mannschaft mit 26:6 Punkten sogar Zweitplatzierter.

In der Saison 1944/45 sollte der LSV Brandis in der Gauliga Sachsen innerhalb der Gruppe Leipzig in Staffel 1 am Spielbetrieb teilnehmen. Aufgrund der Kriegsereignisse war der Verein aber bald gezwungen, die Mannschaft zurückzuziehen und der Fußballbetrieb kam zum Erliegen. Nach Kriegsende vergingen jedoch nur wenige Monate bis rührige Sportfreunde unverzüglich die Weiterführung des Fußballsports in Brandis organisierten. Bereits im August 1945 wurde wieder ein Fußballspiel ausgetragen. Gegner war damals der Nachbarort Beucha. Nachdem in der sowjetischen Besatzungszone der Sport in Form von Betriebssportgemeinschaften (BSG) neu organisiert wurde, gründete das in Brandis ansässige VEB Silikatwerk für seine Mitarbeiter die BSG Chemie Brandis.

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Einweihung des neuen Sozialtraktes

Die Fußballmannschaft startete 1951 unter diesem neuen Namen in der Kreisklasse, im Laufe des Jahres 1953 erfolgte ein weiterer Namenswechsel in BSG Stahl Brandis. Die Mannschaft beendete die Saison als Kreismeister und gewann gegen Stahl Roßwein das Aufstiegsspiel zur Bezirksklasse. 1955 gelang der BSG Stahl Brandis der Aufstieg in die damals viertklassige Bezirksliga Leipzig. Bis 1959 konnte stets der Klassenerhalt gesichert werden, aber dann musste die BSG für zwei Spieljahre zurück in die Kreisunion Wurzen/Oschatz. Nach dem Wiederaufstieg in die Bezirksklasse 1962, der sie zwischen 1952 und 1990 insgesamt 24 Spielzeiten angehörte, gelang 1964 erneut der Aufstieg in die inzwischen drittklassige Bezirksliga, diesmal für fünf Jahre. 1973/74 spielte man dann noch einmal für ein Jahr in der Bezirksliga und 1984 ging es gar hinab in die Kreisliga Wurzen, wo jedoch postwendend die Rückkehr in die Bezirksklasse gelang. In der Saison 1989/90 wurde erneut der Aufstieg in die Bezirksliga geschafft.

Arbeiter mit Spitzhacke, Schaufel und Spaten realisieren das ambitionierte Projekt.
Arbeiter mit Spitzhacke, Schaufel und Spaten realisieren das ambitionierte Projekt. © Archiv

Bis zum heutigen Zeitpunkt spielte diese Mannschaft in 45 Spieljahren im Bezirksmaßstab, davon 13 Jahre in der Bezirksliga. Im Jahr 1972 begann die internationale Fußballverbindung mit dem tschechischen Ort Plumlov, die noch bis nach der Wende von den Senioren gepflegt wurde. 1990 verlor die BSG durch die politisch bedingten wirtschaftlichen Veränderungen die Unterstützung ihres Trägerbetriebes Silikatwerk. Daraufhin gründeten BSG-Mitglieder am 20. Juli 1990 den eingetragenen Verein TSV Rot-Weiß 90 Brandis. Der TSV startete nun im DFB-Spielbetrieb in der viertklassigen Bezirksliga Leipzig. Nach zwei Jahren stieg der Verein in die 6. Liga (Bezirksklasse) ab. In der Saison 1994/95 gewann der TSV Rot-Weiß 90 dafür die Premierensaison der Muldental-Liga.

Nach der Gründung des TSV Rot-Weiß 90 Brandis erfolgte zudem die Einweihung des neuen Sozialtraktes im Jahr 1992. Am 27. Juni 1997 löste sich die Fußballabteilung des TSV wieder auf, und die Fußballmannschaften schlossen sich dem am 29. Mai 1997 gegründeten FSV 1921 Brandis an. Dieser startete in der achtklassigen Muldentalliga, kickte vier Spielzeiten in der Bezirksklasse Leipzig (zuletzt 2009/10). Nach dem Abstieg und der Umstrukturierung geht der FSV Brandis seit 2010/11 in der Kreisliga A Muldental/Leipziger Land (9. Spielklasse) an den Start. An dieser Stelle sei den vielen eifrigen, einstigen und jetzigen Mitstreitern Dank gesagt. Seien es Spieler, Trainer, Übungsleiter, Betreuer, Schiedsrichter, Platzwarte oder Vereinsverantwortliche.

Frank Mittag

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