06. November 2019 / 10:11 Uhr

Die Gewalt nimmt auch auf den Schaumburger Sportplätzen zu

Die Gewalt nimmt auch auf den Schaumburger Sportplätzen zu

Uwe Kläfker
Schaumburger Ztg. / Schaumburger Nachrichten
Symbolbild.
Symbolbild © Archiv
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Den Mitgliedern des Schaumburger Sportgerichtes ist in den vergangenen Wochen nicht langweilig geworden. Ob im Jugendfußball oder bei den Herren, die Fälle der Eskalation von Gewalt haben sich gehäuft.

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Jüngst wurde ein B-Jugend-Spieler des FC Stadthagen für ein Jahr aus dem Verkehr gezogen (wir berichteten), nachdem er mit hinzugezogenen Kumpanen nach Spielschluss einen Gegenspieler verprügelt hatte. Das Sportgericht hat den Fall an den Verband weitergeleitet – mit der Empfehlung einer lebenslangen Sperre für den Bereich des Niedersächsischen Fußballverbandes. „Das Kreissportgericht kann maximal einjährige Sperren aussprechen“, sagt der Vorsitzende Volker Müller. Über den Fall werde erst Mitte November verhandelt, „aber ich gehe davon aus, dass unser Antrag angenommen wird“.

Ein anderer Fall aus dem Jahr 2018 wurde vor dem Amtsgericht verhandelt. Während es in der gesamten vergangenen Serie zwölf Verfahren vor dem Sportgericht zu verhandeln gab, sind es in der laufenden Saison bereits elf – und es ist gerade mal die Hinrunde gespielt. „Es scheinen alle Dämme zu brechen, das artet momentan aus“, sagt Müller. Auffällig sei auch, dass es im vergangenen Jahr hauptsächlich um Vergehen im Jugendfußball ging. Aktuell sind eher die erwachsenen Herrenfußballer auffällig.

„Ich hatte die leise Hoffnung, dass sich alle am Riemen reißen“, so der Obernkirchener. Das hat sich als Trugschluss erwiesen, binnen vier Wochen nach Saisonstart musste das Sportgericht bereits sechsmal verhandeln.

Und es geht munter weiter: Ein Spieler des TSV Ahnsen II wurde im Oktober für sieben Monate gesperrt, weil er einem Gegenspieler vom SV Nienstädt 09 II mit einem Revanchefoul rücksichtslos und brutal von hinten in die Beine trat. Zwei Spieler des Beckedorfer SV II wurden zu je sieben Monaten Sperre verurteilt, weil sie sich im Spiel der 4. Kreisklasse zwischen dem Beckedorfer SV II und dem SV Union Stadthagen erst gegenseitig beleidigt und danach eine Schlägerei geliefert hatten (wir berichteten).

In Hespe rastete ein Spieler des TSV nach einem Foul an sich aus und spuckte seinem Gegenspieler vom TuS Niedernwöhren-Wiedensahl II aus kurzer Distanz ins Gesicht. Anschließend beleidigte der Hesper den TuS-Spieler. Die Strafe folgte durch das Sportgericht auf dem Fuß: Der Hesper wurde in Sachen Fußball für neun Monate auf Eis gelegt. „Für den Spieler ist die Saison zu Ende. Die Strafe für so ein Vergehen muss man auch merken“, sagt Müller, der einräumt: „Ja, wir haben die Strafen angezogen. Wir wollen die Vorfälle nicht ohne Weiteres tolerieren.“ Auch der Spielausschuss, der maximal für acht Wochen Sperren dürfe, gebe immer mehr Vorgänge an das Sportgericht ab, so Müller.

Bei Durchsicht der Urteile fällt auf, dass die Namen zahlreicher Täter auf einen Migrationshintergrund schließen lassen. „Aktuell ist das so. Aber im vergangenen Jahr war es eher umgekehrt. Der schlechte Umgang auf den Sportplätzen ist kein grundsätzliches Problem der Migranten, sondern eher ein gesamtgesellschaftliches“, sagt der 65-Jährige. Die rote Linie verwische immer mehr, „die Hemmschwelle zur Gewalt nimmt ab“, schildert Müller, der als Spartenleiter des SC Auetal auch viel auf Plätzen unterwegs ist. „Wie da Zuschauer, Trainer und Spieler teilweise miteinander umgehen – schlimm.“

Auch Schiedsrichter sind oft die Opfer, wenn auf dem Sportplatz Dampf abgelassen wird. „Die eigenen Spieler werden niemals so beschimpft, wenn sie Fehler machen“, sagt Müller. Körperliche Gewalt gegen Schiedsrichter ist in Schaumburg bislang nur selten ein Thema. In Hessen wurde vor Tagen ein Referee verprügelt, dazu kursiert ein Video im Internet. In Berlin streikten die Unparteiischen jüngst für einen Spieltag, um nachdrücklich auf das Problem aufmerksam zu machen.
„Dabei sollten doch alle an einem Strang ziehen, so Müller. „Die Vernunft muss wieder die Oberhand gewinnen. Sie sollen Fußball spielen.“

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