19. Mai 2021 / 14:04 Uhr

Die Grizzlys-Serie: "So viele Gedanken und so leer im Kopf"

Die Grizzlys-Serie: "So viele Gedanken und so leer im Kopf"

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
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Das Ende: Die Grizzlys gratulieren und verabschieden sich von den Eisbären - als Vizemeister 2021. © Grizzlys Wolfsburg/City-Press GmbH
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Eine Serie riss und die Grizzlys Wolfsburg fanden sich mal wieder im Tal der Tränen. Zum vierten Mal im Finale, zum vierten Mal deutscher Eishockey-Vizemeister. Über die Saison berichtet in einer SPORTBUZZER-Serie Armin Wurm, der für die Grizzlys in jedem Finale spielte.

Zum vierten Mal im Finale, zum vierten Mal deutscher Eishockey-Vizemeister. Über die Saison berichtet in einer SPORTBUZZER-Serie Armin Wurm, der für die Grizzlys in jedem Finale spielte.

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"Spiel zwei gegen Berlin stand an. Die Eisbären hatten nach unserem Sieg in Spiel eins alles umgestellt, kamen wie die Feuerwehr, haben uns praktisch keine Chance gelassen. Das war hart, das mussten wir verdauen. Wir stellten uns drauf ein, haben uns wieder fokussiert,. Wir wussten, wir hatten jede Runde in Spiel drei gewonnen, aber Berlin hatte stets das erste Spiel der Serie verloren und am Ende triumphiert. Eine Serie musste brechen. Wir hatten den Willen, wir waren drin, Chancen waren da.

Festi schied verletzt aus, er war ein wichtiger Faktor in den Play-Offs gewesen, aber in dem Moment steckt man das weg, sagt sich: 'Wir haben genug Spieler, wir schaffen das auch ohne ihn!' Wir haben bis zum Ende dran geglaubt, Dann ertönt die Sirene, du schaust hoch - da steht 2:1 für Berlin.

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Sirene, Aus, das dritte Finalspiel vorbei. Das ist ein bitterer Moment. ,Das kann nicht wahr sein', dachte ich. So nah dran, wie noch nie. Da sind so viele Gedanken in einem und zugleich ist man so leer im Kopf. 25 Spiel in 50 Tagen hatten wir im Endspurt abgerissen, diese Last fiel ab. Der Gedanke: jetzt werden einige Jungs gehen, es war so ein schweres, anstrengendes Jahr - in nur wenigen Sekunden kommen da in einem brutal viele Emotionen hoch.

Team machte über 2000 Tests

Die Spieler, deren Abschied feststand, wurden schon in der Kabine herzlich umarmt, das ist immer ein seltsamer Moment, das lief wie immer. Aber sonst? Die Autogrammstunde war toll, für uns und für die Fans, aber es war halt nicht so wie sonst. Sonst gibt es immer im Rahmen der Fan-Abschlussfeier unser Abschiedsessen. Diesmal gab es das in kleinem Rahmen, dann ist jeder nach Hause. Corona-konform. Noch einmal Tests vorher. Unser Physio Tom Woerlen hat mal ausgerechnet, dass wir insgesamt weit über 2000 Tests gemacht haben.

Coach Pat Cortina musste gehen. Ich habe die zwei Jahre mit ihm genossen, er ist ein guter Trainer, ich bin mit ihm super klar gekommen. Ich gehe davon aus, dass er wieder was findet, blicke auf die zwei Jahre mit ihm positiv zurück. Mike Stewart kommt, persönlich kenne ich ihn nicht. In Augsburg hat er sehr gute Arbeit gemacht, wir hatten mit seinem Team Probleme. Ich lege jetzt erst einmal ein paar Tage die Füße hoch. Mein Vater ist zu Besuch da, den ich das letzte mal im August gesehen hatte. Meine Mutter kommt in Kürze. Sie hatte ich im Mai 2020 oder Juni zuletzt getroffen. Man sieht sich zwar öfter über Facetime, aber das ist natürlich nicht das Gleiche. Meine Tochter freut sich auch riesig auf Oma und Opa. Wir haben jetzt ein wenig Familienzeit, die hatte es in den letzten zwei Monaten gar nicht gegeben.

Zu den anderen Serienteilen geht es hier:

Teil 1 der Armin-Wurm-Serie

Teil 2 der Armin-Wurm-Serie


Teil 3 der Armin-Wurm-Serie

Teil 4 der Armin-Wurm-Serie

Teil 5 der Armin-Wurm-Serie

Teil 6 der Armin-Wurm-Serie

Teil 7 der Armin-Wurm-Serie

Wir als Familie planen, im Juli mal in meine Heimat ins Allgäu zu fahren. Mehr Urlaub gibt es nicht. Wir werden wieder Trainingswochen in Wolfsburg haben, die genauen Pläne werden in Kürze kommen. Die alte Saison ist vorbei, die neue steht so gesehen schon wieder vor der Tür. Die Fans kehren hoffentlich in die Hallen zurück. Ich wünsche allen einen schönen Sommer. Bleibt uns treu und bleibt gesund!"

-Ende-

  • Armin Wurm war 2009 vom EV Füssen zu den Grizzlys gestoßen, der Allgäuer ist längst ein Wolfsburger geworden, mit einer Vorsfelderin verheiratet und seit knapp einem Jahr Familienvater. Der kampfstarke Verteidiger hat inzwischen 589 DEL-Partien, davon 95 in Play-Offs für die Grizzlys absolviert.