30. Juli 2020 / 13:23 Uhr

Die Handorfer Mauer: René Hauer ist sicherer Rückhalt

Die Handorfer Mauer: René Hauer ist sicherer Rückhalt

Peter Konrad
Peiner Allgemeine Zeitung
Früher war René Hauer als Feldspieler aktiv, doch nach seinem Kreuzbandriss im Oktober 2018 wechselte er die Position und hütet inzwischen für Adler Handorf das Tor.
Früher war René Hauer als Feldspieler aktiv, doch nach seinem Kreuzbandriss im Oktober 2018 wechselte er die Position und hütet inzwischen für Adler Handorf das Tor. © Foto: ISABELL MASSEL
Anzeige

Vom Feldspieler zum Torwart: René Hauer ist zum sicheren Rückhalt bei Adler Handorf geworden. Das Team aus der 1. Fußball-Kreisklasse kassierte vergangene Saison in 16 Partien nur elf Tore. Und der 35-Jährige will auch in der neuen Saison das Adlertor hüten.

Anzeige
Anzeige

Zweifellos zu den positiven Überraschungen der vergangenen Saison in der 1. Fußball-Kreisklasse zählte der TSV Adler Handorf, mischte er doch im Titelkampf mit und überzeugte auch beim PAZ-Cup. Großen Anteil daran hatte Keeper René Hauer, dessen Bilanz sich wahrlich sehen lassen kann: In 16 Partien musste er lediglich elfmal hinter sich greifen. Dabei hat der 35-Jährige den überwiegenden Teil seiner fußballerischen Laufbahn auf dem Feld verbracht – erst seit gut zwölf Monaten steht er zwischen den Pfosten.

Doch obwohl er kein gelernter Torhüter ist, hat er sich binnen kurzer Zeit zum großen Rückhalt der Adler entwickelt. „Er macht seine Sache hervorragend“, lobt Coach Philipp Wulfes. Er schätzt jedoch nicht nur die sportlichen Qualitäten des Routiniers, „sondern auch menschlich ist er ein klasse Typ – René ist ein absoluter Teamplayer“, konstatiert Wulfes. Zudem ist er in punkto Einstellung ein Vorbild, da er den Fußball zu 110 Prozent lebt“. Entsprechend froh ist der Trainer auch, dass Hauer für eine weitere Saison zugesagt hat.

Die Karriere schien schon beendet

Lange überlegen, ob er weiterhin für die Adler das Tor hüten möchte, musste er nicht. „Ich hatte mich schon früh entschieden, weil es mit hier sehr gefällt“, sagt Hauer. Die Trainer, die Mannschaft, die Fans: „Es passt alles – so etwas habe ich bislang nur sehr selten erlebt.“ Dabei schien seine Karriere bereits beendet zu sein, denn nachdem er sich im Oktober 2018, als er für Falke Rosenthal spielte, einen Kreuzbandriss zugezogen hatte, „wollte ich eigentlich nicht mehr spielen, da ich zu diesem Zeitpunkt noch keinen Festvertrag bei VW hatte“.

Um diesen nicht zu gefährden, erteilte er der ersten Anfrage aus Handorf, ob er sich nicht vorstellen könnte, sich ins Tor zu stellen, auch eine Absage. Einige Adler-Spieler bemühten sich jedoch weiterhin um ihn – und ihr zweites Gesuch war erfolgreich. Denn als Hauer, der inzwischen Vater von zwei Kindern ist, einige Wochen später eine feste Anstellung erhielt, gab er anschließend seinen Pass bei den Adlern ab. „Ich wollte schauen, wie ich mich als Torhüter mache.“ Etwaige Zweifel, ob er für diesen Posten überhaupt geeignet ist, zerstreute er schnell, „da er von Beginn an stark gehalten hat“, erklärt sein Coach.

Zugute kam Hauer, dass er sich früher schon im Training des Öfteren als Schlussmann versuchte. „Und als ich beim VfB Peine war, habe ich unter Michael Jarzombek fünf, sechs Punktspiele im Tor gestanden.“ Nun ständig Keeper zu sein, sei zwar erst einmal eine Gewöhnungssache gewesen, „aber mittlerweile macht mir das extremen Spaß“.

"Das ist auch kein Hexenwerk"

Die erforderlichen Fertigkeiten für diese Position hat er sich überwiegend selbst angeeignet. „Das alles ist aber auch kein Hexenwerk. Wenn man fußballerisch nicht auf den Kopf gefallen ist, kann man sich auch ins Tor stellen“, betont Hauer.

Dass es für ihn in seiner Premierensaison als Keeper persönlich so gut lief und er nur wenige Gegentore kassierte, habe allerdings zum Großteil an der Mannschaft gelegen. „Wir sind im Kollektiv sehr stark, vor allem in der Rückwärtsbewegung – das hat mir die Arbeit enorm erleichtert“, erläutert Hauer, der mit seinem Team am Ende Rang drei belegte.

Entsprechend werden die Adler für die neue Saison auch hoch gehandelt – fast die komplette Konkurrenz traut ihnen den Aufstieg in die Kreisliga zu. Hauer jedoch gibt sich vorsichtig, sieht seine Mannschaft keineswegs als Topfavorit. „Denn unsere Staffel ist erheblich stärker als die andere. Es gibt einige gute Teams und einige Wundertüten, so dass es auf jeden Fall eine schwere Saison wird.“

Erneut in der Spitzengruppe mitspielen wollen die Handorfer jedoch schon, „aber wir müssen nicht zwangsläufig Meister werden“, betont Hauer. Ziel ist es, „wieder positiv aufzufallen und guten Fußball zu zeigen“. Erzwingen könne man den Erfolg ohnehin nicht, „weil dazu auch das nötige Glück gehört“. Folglich sieht der Adler-Schlussmann der kommenden Spielzeit auch recht gelassen entgegen. „Was sich ergibt, ergibt sich.“

Ein bisschen Träumen ist indes erlaubt: Mit den Handorfern den Aufstieg zu schaffen und noch einmal beim PAZ-Cup zu spielen, „wäre schon richtig toll“, gesteht René Hauer. „Und was möglich ist, wenn man als Einheit auftritt, haben wir ja in der vergangenen Saison gesehen.“ Priorität hat für ihn aber etwas anderes: „Mit knapp 36 Jahren will ich Spaß am Fußball und kein Gemecker auf dem Platz haben.“

Der Kader des TSV Adler Handorf

Zugänge: Edim Toprakli (TSV Münstedt), Sascha Voges (Germania Blumenhagen), Damian Schmidt (A- Jugend Schwicheldt/Rosenthal).

Abgänge: Matthias Hanke (eig. 2. Herren), Robin Koegel, Torben Klamka (beide verletzungsbedingte Pause).

Tor: René Hauer, Damian Schmidt.

Abwehr: Erik Gaus, Ron Herzberg, Hendrik Janke, Alexander Kühn, Jannes Kühn, Sandro Latzel.

Mittelfeld: Fiete Cario, Julian Hallmann, Noah Hollemann, Jarne Kühn, Christopher Neumann, Marcel Petermann, Philipp Schnalle, Steven Schönball, Edim Toprakli, Daniel Weiß.

Angriff: Denny Gawlista, Kevin Herrmann, Vincent Maeder, Sascha Voges.

Trainer: Philipp Wulfes. Co-Trainer: Karsten Klein, Christian Neumann.

Saisonziel: Leistung aus der Vorsaison bestätigen und weiterhin junge Spieler integrieren.

Favoriten: SSV Plockhorst, TSV Clauen/Soßmar.

Von Peter Konrad