16. Januar 2020 / 10:20 Uhr

Die Hinrunde der Fußball-Kreisoberliga: Im Oberhaus ist allerhand los

Die Hinrunde der Fußball-Kreisoberliga: Im Oberhaus ist allerhand los

Heiko Henschel
Leipziger Volkszeitung
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Steven Habich (Tresenwald/Mitte) kann vor Klingas Florian Fritzsche (links) klären – Torwart Max Ullmann muss nicht eingreifen. © Bettina Finke
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Die Fußball-Kreisoberligisten haben die erste Halbserie noch nicht vollständig abgeschlossen. Personalmangel, Verletzungen und Verfahren beim Sächsischen Fußballverband brachten die Hinrunde durcheinader.

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Grimma/Borna. Mit 497 Toren (im Schnitt 4,2 pro Begegnung) haben die Mannschaften der Fußball-Kreisoberliga der Männer den halben Tausender um Haaresbreite verfehlt. Könnte daran liegen, dass die erste Halbserie noch nicht komplett abgeschlossen werden konnte.

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Die Partien Deutzen gegen Klinga-Ammelshain (Personalmangel bei den Gästen) und Böhlen gegen Leisnig (Unbespielbarkeit des Platzes) warten noch auf ihre Austragung. Das beim Stand von 1:0 abgebrochene Match zwischen Naunhof und Deutzen wurde vom Sportgericht des Fußballverbandes Muldental/Leipziger Land mit 0:2 gewertet. Die Naunhofer gingen in Berufung, wodurch das Verfahren beim Sächsischen Fußballverband anhängig ist. Vorzeitig beendet wurde das Derby Böhlen gegen Borna wegen der schweren Verletzung eines Gästespielers, am grünen Tisch erlangte das 0:3-Zwischenresultat Gültigkeit. Andererseits kamen die Böhlener gegen die nicht angetretenen Klinga-Ammelshainer kampflos zu einem 2:0-Erfolg. Am einzigen zweistelligen Ergebnis war Böhlen beteiligt, gegen Ostrau setzte es eine 3:11-Niederlage. Vorgearbeitet haben Döbeln und Leisnig, die ihr Rückrundenauftakt-Duell schon im November austrugen (3:1).

Mit der Krone Herbstmeister schmücken kann sich der Bornaer SV (1. Platz/35 Punkte). Der heißeste Meisterschaftskandidat sind die Wyhrastädter um Trainer Marco Gruhne. Der Dritte der Vorsaison war im Saisonverlauf fünfmal Spitzenreiter, hat mit nur 18 Gegentoren die stabilste Defensiv und ist auswärts ungeschlagen geblieben.

Erik Mäder hat sich mit zehn erzielten Treffern zu einem Leistungsträger bei den Schwarz-Gelben entwickelt. Und überhaupt ist der jugendliche Elan ein Pfund, mit dem der BSV wuchern sollte. Wenngleich auf die erfahreneren Akteure nicht verzichtet werden kann, wie manche Rückschläge unter Beweis stellten. In Sack und Tüten ist das Ding längst noch nicht.


Der SV Ostrau (2./31) ist seit dem jüngsten Aufstieg im Jahr 2016 stets auf einem einstelligen Platz (zuletzt Fünfter) ins Ziel gekommen und wird dies mit großer Wahrscheinlichkeit erneut schaffen. Vom 4. bis zum 12. Spieltag führten die heimstarken Jahnataler um Coach Mathias Donath das Klassement an, bevor ihnen die Leichtigkeit abhanden kam. Zu Hause stehen die Blau-Gelben ohne Niederlage da und führen diese separate Wertung an. Mit Michal Brnicky (zwölf Treffer) und Sandro Antony (absolvierte alle Spiele) schlugen die beiden Zugänge sofort ein.

Rekordhalter der Kreisoberliga: 146 Partien

Hätte, hätte, Fahrradkette. Wären dem Roßweiner SV (3./30) keine sechs Zähler wegen Nichterfüllung Schiedsrichter-Soll abgezogen worden, wäre er momentan Klassenprimus. Was beweist, dass mit dem Landesklasse-Absteiger im Ringen um den Titel noch zu rechnen sein dürfte. Schließlich hat das Team des vor allem in Hausdorf zu Ruhm und Ehre gekommenen neuen Coachs Jörg Soujon zusammen mit Frohburg die meisten Tore erzielt (51) sowie die meisten Auswärtspunkte eingefahren (21). Benjamin Brambor und Stephan Krondorf sind mit jeweils 15 Treffern Zweiter der Torschützenliste. Torsten Jentzsch (alle Minuten), Tom Seydel (fast alle Minuten) und Steffen Zerge bestritten sämtliche Begegnungen.

Dritter, Erster, Zweiter – die Kicker des BSV Einheit Frohburg (4./29) haben ihre Fans in den vergangenen drei Jahren verwöhnt. Und sie taten es trotz des Wechsels auf der Kommandobrücke (Erfolgscoach Tom Krauspe übergab an seinen ehemaligen Kapitän Andre Thieme) zunächst nahtlos weiter, standen nach dem 2. und 3. Spieltag an der Tabellenspitze. So weit, so gut. Wäre da nicht die Schwächephase im Spätherbst gewesen, durch welche die Rennstädter an Boden einbüßten und vom Podest rutschten. Aber es gibt keinen Grund zum Jammern.

Vielmehr richten Philipp Jacob (mit 19 Treffern Führender der Torschützenliste), Alexander Steinbach, Domenik Kuhnitzsch (das Duo war bei allen Partien dabei) und Co. den Blick nach vorn. Wo Steinbach – der obendrein keine Minute versäumte – bereits steht, denn der Einheit-Dauerbrenner ist mit 146 Spielen Rekordhalter der Kreisoberliga.

In rasender Geschwindigkeit zwischen Himmel und Hölle bewegte sich Aufsteiger SV Klinga-Ammelshain (5./24). Die Autobahner (Bezirksmeister und Bezirkspokalsieger 2003, danach zwischenzeitlicher Rückzug aus dem Spielbetrieb) haben die neue Umgebung durcheinander gewirbelt.

Ab Runde drei stand man im gehobenen Mittelfeld, wozu Michael Vettermann (12 Tore) Anteil hatte. Andererseits fielen die „Autobahner“mit merkwürdigen Personalproblemen negativ aus dem Rahmen. Was in dubiosen Spielverlegungen, einem am grünen Tisch verlorenen Match und im Rücktritt des Trainers Enrico Ueberschär mündete. Ronny Beulich übernahm den Trainerposten.

FSV führt Fairplay-Wertung an

Das Feld förmlich von hinten aufgerollt hat der FSV Alemannia Geithain (6./21). Der Zwölfte der abgelaufenen Spielserie kam zunächst nicht in Tritt und knüpfte an die schwache Vorsaison an. Dreimal waren die Gelb-Schwarzen Schlusslicht, bevor der Knoten platzte und ein Zwischenspurt hingelegt wurde. Welcher die Alemannen am 12. Spieltag in die erste Tabellenhälfte katapultierte.

Der weniger kraftraubende Kunstrasen kaschierte das fehlende Training und nun machte es sich bezahlt, dass Coach Marco Seifert nach wie vor auf gestandene Akteure wie zum Beispiel Stefan Winkler zurückgreifen kann. Dieser stand wie auch Kilian Helbig (lochte zehnmal) in allen Spielen auf dem Parkett. Zudem führt der FSV – welcher wie auch Ostrau, Roßwein, Klinga-Ammelshain, Großsteinberg und Deutzen keinen Platzverweis einstecken musste – die Fairplay-Wertung an.

Eine Steigerung legte der TSV Großsteinberg (7./19) hin. Als Rang-Achter der vergangenen Spielserie mussten die Blau-Gelben erst einmal Bekanntschaft mit dem Tabellenkeller machen. Allerdings bekamen die Schützlinge von Übungsleiter Andreas Thimm die Kurve, starteten eine Aufholjagd und befinden sich seit Runde zehn in der vorderen Hälfte des Klassements. Marcel Erfurth trug sein Scherflein dazu bei. Er war nicht nur zehnfacher Torschütze, sondern auch in allen Begegnungen auf dem Rasen vertreten. Der TSV könnte durchaus Gefallen am sicheren Fahrwasser finden.

Der Döbelner SC (8./19) hat als einstiger Landesligist (zuletzt von 2012 bis 2015) schon bessere Zeiten erlebt. Dennoch war eine dermaßen schwierige Anpassung an die 8. Liga in dieser Form keineswegs zu erwarten, so befand sich zweimal die rote Laterne im Besitz des Landesklasse-Absteigers. Zur Ehrenrettung sei aber gesagt, dass der DSC mit einer völlig verjüngten Mannschaft ins Rennen ging. Und irgendwann hatte der neue Trainer Thomas Henschel die Mosaiksteinchen zusammengefügt, damit sich der Erfolg einstellen konnte. Stammkräfte wie Steve Oehme (sieben Treffer) und Arthur Michel (versäumte kein Match) schritten dabei vorneweg.

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Burkartshainer Berg- und Talfahrt

Auch der SV Naunhof (9./ 18) besitzt eine Landesliga-Geschichte (zuletzt 2009 bis 2011) und kehrte jüngst ungewollt der Landesklasse den Rücken. Danach drehte der aus Eilenburg zurückgeholte Benjamin Fraunholz als neuer Coach jeden Stein um und schickte eine erfahrene Truppe an den Start.

Welche sich jenseits von gut und böse (nicht besser als Sechster, nicht schlechter als Zwölfter) aufhielt. Florian Burkert traf elfmal. Dass neben René Beckert mit Andreas Fischer auch der absolute Oldie in den Reihen des SVN kein Duell verpasste, ist bemerkenswert.

Eine gewisse Leistungskonstanz hat der SV Chemie Böhlen (10./17) definitiv nicht aufs Trapez bekommen. Himmel hoch jauchzend und zu Tode betrübt wechselten sich viel zu schnell ab. Zuvor fünfmal in der oberen Tabellenhälfte angesiedelt, war in den Wochen vor der Winterpause ein Abwärtstrend unübersehbar. Der Vorjahres-Siebente muss angesichts der zuletzt gezeigten Vorstellungen höllisch auf der Hut sein, nicht noch hinten rein zu rutschen. Die meisten Gegentreffer (gemeinsam mit Tresenwald 51) können kein Zufall sein.

Wenigstens beim jungen Marvin Strankmüller gab es für Spielertrainer Toni Röder nichts zu meckern. Der aus den A-Junioren hoch gerückte Bursche behielt vor dem gegnerischen Gehäuse achtmal die Nerven. Die Chemiker benötigen weitere Hoffnungsträger, um einen positiven Umschwung einzuleiten.

Mühsam wie ein Eichhörnchen ernährte sich der SV Blau-Weiß Deutzen (11./15). Der Vierte der Vorsaison konnte diesmal seltener über seinen Schatten springen, obwohl er sich fünfmal in der vorderen Hälfte des Klassements aufhielt. War in früheren Jahren oft die Abwehr das Sorgenkind, so offenbart nun der Angriff ungeachtet der sechs Tore von Michael Günther Reserven.

Coach Rolf Tröger mahnt immer wieder gebetsmühlenartig eine effektivere Chancenverwertung an. Falls dies in Zukunft besser gelingt ohne die Defensive zu entblößen, muss einem um die Blau-Weißen nicht bange sein. Christian Kreisel war bei sämtlichen Auftritten seines Teams mittendrin.

Eine Berg- und Talfahrt hat der TSV Burkartshain (12./15) hinter sich. Die Truppe von Übungsleiter Maik Lichtenberger (in der abgelaufenen Serie Elfter) war zweimal Schlusslicht, befand sich an fünf Spieltagen in der oberen Tabellenhälfte.

Das Manko der Mannschaft lag in der offensiven Durchschlagskraft, denn nur 16 erzielte Treffer sucht man in der Staffel vergeblich.

So war es nicht verwunderlich, dass Dirk Ries mit drei Toren bereits zum erfolgreichsten Schützen avancierte. Marcel Schülert war in allen Partien Bestandteil der TSV-Elf.

Schießbude der Liga: Tresenwald Machern

In Sachen VfB Leisnig (13./14) kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass noch Luft nach oben ist. Denn Abstiegskampf (und in dem stecken die Muldestädter) war nach Rang zehn in der Vorsaison und einigen interessanten Zugängen im Sommer nun wirklich nicht eingeplant. Oder schlägt in diesem Fall das berüchtigte schwere zweite Jahr nach dem Aufstieg durch?

Dabei befand sich das Team des Trainergespanns Rico Meister/Michael Koslowski sechsmal in der vorderen Hälfte des Klassements, bevor die Flaute folgte. Trotz der vier Treffer von Patrick Hußner und eines aus Toni Schulz, Hannes Meyer und Willi Roitzsch bestehenden Dauerbrenner-Trios. Obendrein ist der VfB mit durchschnittlich 158 Besuchern Zuschauer-Krösus in der Staffel, wobei die 600 Fans zum Saisoneröffnungsspiel gegen den Lokalrivalen Döbeln erheblich dazu beitrugen. Neben den Leisnigern kommt nur noch Frohburg (105) auf einen dreistelligen Wert.

Es waren vergleichsweise selige Zeiten, als der SV Regis-Breitingen (14./13) nach dem Aufstieg 2007 in die damalige Bezirksklasse sechsmal hintereinander auf einem einstelligen Tabellenrang landete. Was als Sechster auch im abgelaufenen Spieljahr glückte. Und selbst zu Beginn der laufenden Saison mischten die Pleißestädter bis zur 4. Runde in der oberen Tabellenhälfte mit. Auf Dauer war die dünne Personaldecke und der hohe Altersdurchschnitt nicht zu kompensieren. Wenngleich ein Sören Paul (sechs Tore) und ein Sven Streitberg (beide waren bei allen Duellen dabei und entstammen der 2007er-Generation) immer noch unentbehrlich sind. Bei ihnen konnte sich der Woche für Woche um eine schlagkräftige Truppe bemühende Coach Jochen Schulz die Telefonkosten sparen. Der SVR wird auch in der zweiten Halbserie eine harte Nuss zu knacken haben.

Am Anfang des Jahrtausends bestimmte der SV Tresenwald Machern (15./12) das Niveau in der Bezirksliga mit, wurde 2003 Vizemeister, erfreute sich an seinem neuen Sportpark und lockte prominentes Personal dorthin. Mittlerweile ist der Alltag eingekehrt und der war zuletzt eher grau. Zunächst dreimal vordere Hälfte des Klassements, dann ging die Fuhre nach unten ab.

Erschwerend kam hinzu, dass man mit 42 Gegentreffern Schießbude der Liga und auch in der Fairness-Tabelle mit 36 gelben sowie zwei gelb-roten und einer roten Karte Letzter ist. In puncto Zuschauerzuspruch blinkt mit im Schnitt 28 Besuchern die rote Laterne am Tresenwald. Außer bei den 15 Toren von Roy Pfüller (Zweiter in der Staffel) hatte Übungsleiter Steffen Teichmann wenig zu lachen. Das Bewerkstelligen des Klassenerhalts könnte sich für den Neunten der Vorsaison zur Herkulesaufgabe entwickeln.

Ist die Kreisoberliga für Neuling SC Partheland (16./8) eine Nummer zu groß? Zunächst machte es nicht den Anschein, denn bis zum 4. Spieltag tummelten sich die Polenzer und Beuchaer (SC und Lok fusionierten zu neuem Verein) in der oberen Tabellenhälfte. So verheißungsvoll der Start auch war, so brutal war der Absturz. Ab Runde zehn zierte das Team von Trainer Alexander Till das Ende des Klassements.

Ebenfalls Letzter ist man in der Heim- und Auswärtswertung. Zu Hause gab es keinen Dreier. Immerhin war das Toreschießen auf mehrere Schultern verteilt. Felix Benedikt, Eric Paul Kunzmann, Christian Meding und Thomas Wetzig waren jeweils dreimal zur Stelle. Max Dietrich absolvierte alle Begegnungen seines Teams. Welches sich keineswegs aufgegeben hat.