10. April 2014 / 13:21 Uhr

„Die Lage ist ernst“: SG-Sachsen-Vorstand um Jamal Engel wirft hin

„Die Lage ist ernst“: SG-Sachsen-Vorstand um Jamal Engel wirft hin

Torsten Teichert
Leipziger Volkszeitung
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Vier Vorstandsmitglieder treten zurück. Streit um Finanzen.

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Leipzig. Er war das Gesicht des Vereins, Reizfigur im Streit um die Leutzscher Einheit und Strippenzieher im Alfred-Kunze-Sportpark. Jetzt hat Jamal Engel hingeworfen. Der Vizepräsident der SG Sachsen Leipzig ist am Mittwochabend von seinem Posten zurückgetreten. Mit ihm ziehen sich auch Präsident Jan Hoppe sowie die beiden Vorstandsmitglieder Frank Schöllhammer und René Frohberg aus der Führungsriege des Landesligisten zurück. Neu in den Vorstand wurden dafür Fred Krabbes (bisher Aufsichtsrat) und Frank Weser berufen.

„Dieser Schritt war dringend notwendig, um der neuen Konzeption des Aufsichtsrates und somit der Neuausrichtung des Vereins, sowie den dadurch geänderten Prioritäten einen uneingeschränkten kreativen Freiraum zu ermöglichen“, heißt es auf der Vereinshomepage als Begründung.

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Im Gespräch mit LVZ-Online wird Jamal Engel deutlicher. In den vergangenen Wochen haben Vorstand und Aufsichtsrat über die Zukunft des Vereins diskutiert. „Wir mussten uns auseinandersetzen, kamen aber nicht zueinander“, sagte Engel. Es helfe nichts, wenn man sich ständig behake. Deshalb sei in den vergangenen 14 Tagen bei ihm und seinen Mitstreitern der Entschluss zum Rücktritt gereift.

Hauptsponsor abgesprungen

Kern des Disputs dürften die Finanzen im Verein gewesen sein. In der aktuellen Saison klafft ein gewaltiges Loch im Etat. Geplant hatte die SG Sachsen mit 350.000 Euro. Davon fehlen laut Engel 70.000 Euro, also 20 Prozent. Hauptgrund ist der Ausfall eines Hauptsponsors, der mit 40.000 Euro fest eingeplant war. Hinzu komme der Streit mit dem Untermieter BSG Chemie über die Betriebskostenzahlungen. Hier hatte die SG Sachsen in der vergangenen Woche vor dem Landgericht einen Prozess über eine Teilzahlung verloren.

„Die Lage ist ernst“, bestätigte Engel. Von einer Insolvenzgefahr wolle er nicht reden. Klar sei aber, dass Einschnitte gemacht und der berühmte Gürtel enger geschnallt werden müssten. Über das Wie sind sich Vorstand und Aufsichtsrat nun nicht einig geworden. Details nennt Engel nicht. Einer der Knackpunkte ist aber offenbar ein Hauptsponsor für die neue Spielzeit. Der alte Vorstand war Engel zufolge an einem neuen Geldgeber dran, ein bundesweit agierendes Unternehmen mit Niederlassung in Leipzig. „Wir waren in den Verhandlungen schon weit“, so Engel. Ein Vertrag wurde aber bisher nicht unterzeichnet. Über die vereinsinternen Gründe schweigt sich der ehemalige Vizepräsident aus. „Wir wollen jetzt niemandem mehr im Weg stehen“, sagte der 43-Jährige. Er werde sich aber auch künftig in den Verein einbringen, wenn dies gewünscht sei. Eines betonte Engel jedoch auch: „Ich werde nicht im Hintergrund die Fäden ziehen.“

Wenig konkret wird an seinem ersten Tag im Amt das neue Vorstandsmitglied Frank Weser. „Wir müssen jetzt unter Einbeziehung der Mitglieder, Sponsoren und Fans die Kräfte bündeln, um die Tagesaufgaben anzugehen und strategische Weichen zu stellen“, erklärte er.

Hoffen auf Leutzscher Einheit

Engel hatte 2011 nach dem Rückzug des insolventen FC Sachsen Leipzig die SG Leipzig Leutzsch mitgegründet und einen Neuanfang in der Landesliga gewagt. Im vergangenen Jahr benannten sich die Grün-Weißen in SG Sachsen um, auch um eine größere Akzeptanz bei den eigenen Fans zu erreichen. Der neue Verein sollte dem Nachwuchs eine Perspektive bieten, die Männer aber weiter leistungsorientierten Fußball spielen. Im ersten Jahr belegte die Mannschaft von Trainer Dirk Havel den sechsten Platz und weckte Hoffnungen auf mehr.

Von Anfang an schwelte der Konflikt mit der BSG Chemie um die Fußball-Hoheit in Leutzsch mit. Engel als Gesicht der SG nahm dabei schnell die Position des Schwarzen Peters in dem Streit ein. „Ich muss damit leben, es geht dabei doch nicht nur um meine Person“, so Engel. Wenn die Leutzscher Einheit nur an seiner Person gescheitert sei, könnten jetzt beide Seiten loslegen und aufeinander zugehen. Denn eines ist für Engel auch klar: „Wer soll noch in ein zerstrittenes Leutzsch kommen, wenn RB künftig in der zweiten Bundesliga spielt?“

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