25. September 2020 / 08:56 Uhr

Die Mutter aller Derbys - Fußball-Kult vor mehr als 400 Zuschauern

Die Mutter aller Derbys - Fußball-Kult vor mehr als 400 Zuschauern

Andrè Haase
Kieler Nachrichten
Den Saisonauftakt gestalteten Fabian Jacobs (am Ball) und Meisterschaftskandidat Nortorf bei der SG Eck./Fleckeby erfolgreich, auch im Nachbarschaftsderby ist die Doege-Elf favorisiert.
Den Saisonauftakt gestalteten Fabian Jacobs (am Ball) und Meisterschaftskandidat Nortorf bei der SG Eck./Fleckeby erfolgreich, auch im Nachbarschaftsderby ist die Doege-Elf favorisiert. © Uwe Paesler
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Für Trainer Fabian Doege vom Nord-Ost Verbandsligisten TuS Nortorf wird „die Mutter aller Derbys“ am Sonnabend um 14 Uhr in der TuS-Arena am Heinkenborsteler Weg angepfiffen, wenn seine Elf den Ortsnachbarn vom TuS Bargstedt empfängt.

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Sieben Kilometer trennen die beiden Ortszentren, knapp elf Minuten mit dem Auto. Es knistert also rund um Nortorf am Wochenende, immerhin erwarten die Gastgeber mehr als 400 Zuschauer. „Ich denke, es werden gut 200 Fans auf jeder Seite kommen. Das ist schon sehr speziell. Und ich heize die Angelegenheit jetzt mal ein wenig an und sage voraus, dass meine Jungs sich den Sieg nicht nehmen lassen werden. Das soll aber nicht heißen, dass ich einen Groll gegen die Bargstedter verspüre. Ganz und gar nicht, ich respektiere die Arbeit dort. Nicht umsonst ist es ihnen vor der Saison gelungen, Mattes Sievers zurückzuholen“, schiebt Nortorfs Chefcoach Fabian Doege nach, der Sievers zu A-Jugendzeiten in Nortorf trainiert hat.

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„Ja, stimmt. Ich habe meine komplette Jugend dort verbracht. Ich bin gebürtiger Nortorfer, und deshalb ist es für mich immer etwas ganz besonderes, gegen sie zu spielen“, sagt Sievers, der vom Oberligisten Bordesholm nach Bargstedt zurückkehrte. Den 24-jährigen Top-Angreifer der Bargstedter begeistert das ganze Drumherum um den Verein im Dorf mit seinen knapp 1000 Einwohnern. „Man merkt, dass hier jeder zum Verein hält und ich behaupte, dass unser Sportplatz für viele der Dorfmittelpunkt ist. Man trifft sich am Wochenende auf dem Platz, zum Quatschen, Bierchen trinken und natürlich auch, um Fußball zu gucken. Die Gemeinschaft im Dorf zeichnet sich schon aus. Das ist unser Faustpfand“, erklärt Sievers.

Die Spieler beider Teams sind zuweilen untereinander sogar befreundet. So war Nortorfs Benjamin Bütenschön Trauzeuge bei Bargstedts Keeper Jan Wettern, der wiederum Trauzeuge von Butenschön ist. „Um das ganze noch zu toppen, wir sind auch gegenseitige Patenonkel unserer Kinder“, schmunzelt Wettern, der am Sonnabend zu Fuß zum Stadion geht, er wohnt in Nortorf. „Aber eines ist sicher. Am Spieltag ruht unsere Freundschaft. Da kenne ich keine Freunde“, sagt Wettern, der in der Saison 2014/15 in der Verbandsliga Süd-West noch für Nortorf zwischen den Pfosten stand.

Bargstedts Torwart und Obmann Jan Wettern: „Wir werden alles dafür tun, um endlich mal einen Dreier aus Nortorf zu entführen“

Eine besonders lustige Geschichte schrieb das Jahr 1999. Bargstedt stieg in die Bezirksliga auf. Trainer, Spieler und Betreuer ließen es sich nicht nehmen, nach Nortorf zu fahren, um dort im Sportheim eine Polonaise zu tanzen. „Von daher denke ich, dass es in der Sache der Natur liegt, dass die Vereine eine große Rivalität auszeichnet. Wir haben ständig im Endspiel um den Amtspokal Nortorfer Land heiße Duelle gegeneinander gespielt. Das war für uns immer das Saison-Highlight“, erklärt der 31-jährige Torhüter, der die geniale Gemeinschaft des gesamten Vereins hervorhebt. „Ich erkläre das mal mit den Worten, ,der Verein ist das Dorf’.“ Die Dorfbewohner identifizieren sich mit uns. Der Wohlfühlfaktor, die Kameradschaft und der Umgang miteinander sind einzigartig. Auch die Arbeitsdienste im Verein sind immer ein Erlebnis. Alle kommen und helfen, das ist eine Selbstverständlichkeit“, schwärmt Wettern, der auch den Posten des Fußball-Obmanns ausübt. „Wir werden alles dafür tun, um endlich mal einen Dreier aus Nortorf zu entführen. Das sind wir unseren tollen Fans auch mal schuldig“, konstatiert Wettern. „Ich erwarte eine kämpferisch starke Bargstedter Elf, die extrem Gas geben wird“, blickt Fabian Doege voraus, der auf vier Stammkräfte verzichten muss.