10. Juli 2018 / 18:28 Uhr

Die neue RB-Trainerin Katja Greulich (33) im Interview

Die neue RB-Trainerin Katja Greulich (33) im Interview

Anne Grimm
Leipziger Volkszeitung
Vorstellung der neuen Trainerin Katja Greulich (rechts)
Vorstellung der neuen Trainerin Katja Greulich (rechts) © RB Leipzig
Anzeige

Die Trainerin will vom Männerbereich viel lernen und hofft, dass die Frauen sowohl von den Fans als auch den Profis profitieren.

Anzeige
Anzeige

Leipzig. Seit Montag bereiten sie sich auf die neue Spielzeit vor. Trainerin Katja Greulich will die Frauenmannschaft von RB Leipzig in die 2. Bundesliga führen. Die Ausbildung zum Fußballehrer absolvierte die 33-Jährige gemeinsam mit ihrem zukünftigen Kollegen am Cottaweg: Julian Nagelsmann.

DURCHKLICKEN: Das ist das neue Betreuerteam von RB Leipzig

RB Leipzigs neuer Cheftrainer heißt Ralf Rangnick. Sein Trainerteam steht auch schon fest: (v.l.) Co-Trainer und Videoanalyst Lars Kornetka, Co-Trainer Rober Klauß, Assistent Jesse Marsch, Cheftrainer Ralf Rangnick, Athletiktrainer Daniel Behlau, Torwarttrainer Frederik Gößling und Athletiktrainer Kai Kraft. Zur Galerie
RB Leipzigs neuer Cheftrainer heißt Ralf Rangnick. Sein Trainerteam steht auch schon fest: (v.l.) Co-Trainer und Videoanalyst Lars Kornetka, Co-Trainer Rober Klauß, Assistent Jesse Marsch, Cheftrainer Ralf Rangnick, Athletiktrainer Daniel Behlau, Torwarttrainer Frederik Gößling und Athletiktrainer Kai Kraft. ©
Anzeige

Wie kam der Wechsel zu RB zustande?
Ich bin kein neues Gesicht in Leipzig. Ich habe ab 2005 hier Sportwissenschaften studiert, auch für die RB-Fußballschule gearbeitet und früher bei Lok Leipzig gespielt. Der Verein hat mich und meinen Werdegang verfolgt, dann kam die Anfrage.

Und dann war sofort klar, dass Sie das Angebot annehmen?
Ich war zum Zeitpunkt der Anfrage in einer schwierigen Phase, habe beim USV Jena als Cheftrainerin gearbeitet. Das große Ziel war es, die Klasse zu halten. Also habe ich mich komplett auf diese Aufgabe konzentriert. Erst als feststand, dass wir mit Jena absteigen, sind wir hier in die Details gegangen. Es gab vieles, was für RB Leipzig gesprochen hat.

Wie schwierig wird die Umstellung – Sie kommen vom Bundesligisten aus Jena zu einem Drittligisten?
Natürlich gibt es Unterschiede. Aber dadurch, dass die Zweite Bundesliga eingleisig geworden ist und mehr gute Mannschaften absteigen, ist das Gefälle nicht mehr so groß. Die Regionalliga hat mit Magdeburg, Jena II und einigen Berliner Teams in der nächsten Saison eine gute Qualität.

Die Frauenmannschaft bei RB Leipzig gibt es erst seit zwei Jahren. Besteht für Sie vor allem die Chance, viel zu entwickeln, oder ist mehr Arbeit nötig, weil noch viele Strukturen fehlen?
Es ist noch eine sehr junge Mannschaft und ein sehr junger Frauen- und Mädchenbereich. Aber man hat die Perspektive zu wachsen, Talente zu entwickeln, das ist das Ziel. Da bin ich an der richtigen Adresse. Es macht mir Spaß, junge Spielerinnen voran zu bringen.

Rangnick erneut Cheftrainer: 'Wollen wieder gefürchtet werden'

Sie haben einen Vertrag bis 2021 – mit welchen Zielen treten Sie an?
Man will natürlich bestmöglich abschneiden. Aber wir wollen organisch wachsen. Es ist das Schönste, Aufstiege zu schaffen. Aber man muss schauen, wie jung die Mannschaft ist, wie viele Spielerinnen man neu integrieren muss, wie viele U17-Talente man mit hochzieht. Das braucht Zeit. Ziel ist, unter die ersten Vier zu kommen. Aber es wurde mir nicht gesagt, was ich schaffen muss, sondern dass ich Talente ausbilden soll.

Die Mannschaft ist vergangene Saison als Aufsteiger bereits Vierter geworden. Die ersten Drei der Regionalliga haben die Möglichkeit, aufzusteigen. Das Potential für den Sprung in die Zweite Bundesliga scheint schon vorhanden zu sein…
Ja, das könnte man von außen betrachtet sagen. Aber es gibt einige Neuzugänge, mich als neue Trainerin, neue Nachwuchsspielerinnen. Das braucht ein bisschen Zeit. Wir haben gute Voraussetzungen. Wenn das so klappt, wäre es natürlich schön, aber das ist bei weitem kein muss.

Die vier Neuzugänge stammen alle aus höheren Ligen. Wurde vor allem darauf geachtet, dass Erfahrung in der Mannschaft hinzukommt?
Es sind dennoch sehr junge Spielerinnen, bis auf Marie-Luise Herrmann, die ich noch aus Jena kenne. Es soll weiterhin vor allem auf Talente gesetzt werden, aber ganz ohne gestandene Spielerinnen mit mehr Erfahrung geht es natürlich auch nicht.

Die Spielphilosophie von RB Leipzig hat auch bei den Frauen Priorität. Können Sie sich mit dem Stil identifizieren beziehungsweise wie sehr deckt sich das mit Ihrer Idee des Fußballs?
Ich empfinde es als spannende Aufgabe, den offensiven und dynamischen Fußball hier zu lehren. Das ist genau die Art und Weise, wie ich den Fußball vermitteln möchte. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass ich einen Riegel vorgeschoben bekomme. Ich kann mich und die Idee des RB-Fußballs bei den Frauen weiterentwickeln.

Wie groß ist der Vorteil, zum Verein eines Männer-Bundesligisten zu gehören? Oder ist es eher ein Nachteil, weil man immer im Schatten steht?
Die Wege sind kurz. Ich denke nicht, dass ich als Trainerin oder die Mannschaft im Schatten stehen. Ich kann viel vom Männerbereich lernen. Die Frauen profitieren auch bei den Fans von den Profis. Bis zu 400 Zuschauer haben wir in der Regionalliga. Wenn ich das mit der Bundesliga vergleiche, da kommen bei den unteren Mannschaften auch nicht viel mehr.

Neues zum Trainerteam von RB Leipzig

Wie intensiv ist der Job einer Trainerin bei einem Frauen-Fußball-Regionalligisten?
Ich kann mit den Spielerinnen im Gegensatz zu einem Bundesligisten erst am frühen Abend trainieren, nicht am Vormittag. Ich bin bei RB Leipzig in Vollzeit angestellt, aber auch noch beim Profilsport des Sportgymnasiums integriert, wo ich die jungen Talente mit ausbilden darf. Rundherum sind Vorbereitung, Nachbereitung, Gespräche. Man kann schon sagen, dass man sieben Tage die Woche etwas zu tun hat.

Es ist Ihre zweite Station als Cheftrainerin im Erwachsenenbereich. Ist das ein Beruf, den man sein ganzes Leben lang ausüben kann?
Ich bin damals den entscheidenden Schritt gegangen und habe den Fußballlehrer gemacht. Damit ist für mich komplett klar, dass das meine Zukunft ist und ich nichts anderes mehr machen möchte. Wie lange das geht, weiß man nie. Ob ich mit 60 immer noch an der Linie stehe? Vorstellen kann ich es mir schon.

Ist die Ausbildung zum Fußballlehrer genau das gleiche Prozedere wie bei den Männern?
Ich habe ihn mit den Männern zusammen gemacht. In meinem Kurs waren unter anderem auch Julian Nagelsmann, Domenico Tedesco, Alexander Nouri und Inka Grings. Das ist die höchste Lizenz, die man bekommen kann.

Dann kennen Sie den neuen RB-Coach schon persönlich. Wie haben Sie Nagelsmann beim Trainerlehrgang kennengelernt?
Er ist nett, freundlich, hilfsbereit und sehr wissbegierig.

Warum gibt es keine Trainerin im Profibereich des Männerfußballs?
Die gibt es schon, in Frankreich. Vielleicht traut man sich in Deutschland den Schritt noch nicht. Selbst in der Frauen-Bundesliga gibt es fast ausschließlich nur Männer. Aber ich bin positiv, dass sich dies in der Zukunft ändern wird und es die ein oder andere Frau in den Profibereich der Männer schafft.

DURCHKLICKEN: Hier sind die Eindrücke vom Trainingsauftakt 2018/2019

Erstes öffentliches Training unter dem neuen-alten Trainer Ralf Rangnick am 9. Juli 2018. Zur Galerie
Erstes öffentliches Training unter dem neuen-alten Trainer Ralf Rangnick am 9. Juli 2018. © Dirk Knofe

Sie könnten aber mit Ihrer Lizenz irgendwann die Bundesliga-Männermannschaft von RB Leipzig übernehmen…
Es wäre theoretisch möglich.

1955 hat der DFB den Frauenfußball noch offiziell verboten. Inzwischen hat sich zwar viel getan, aus dem Schatten der Männer wird es der Sport aber nie schaffen…
In Norwegen und Dänemark kämpfen die Nationalspielerinnen gerade dafür, dass sie genauso viel verdienen wie die Männer. Die Norwegerinnen haben das bei ihrem Verband sogar geschafft. Sie werden künftig genauso bezahlt wie die Nationalspieler. Aber es ist schwierig. Für mich persönlich ist Männerfußball auch attraktiver, aber das hat primär mit den körperlichen Voraussetzungen der Männer zu tun. Im Vergleich ist der Frauenfußball auch sehr jung und braucht mehr Zeit, um sich zu entwickeln. Vieles hat mit Erfolg zu tun. Wenn die DFB-Frauen wieder unter die besten der Weltrangliste kommen, steht es auch wieder allgemein besser um den Frauenfußball in Deutschland.

Wie fühlt sich für Sie die Rückkehr als Trainerin in Ihre Geburtsstadt an?
Ich bin hier verwurzelt, hatte immer eine Wohnung in Leipzig, auch als ich ein Jahr als Co-Trainerin in Schweden war oder in Jena gearbeitet habe. Hier ist meine Heimat. Es ist ein Gesamtpaket, das passt. Ich muss nicht komplett neu anfangen, fühle mich wohl. Und ich kann mich komplett auf meine Aufgabe konzentrieren.

Mussten Sie sich schon blöde Sprüche von ihrem Jugendverein Lok Leipzig anhören, weil Sie nun bei RB Leipzig anfangen?
Überhaupt nicht. Es gibt ja dort auch keinen Frauenbereich mehr. RB Leipzig versucht in dieser großen Stadt wieder, den Frauenfußball zu integrieren. Ich habe viele Glückwünsche bekommen. Zum Beispiel von Robert Klauß, der ja auch bei RB Leipzig als Trainer arbeitet und mit dem ich zusammen studiert habe. Er ist jemand, der sich gerne alles anhört und mir auch schon bei Gegneranalysen geholfen hat. Wir haben ein sehr freundschaftliches Verhältnis. Er ist einer, der auch für den Frauenfußball offen ist.

ANZEIGE: Dein Trainingsset für die Saisonvorbereitung! Der Deal of the week im SPORTBUZZER-Shop.

Die aktuellen TOP-THEMEN
Anzeige
Sport aus Leipzig
Sport aus aller Welt