18. April 2020 / 10:00 Uhr

Die neuen Superstars: Jadon Sancho im Porträt – Der, der alles hat

Die neuen Superstars: Jadon Sancho im Porträt – Der, der alles hat

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Jadon Sancho kam 2017 von Manchester City zum BVB, wo er zum Star reifte.
Jadon Sancho kam 2017 von Manchester City zum BVB, wo er zum Star reifte. © imago images/Kirchner-Media
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Lionel Messi und Cristiano Ronaldo sind noch da, aber die nächste Generation lauert schon – der SPORTBUZZER stellt die neuen Superstars des Fußballs in einer Serie mit eingebettetem Podcast vor. Teil zehn: Jadon Sancho von Borussia Dortmund.

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Es ist ein Moment im September 2017, der Jan Siewert in Erinnerung geblieben ist. Damals war der 37-Jährige Trainer der U23 von Borussia Dortmund und hatte plötzlich eines der größten Talente der Welt in seiner Einheit: Jadon Sancho, gerade von Manchester City zum BVB gewechselt. Aufgrund einer kleineren Verletzung, die er aus England mitbrachte, wurde Sancho ganz vorsichtig an den Trainingsbetrieb herangeführt.

„Wir wollten ihn stabilisieren und an die Spielidee von Borussia Dortmund heranführen. Er ist mir positiv aufgefallen, weil er sehr aufnahmefähig und unkompliziert war“, sagt Siewert. Die ersten Einheiten absolvierte Sancho unter ihm, als sich sein Team gerade für die Regionalliga-Partie gegen Rödinghausen vorbereitete. „Jadon hat alle Spieler im Eins-gegen-eins verstummen lassen“, erinnert sich Siewert. „Er hat Bewegungen gemacht, die keiner von uns so richtig nachvollziehen konnte. Gegen Rödinghausen hat er dann sofort seinen ersten Assist gegeben.“

Sancho macht auch abseits des Platzes von sich reden

Kaum vorstellbar, dass diese Szenen erst gut zweieinhalb Jahre zurückliegen. Heute verzaubert der Engländer schließlich ein Millionenpublikum in der Bundesliga und Champions League – und macht auch abseits des Platzes von sich reden. Er lässt am Abend vor einem Spiel mal eben einen Friseur einfliegen oder isst in Dubai goldene Steaks. Doch für Beobachter sticht heraus, dass er im Inneren bodenständig geblieben ist. „Jadon wusste schon um seine Fähigkeiten, hat aber nie Starallüren gezeigt. Sein Talent war unbestritten, er arbeitete aber auch sehr, sehr hart dafür“, so Siewert.

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Nach nur drei Spielen in der U23 kam Sancho schon zu regelmäßigen Einsätzen bei den Profis. Der Rohdiamant war bereit dafür, unter allerhöchstem Druck geschliffen zu werden. In Dortmund – nicht bei Manchester City. Denn statt unter Pep Guardiola auf seinen Durchbruch zu warten, ging er in den Streik, als der Spanier ihn nicht mit auf eine USA-Reise nahm. Aufgrund eines Ausbildungsvertrags konnte der BVB ihn recht unkompliziert verpflichten – für umgerechnet 8,73 Millionen Euro.

Dietmar Hamann: Sancho "wahrscheinlich neben Mbappé der wertvollste Spieler"

Heute ist Sancho laut Transfermarkt satte 130 Millionen Euro wert. „Er ist aktuell wahrscheinlich neben Mbappé der wertvollste Spieler im Weltfußball“, glaubt Sky-Experte Didi Hamann. Die Zahlen dieser Saison belegen das eindrucksvoll: 17 Tore in 35 Spielen gehen auf Sanchos Konto.

Dass der BVB einen starken Offensivgeist verpflichtet hatte, war früh klar. „Wenn er den Gegner im Eins-gegen-eins frontal oder seitlich anläuft, verschafft er sich durch seine Bewegungen immer den Freiraum, den er selbst oder seine Mitspieler nutzen können“, sagt Siewert. Hamann ergänzt: „Er schafft es, mit seiner Körperbeherrschung und der Verlagerung des Gewichts Spieler auszuspielen, indem er eine Schulter fallen lässt und in die andere Richtung geht. Das habe ich zuvor nur bei Ousmane Dembélé gesehen.“ Deshalb sei Sancho „fast nicht zu verteidigen, wenn er mit Tempo auf einen Spieler zukommt. Aber er ist auch in der Lage einen Spieler auszuspielen, wenn er statisch ist und er vor einem steht. Das ist eine Qualität, die im Weltfußball kaum Spieler haben.“

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Ein Ende von Sanchos Entwicklung ist nicht in Sicht

Die Zielstrebigkeit, selbst Tore zu erzielen, mussten sie ihm in Dortmund erst beibringen. Noch wichtiger sei laut Siewert aber ein anderer Punkt gewesen, um Sancho auf dem Weg zum Weltklassespieler zu helfen. „Wir wollten ihn schnellstmöglich dauerhaft in den Profikader integrieren. Dabei hat ihm gutgetan, auch über die U23 den Männerfußball kennenzulernen und zu verstehen, was es bedeutet, gegen den Ball zu arbeiten und zu verteidigen. In der Kombination mit Trainingseinheiten bei den Profis und bei uns hat er das schnell gelernt. Unter Lucien Favre hat er das perfekt verinnerlicht“, so Siewert.

Ein Ende seiner Entwicklung ist bei dem 20-Jährigen nicht in Sicht. Hamann: „Ich sehe da im Moment wenige vor Sancho. Wenn ich mir anschaue, wie ein Neymar gehypt wird, und gucke mir an, was ein Sancho Woche für Woche abliefert, ist der Unterschied nicht so groß. Er ist technisch perfekt, ist beidfüßig, ist schnell – er hat einfach alles.“

Teil 11: Donyell Malen

Die Serie "Die neuen Superstars des Fußballs" gibt es auch als Podcast bei rnd.desportbuzzer.de und allen bekannten Anbietern zum Anhören.