03. April 2020 / 11:58 Uhr

Die Not lässt Fußballer neue Wege gehen

Die Not lässt Fußballer neue Wege gehen

Markus Weber
Kieler Nachrichten
Jens Martens hat trotz Corona-Zwangspause eine Menge zu tun. Der 64-jährigeTrainer des Fußball-Regionalligisten Eintracht Norderstedt plant derzeit seinen Kader für die nächsten Spielzeit.
Jens Martens hat trotz Corona-Zwangspause eine Menge zu tun. Der 64-jährigeTrainer des Fußball-Regionalligisten Eintracht Norderstedt plant derzeit seinen Kader für die nächsten Spielzeit. © Anne Pamperin
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Dem Sport wurde in Zeiten des Coronavirus eine Zwangspause verordnet. Zwar fordern einige Trainer ihre Fußballer dazu auf, sich individuell fit zu halten. Doch in vielen Vereinen und bei so manchem Spieler schwindet die Hoffnung immer mehr, dass die laufende Serie noch fortgesetzt und zuende gespielt werden wird. Der Schleswig-Holsteinische Fußballverband hat alle Wettbewerbe bis zum 19. April ausgesetzt. Experten gehen davon aus, dass die Ausbreitung des Virus bis dahin aber nicht gestoppt sein wird.

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In einem sind sich aber Experten und Laien einig. Es wird, wann weiß niemand, eine neue Spielzeit geben. Viele Klubs waren schon vor der Corona-Krise mit den Planungen über das Saisonende hinaus beschäftigt. Seit sich die Situation um Covid-19 verschärft hat und die Behörden dazu aufrufen, zuhause im familiären Umfeld zu bleiben, stehen die Vereinsverantwortlichen vor neuen Herausforderungen. Wie stelle ich einen Kader für nächste Serie zusammen? Wie pflege ich den Kontakt zu meinen Spielern und zu externen Akteuren, die auf meiner Wunschliste stehen?

Leezens Trainer Kay Beuck hat seinen Kader für die nächste Serie fast schon zusammen.
Leezens Trainer Kay Beuck hat seinen Kader für die nächste Serie fast schon zusammen. © Nils Göttsche
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Kay Beuck, der auch in der Spielzeit 2020/21 als verantwortlicher Trainer an der Seitenlinie des Süd-Verbandsligisten Leezener SC stehen wird, hatte schon weit vor der Corona-Krise mit den meisten Akteuren seines Kaders gesprochen. „Aktuell haben 18 von unseren 21 Spielern zugesagt, auch weiterhin bei uns spielen zu wollen“, erklärte der 43-Jährige. Einzig Tobias Neumann kündigte an, den Verein in Richtung Kreisligist SG Oering-Seth verlassen zu wollen. „Die restlichen Spieler werde ich per Whatsapp oder Telefon kontaktieren.“ Doch wie tritt er mit potenziellen Zugängen in Kontakt? „Wir hatten uns einige Scouting-Aufträge auferlegt und wollten diese gemeinsam mit meinem Trainerteam abarbeiten“, verrät Beuck. „Wenn ich jetzt mit den neuen Spielern spreche, werde ich dies mit Hilfe von Skype oder Facetime machen. Ich möchte die Reaktion und Mimik meines Gesprächspartners sehen.“

Telefonkonferenzen sind ein probates Mittel

Auch bei der FSG Kaltenkirchen macht man sich derzeit Gedanken darüber, wie man den Kontakt zu den eigenen Spielern aufrecht erhält und zu den externen aufbaut. „Einen Erstkontakt kann man sicherlich telefonisch herstellen“, sagt Heinrich-Wihelm Genz, sportlicher Leiter der Kaltenkirchener. „Aber die Spieler wollen mit den Trainern reden und nicht nur mit mir.“ Skype und Facetime, Programme bei denen man seinen Gesprächspartner auf dem Bildschirm sieht, hält Coach Martin Genz in diesen Zeiten für geeignete Instrumente. Er sieht andere Probleme in der Planung. „Es ist kaum absehbar, wann es weitergehen wird. Deshalb finde ich es derzeit sehr schwer, den Spielern gegenüber konkrete Aussagen zu treffen“, meint der Trainer. „Was passiert mit unseren Sponsoren? Oder mit dem Umfeld? Mit der Sportanlage? Niemand kann derzeit etwas genaues sagen.“ Um mit seinen eigenen Kickern in Kontakt zu bleiben, plant Martin Genz Telefonkonferenzen einzurichten.

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Eintracht Norderstedt spielt in der Regionalliga und dort in der laufenden Serie eine gute Rolle. Auch beim Team von Trainer Jens Martens, von 2003 bis 2016 Coach des SV Henstedt-Ulzburg, ruht der Trainingsbetrieb. Die Spieler haben jedoch die Aufgabe sich im „Homeoffice“ fit zu halten. „Uns werden von Beratern fast täglich Spieler angeboten, teilweise über Video-Zusammenschnitte“, verrät der 64-jährige Martens, der diesem Weg auch unter normalen Umständen nicht viel abgewinnen kann. „Wir werden keinen Spieler anhand von irgendwelchen Filmsequenzen verpflichten. So etwas läuft bei uns nur über Probetrainingseinheiten oder Sichtungen, was derzeit leider nicht möglich ist.“ Martens schiebt die Anfragen derzeit in die Zeit nach Corona. „Sollte jedoch jetzt ein Spieler dabei sein, an dem wir nicht vorbei kommen, beschäftigen wir uns mit ihm.“ Der Fußballlehrer setzt dabei nicht auf die neuen Medien. „Ein Gespräch habe ich zum Beispiel auf dem Platz unseres Stadions mit einem Mindestabstand von zwei Metern geführt“, verrät er.

Der SV Eichede aus dem Kreis Stormarn ist ein reiner Fußballverein. 400 Kicker in vier Männer- und 12 Juniorenmannschaften gehen in dem 600 Seelen-Ort, der zur Gemeinde Steinburg gehört, ihrer Leidenschaft nach. In Fußballkreisen gilt die Arbeit des Klubs als vorbildlich.

Olaf Gehrken, seit 2002 Vorsitzender des Klubs, hat früh im Jahr begonnen, die neue Serie zu planen. „Wir sind glücklicherweise schon weit“, erklärt er. „Rund 70 Prozent unserer Personalien sind bereits auf den Weg gebracht.“ Die fehlenden Mosaiksteine arbeiten Gehrken und seine Mitstreiter derzeit fernmündlich ab. „Wir halten jeden Abend zwei, drei Telefonkonferenzen, an denen vier oder fünf Personen teilnehmen“, schildert der Vereinsboss.