06. Oktober 2021 / 15:15 Uhr

Die "Röhre" aus Altenburg: Chemie-Legende Rainer Baumann gestorben

Die "Röhre" aus Altenburg: Chemie-Legende Rainer Baumann gestorben

Winfried Wächter
Leipziger Volkszeitung
Links steht SC Lok Leipzig, Rainer Baumann als Kapitän rechts, neben ihm der auf seine Füße schauende Torhüter Günter Busch.
Links steht SC Lok Leipzig, Rainer Baumann als Kapitän rechts, neben ihm der auf seine Füße schauende Torhüter Günter Busch. © Archiv
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Der Altenburger hatte seine besten Fußballerjahre bei Chemie Leipzig und dem aus der BSG entstandenen SC Lok Leipzig. Dabei trat er öfter vor beeindruckenden Kulissen auf. Bis 1963 spielte "Röhre" in Leutzsch, bevor er Sportjournalist wurde. Am Dienstag ist Rainer Baumann im Alter von 91 Jahren verstorben.

Leipzig. Unmittelbar vor einem der größten Momente seines Fußballer-Lebens setzte Rainer Baumann eine ironische Spitze. „Na, hast du dir die Schuhe nicht geputzt?“, fragte er am 8. September 1956 als Kapitän des SC Lokomotive seinen neben ihm stehenden Freund und Torhüter Günter Busch. Vor dem Anstoß zum Ortsderby gegen den SC Rotation standen beide Teams zur Vorstellung in der Mitte des neuen Zentralstadions.

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1954 wurde vieles umstrukturiert

Natürlich hatte Busch vorher Hand an sein Schuhwerk gelegt, blickte aber prompt auf seine Füße. „Ich wollte ihn ablenken“, erzählte Baumann vor einigen Monaten. „Denn er war wie alle mächtig aufgeregt.“ Die Aufregung hatte einen guten Grund, die riesige Arena war schließlich ausverkauft. 100.000 Fans saßen auf den Rängen und sahen Loks 2:1-Sieg. Diese Zuschauer-Zahl gilt nach wie vor als deutscher Rekord für ein Punktspiel, und es deutet viel darauf hin, dass er so bald nicht gebrochen wird.

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Am Dienstag ist Baumann im Alter von 91 Jahren gestorben. Der gebürtige Altenburger kam 1951 zu Chemie Leipzig, wo er in seinem ersten Spiel auch gleich eine denkwürdige Kulisse erlebte. Die Leutzscher trennten sich vor 70.000 Zuschauern am 26. August 2:2 vom Hamburger SV - im Bruno-Plache-Stadion in Probstheida . Der heimische Georg-Schwarz-Sportpark war von vornherein als zu klein angesehen worden.

1954 wurde im DDR-Fußball vieles umstrukturiert, unter anderem wurde aus Chemie der SC Lok, der nichts mit dem späteren 1. FC Lok zu tun hatte. Dabei sei Chemie der beliebteste Verein gewesen. „Das war überall zu spüren“, sagte Baumann immer. Bis 1963 spielte „Röhre“ in Leutzsch und wurde danach Sportjournalist. Der zweimalige Nationalspieler war viele Jahre Chefredakteur der Theorie und Praxis der Körperkultur und Autor für die LVZ. Seine zweite Liebe gehörte dem Tennis, bei der SG LVB Leipzig werden sich ebenfalls viele an ihren engagierten Übungsleiter und Funktionär erinnern.