22. April 2021 / 07:37 Uhr

Die Suche nach dem perfekten Laufschuh: Leipziger Lauf-Profis geben Tipps

Die Suche nach dem perfekten Laufschuh: Leipziger Lauf-Profis geben Tipps

Tilman Kortenhaus
Leipziger Volkszeitung
Nic Ihlow beim Lauftraining im zweiten Corona-Lockdown im November 2020.
Nic Ihlow, hier beim Lauftraining und Marcus Schöfisch verraten, worauf sie beim Kauf von Laufschuhen achten. © Dirk Knofe
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Karbon-Platten in den Schuhen sind voll im Trend. Zahlreiche Firmen wie Nike, Adidas oder Asics haben die technischen Meisterwerke inzwischen im Angebot. Doch müssen Hobby-Läuferinnen und -Läufer wirklich so tief in die Tasche greifen? Zwei Leipziger Profis erklären, worauf es wirklich ankommt.

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Leipzig. Ob auf der Seite drei Streifen, ein langer Haken oder ein schiefer Hashtag aufgenäht sind, ist Marathon-Läufer Marcus Schöfisch ziemlich egal. Die Hauptsache ist, der Laufschuh passt und bietet auch nach 40 Kilometern noch einen gewissen Tragekomfort – sofern das überhaupt möglich ist. Doch die Suche nach dem richtigen Equipment ist nicht ganz einfach. Die Auswahl ist gigantisch, die Preise variieren stark und jedes Jahr fluten neue Modelle den Markt. Die Leipziger Marathon-Asse Marcus Schöfisch (lauftraining.com) und Nic Ihlow (SC DHfK) haben dem SPORTBUZZER erklärt, worauf sie bei der Schuhauswahl achten und was hinter dem Trend der Karbon-Treter steckt.

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Etwa 1.000 Kilometer pro Schuhpaar

„Die Schuhe sollten immer an die Situation und die Ziele angepasst werden“, sagt Schöfisch, der je nach Distanz, Tempo und Untergrund das Paar wechselt. Dementsprechend voll ist das Schuhregal. Ein gängiges Problem bei den Dauerläufern. „Ich habe auf jeden Fall mehr Paare als meine Freundin“, sagt Ihlow und lacht. Für verschiedene Trainingsinhalte brauche man verschiedene Schuhe, die man aber möglichst nicht zwei Tage in Folge tragen sollte, denn das Material braucht Zeit um sich nach dem Lauf wieder auszudehnen. „Da kommen schon einige Paare zusammen“, resümiert Ihlow. Übertreiben will der 25-jährige Student aber nicht, auch um ein paar Euro zu sparen, denn endlos viel Fußbekleidung lässt Sponsor Adidas ihm natürlich nicht zukommen.

Tipps von Nic Ihlow zum gesunden Einstieg in den Laufsport

Die verschiedenen Ansprüche an die Sneaker, ordnet Profiathlet Schöfisch so zu: Bequeme Schuhe für lange Läufe, besonders leichte Schuhe für hohes Tempo und besonders viel Stabilität für holprige Waldwege. Doch die passenden Paare sollten immer bei den Experten gekauft werden. „Das ist eigentlich der wichtigste Tipp den ich geben kann: Kauft eure Laufschuhe im Fachgeschäft“, erklärt der 33-Jährige. Die Form und Größe der Füße müssen ermittelt werden, die Gangart analysiert und die Schuhe unbedingt anprobiert werden. Online nicht vorstellbar – außer man kennt bereits sein Lieblingsmodell.

„Ich trage grundsätzlich alles. Die Marke ist egal, ich suche einfach die besten raus“, sagt Schöfisch, der wöchentlich rund 150 Kilometer zurücklegt und entsprechend viele Latschen verschleißt. Etwa 1.000 Kilometer schafft ein Paar bevor das Material runter ist, genau überwachen möchte der Profi das aber nicht. „Ich mache das nach Gefühl. Ich habe in den letzten Jahren gemerkt, dass mir meine Sehnen, Bänder und Gelenke immer sagen, wenn ein Schuh durch ist“, führt der Marathon-Läufer aus.

Karbon-Platten für Wettkämpfe

Für Wettkämpfe haben Schöfisch und Ihlow noch ein Ass im Ärmel: Schuhe mit Karbon-Platten. Ein Ass, dass inzwischen fast jeder Läufer ausspielt. „Als Nike damit vor drei Jahren auf den Markt kam, hatten die Sportler von Adidas oder Asics darauf noch keinen Zugriff“, erzählt Ihlow und führt aus: „Inzwischen hat aber jeder Athlet Zugang zu Karbon-Schuhen. In fast jedem Wettbewerb haben die schnellsten Läufer genau solche Paare an. Es gibt kaum noch Ausnahmen.“ Auch der Sieger des Leipzig Marathons 2019 will bei seinem nächsten Wettkampf den winzigen Vorteil nutzen. „Das ist auch Kopfsache. Es hilft zu wissen, dass du die besten Schuhe trägst.“

Der Wunsch, noch ein paar Sekunden schneller zu sein, hat erfinderisch gemacht. Doch die zusätzlichen Sohlen in den Sneakern sind teuer und für Amateure kaum ein Vorteil. „Ich glaube, dass sich das erst lohnt, wenn man den Marathon in unter drei Stunden läuft. Vielleicht sogar erst unter 2.5 Stunden“, schätzt Schöfisch ein. Der minimale Energiegewinn sei erst ab höheren Geschwindigkeiten vorhanden und selbst dann „reden wir hier von Sekunden.“ Einem Hobby-Athleten würde er den teuren Spaß zumindest nicht empfehlen. Oberste Priorität bleibt: Hoher Tragekomfort, um die Füße und Gelenke zu schonen.