30. Dezember 2021 / 22:46 Uhr

Die tägliche VfL-Meinung: ...dann ist der Fußball zu blöd

Die tägliche VfL-Meinung: ...dann ist der Fußball zu blöd

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Die tägliche VfL-Meinung
Die tägliche VfL-Meinung
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Spielabsagen wegen Corona? Das droht auch der Fußball-Bundesliga, die beiden Covid-Fälle beim VfL Wolfsburg sind ja keine Ausnahmen. Es gibt keinen Grund, die Partien auf Biegen und Brechen durchzuziehen, findet SPORTBUZZER-Redakteur Andreas Pahlmann.

In einer Woche beginnt die Rückrunde der Fußball-Bundesliga – vielleicht aber auch nicht. Die aktuellen Fälle beim VfL und anderswo zeigen: Die Omikron-Variante gibt der Corona-Krise aktuell eine solche Dynamik, dass nichts mehr wirklich auszuschließen ist. Im Gegenteil: Ich bin mir sogar fast sicher, dass wir erleben werden, womit beispielsweise der US-Profisport oder die Premier League schon zu kämpfen haben – Spielabsagen wegen zu vieler Covid-Fälle.
Und immer wieder werde ich den Verdacht nicht los, dass krampfhaft und manchmal gegen jede Vernunft der Spielbetrieb aufrechterhalten werden soll, womöglich auch noch mit so vielen Zuschauenden wie es irgendwie geht. Weil die Einnahme-Ausfälle sonst zu groß sind.

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Das mag für kleine Sportarten gelten. Aber: Wenn Corona wirklich den deutschen Profi-Fußball in seiner Existenz bedroht – dann ist er einfach nur zu blöd, seine wahnwitzig hohen Umsätze vernünftig zu verteilen. Ein Beispiel zur Veranschaulichung, nicht zum Start einer Neid-Diskussion: Allein mit dem Gehaltsetat der VfL-Profis könnte man grob überschlagen den Jahresumsatz von gut 1000 Kosmetikstudios retten. Dort und in anderen Branchen geht’s nämlich wirklich um die Existenz.

Aber von der Demut, die uns seit Beginn der Pandemie vom Profi-Fußball in Deutschland und anderswo versprochen wurde, ist leider nicht viel zu sehen, die Gehaltsverzichts-Maßnahmen der Vorsaison waren im Nachhinein kaum mehr als ein albernes Feigenblatt.

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Gegen die Kraft marktwirtschaftlicher Mechanismen ist offenbar auch in Krisenzeiten kein moralisches Kraut gewachsen – wenn in den nächsten Wochen Entscheidungen über Spielabsagen und Fan-Zulassungen anstehen, wird sich zeigen, ob der Profi-Fußball diese These widerlegen kann. Und ob er es überhaupt will.

_pahlmann@waz-online.de