26. Mai 2021 / 18:57 Uhr

Die tägliche VfL-Meinung: Szenen einer Ehe

Die tägliche VfL-Meinung: Szenen einer Ehe

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Die tägliche VfL-Meinung
Die tägliche VfL-Meinung
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Miteinander ging es nicht mehr: Die Trennung zwischen Trainer Oliver Glasner und dem VfL Wolfsburg war zwangsläufig, findet SPORTBUZZER-Redakteur Andreas Pahlmann. Eines aber müsse man beiden Seiten hoch anrechnen.

„Schatz, stimmt es eigentlich, dass du der Nachbarin, deiner Kollegin im Büro und der Dame an der Rewe-Kasse schöne Augen gemacht hast?“ - „Dazu kann ich nichts sagen. Mit der Dame bei Rewe habe ich nie gesprochen, alles andere sind Spekulationen.“ - „Aber du liebst mich doch?“ - „Fakt ist, dass wir verheiratet sind.“ Hand aufs Herz: Hätten Sie so einen Dialog gehört, welche Überlebenschancen hätten Sie der Ehe gegeben? Keine? Genau.

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Die Trennung zwischen dem VfL und Trainer Oliver Glasner war zwangsläufig. Und natürlich gibt es in Trainer-Verein- wie in sonstigen Beziehungen nie den einen, ausschließlichen Trennungsgrund. Aber dass ein Trainer den Eindruck zulässt, eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses sei bestenfalls eine von mehreren Optionen, kann kein Dauerzustand sein. Vor allem, wenn man wie der VfL dem Thema „Identifikation“ eine große Bedeutung beimessen möchte. Dabei geht es gar nicht um die Schuldfrage, man kann womöglich Verständnis dafür haben, dass Glasner nicht bleiben wollte. Nur unterm Strich steht: Miteinander ging es nicht mehr.

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Was man allen Seiten hoch anrechnen muss: Es gab - zumindest bisher - keinen Rosenkrieg auf dem Weg zur Trennung. Der Umgang sei „professionell“ gewesen, hatte Glasner mehrmals betont. Dass das offenbar keine Floskel war, zeigt die sportliche Bilanz: Wolfsburg spielt in der Champions League. Dass Schmadtke mit dem Ruf leben muss, mal wieder einen Übungsleiter vergrault zu haben, lässt ihn dabei relativ kalt. Er ist als Sport-Geschäftsführer dafür zuständig, dass die sportliche Bilanz stimmt. Gefühle dürfen da - anders als in einer Ehe - auch mal Nebensache sein.

_ pahlmann@waz-online.de_