20. April 2021 / 18:19 Uhr

Die Teamkollegen wurden Nationalspieler, Nedin Cerimovic wurde krank

Die Teamkollegen wurden Nationalspieler, Nedin Cerimovic wurde krank

Matthias Preß
Peiner Allgemeine Zeitung
Nedin Cerimovic (rechts) im Dress von Grün-Weiß Vallstedt. Hier dribbelt er sich im Landesligaspiel durch die Abwehr des TSV Helmstedt.
Nedin Cerimovic (rechts) im Dress von Grün-Weiß Vallstedt. Hier dribbelt er sich im Landesligaspiel durch die Abwehr des TSV Helmstedt. © sven diestelhorst
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Mit dem Leistungssport musste der Fußballer Nedin Cerimovic aufhören. Er wurde Trainer, gesteht aber: „Eigentlich bin ich im Kopf immer noch Spieler.“ Vom VfB Peine wechselt er als Coach zur neuen Saison zum VfL Woltorf. 

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Es war ein harter Schlag für den 19-jährigen Nedin Cerimovic: Der Arzt empfahl, mit Leistungssport aufzuhören. Andernfalls würde die rheumatische Erkrankung zu immer stärkeren Schmerzen in immer kürzeren Intervallen führen.

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„Da ist ein Traum geplatzt. Es war für mich eine der schlimmsten Nachrichten, die ich je bekommen habe“, sagt der heute 40-jährige Cerimovic. Er war zwar erst einige Monate alt, als er mit seinen Eltern aus Albanien nach Peine gezogen war, aber „einmal für die albanischen Nationalmannschaft auflaufen“ war sein Kindheitstraum gewesen.

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Und so abwegig war das bei seinem fußballerischen Können nicht. Nachdem er beim MTV Vater Jahn Peine das Kicken gelernt hatte, war er nach der Auflösung der Mannschaft zu Arminia Vöhrum gewechselt und im älteren B-Jugend-Jahrgang zur Braunschweiger Eintracht. „Ich musste mich dort erst an die Intensität gewöhnen, aber ich habe viel gelernt.“

In der A-Jugend-Regionalliga (heute Bundesliga) glänzte er als Torschützenkönig. Mehr als die Hälfte der Treffer seines Teams erzielte er in der Saison, in der das Eintracht-Team „leider“ abstieg. In der Mannschaft spielten spätere Profis wie Tobias Rau, Alexander Madlung (beide wurden Nationalspieler) und Torhüter Sascha Kirschstein. „Tobi war der beste Fußballer, mit dem ich je zusammen gespielt habe“, sagt Cerimovic.

Einer der besten Trainer war für ihn Fredi Rotermund, der damals die Eintracht-A-Jugend coachte. „Er hat einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Er war extrem fair und hat uns jungen Spielern viel Menschliches mit auf den Weg gegeben“, sagt der aktuelle Co-Trainer des VfB Peine und künftige Coach des VfL Woltorf.

Der Sprung zu den Profis gelang ihm damals nicht, es herrschte kein Bedarf an einem noch relativ unerfahrenen Stürmer. „Es gab eine Anfrage aus der Zweiten Mannschaft, aber die spielte in der Niedersachsenliga, und ich wollte so hoch wie möglich spielen“, sagt Cerimovic. Also wechselte er zum Wolfenbütteler SV in die Oberliga. 22 Einsätze bekam er in der damaligen 4. Liga – als Mittelfeldspieler. Denn die Stürmerpositionen waren besetzt.

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Nachdem er als Viertliga-Spieler seine niederschmetternde ärztliche Diagnose bekommen hatte, wechselte er für eine Saison nach Vallstedt und dann nach Woltorf, wo er seine Spielerkarriere auch beendete. Beim TSV Sierße/Wahle übernahm er seine erste Trainerstelle, wechselte wieder nach Woltorf, fünf Jahre später zum VfB Peine, von dort nach Plockhorst und wieder zurück zum VfB als Co.

„Aber eigentlich bin ich im Kopf immer noch Spieler geblieben“, sagt Nedin Cerimovic schmunzelnd. „Als wir beim VfB noch trainieren durften, war ich froh, wenn eine ungerade Spielerzahl da war. Dann konnte ich im Abschluss-Spielchen mitmachen.“ Ganz vorbei ist es mit dem Kicken trotz der Erkrankung nicht. „Es geht mir gut. Ich bin nicht allzu sehr eingeschränkt.“ Und so spielte er vor der Corona-Pause in der Altherrenmannschaft des VfL Woltorf mit und half auch schonmal in der Zweiten Mannschaft und der Ü40 aus.

Als Trainer würde er einen torgefährlichen Stürmer, wie er es war, immer aufstellen. „Ich war zwar nie der Konterspieler, weil mir die Schnelligkeit fehlte, aber ich war beidfüßig und der Torriecher gehörte zu meinen absoluten Stärken. Und obwohl ich nicht allzu groß bin, hatte ich auch ein gutes Kopfballspiel“, sagt Cerimovic. Davon hatten sich auch die Besucher der PAZ-Cup-Endrunde im Januar 2002 überzeugen können. Sein Kopfballtreffer für den VfL Woltorf im Spiel gegen die SG Adenstedt brachte ihm einen Fernseher als Preis ein. Ansonsten legt er als Trainer aber vor allem auf eines viel Wert: „Die Leidenschaft für den Fußball. Das war mir immer das Wichtigste.“

Von Matthias Press