16. Juni 2020 / 12:26 Uhr

Die Traumelf von Ole Jacobsen

Die Traumelf von Ole Jacobsen

Jan Claas Harder
Kieler Nachrichten
Ole Jacobsen führte die SSG Rot-Schwarz Kiel 2017 in die Verbandsliga.
Ole Jacobsen führte die SSG Rot-Schwarz Kiel 2017 in die Verbandsliga. © Sönke Ehlers
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Da der Fußballsport derzeit ruht, haben wir die Gelegenheit genutzt und Akteure des Kieler Amateurfußballs nach ihren Lieblingskickern befragt. Heute stellt Ole Jacobsen, ehemaliger Trainer der SSG Rot-Schwarz Kiel und des TuS Rotenhof, seine persönliche Traumelf vor.

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KN Sportbuzzer: Moin Ole. Auch du bist unserer Aufforderung nachgekommen und hast an deiner persönlichen Traumelf gebastelt. Lass uns das Ganze chronologisch abfrühstücken. Wer wäre in deinem Dreamteam der Mann zwischen den Pfosten?

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Jacobsen: Auf dieser Position fiel mir die Wahl ehrlich gesagt ziemlich schwer. Letztlich habe ich mich für Tobias Dittmann von der SpVg Eidertal Molfsee entschieden. Er ist ein richtig cooler Typ und darüber hinaus auch extrem sympathisch.

KN Sportbuzzer: Wer waren die alternativen Kandidaten?



Jacobsen: Finn Hübner und Nils Bitterling. Finn ist seinerzeit bei Eidertal Molfsee großgeworden und wurde im Laufe der Jahre dann später Stammkraft bei Flensburg 08 und der Husumer SV in der Fußball-Oberliga. Dabei brachte er gar nicht die allerbesten Voraussetzungen mit. Trotz seiner Kursichtigkeit hat er jedoch einen richtig guten Job gemacht. Später trug er dann Kontaktlinsen und war dann sogar noch besser. Nils hat sein Potenzial schon frühzeitig angedeutet. Ich kann mich an ein Oberstufenturnier erinnern bei dem ihm die älteren Jahrgänge die Bälle regelrecht um die Ohren ballerten, die er aber allesamt parieren konnte. Leider musste er sich später jedoch immer wieder mit Rückenbeschwerden herumplagen.

KN Sportbuzzer: Kommen wir zu deinem Abwehrverbund. Welche Akteure bekleiden die Außenverteidigerpositionen?

Jacobsen: Auf der linken Seite wäre Steffen Sitte mein Mann. Er ist ein absolut kompletter Spieler, der meiner Meinung nach auch problemlos in der Oberliga auflaufen könnte. Er besitzt eine extrem ausgeprägte Fußballintelligenz. Wenn du ihm als Trainer Anweisungen gibst, dann setzt er diese sofort wie gewünscht um. Sein Pendant auf der gegenüberliegenden Seite wäre Meysam Shahhosseini. Er ist nun vielleicht nicht der beste Rechtsverteidiger, aber dennoch muss ich jemanden wie ihn in meinem Team haben. Immer wenn er fehlte, dann war das irgendwie spürbar. Darüber hinaus ist ein Spieler wie er auch wahnsinnig wichtig für die Mitspieler, da er den Typ Gute-Laune-Papa verkörpert.

KN Sportbuzzer: Und welche beiden Jungs bilden die Innenverteidigung?

Jacobsen: Lukas Gärtner und Alexander Ermeling. Luk war mein Kapitän bei Rot-Schwarz Kiel. Er kann eine Mannschaft richtig pushen und verkörpert quasi den Musterprofi im Amateurfußball. Alexander war mein Kapitän beim TuS Rotenhof. Er hat immer die richtige Einstellung gefunden und auch immer konstant seine Leistung abgerufen.

KN Sportbuzzer: Kommen wir zum Mittelfeld. Einen Namen könnte man hier durchaus vermuten, schließlich durftest du einen jungen Mann trainieren, der später Bundesliga-Profi wurde und es noch immer ist.

Jacobsen: Das stimmt. An Fin Bartels komme ich nicht vorbei. Aber auch sein Bruder Tom wäre Bestandteil meiner Traumelf.

KN Sportbuzzer: Warum?

Jacobsen: Tom hat sich zunächst in der Leichtathletik versucht und ist erst danach zum Fußball gekommen. Er hat sich alles hart erarbeitet und sich dann stark entwickelt.

KN Sportbuzzer: Lass und noch einige Worte über Fin Bartels verlieren. Kannst du dich an die erste Begegnung erinnern?

Jacobsen: Durchaus. Wir spielten mit der Kronshagener D-Jugend gegen den TSV Russee und mussten uns mit 3:7 geschlagen geben.

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KN Sportbuzzer: Danach verschlug es ihn nach Molfsee und du wurdest dort sein Trainer. Konnte man da sein Talent bereits ausmachen?

Jacobsen: Ja, dies war schon frühzeitig erkennbar. Er wurde jedoch zuvor nicht optimal eingesetzt und spielte zumeist Außenverteidiger. Frank Begunk und ich haben uns das dann ein paar Spiele lang angesehen und dann beschlossen, dass ein Fußballer seiner Qualität auf der Zehnerposition einfach besser aufgehoben ist. Doch Fin hat nicht nur in fußballerischer Hinsicht überzeugt. Er ist auch ein zutiefst bodenständiger Typ, der sich stets mannschaftsdienlich verhalten hat.

KN Sportbuzzer: Folglich dürften bei dir immer mal wieder Erinnerungen hochkommen, wenn Finn Bartels auf dem Fernsehschirm auftaucht.

Jacobsen: Das stimmt. Ich finde es jedoch schade, dass er nie für den Hamburger SV gespielt hat. Er hat für nahezu alle Vereine des Nordes gespielt, doch leider nie für den HSV. Da hat der Verein vermutlich mal wieder richtig gepennt und ihm nie ein Angebot unterbreitet.

KN Sportbuzzer: Apropos HSV. In deiner Traumelf taucht noch gar kein Kicker der Rothosen auf.

Jacobsen: Das ändert sich aber jetzt, denn an Sergej Barbarez komme ich nicht vorbei. Viele HSV-Fans schwärmen ja immer von Rafael van der Vaart, doch ich fand Barbarez wesentlich wertvoller. Er ist mein absoluter Lieblingsspieler und die Kultfigur des HSV.

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KN Sportbuzzer: Wen bietest du noch auf?

Jacobsen: Bestandteil meiner Elf sein muss auch Mark Hameister. Der ehemalige Spieler des Osterrönfelder TSV war ein beeindruckender Typ. Der kannte keine Angst und keine Schmerzen. Darüber hinaus würde ich noch Enau Dauti aufbieten. Sicherlich kein einfacher Typ, doch ohne Zweifel ein hochveranlagter Spieler. Es kommt nicht von ungefähr, dass er in jungen Jahren bei Ajax Amsterdam und Crystal Palace Probetrainings absolvierte.

KN Sportbuzzer: Nun fehlt deinem Team nur noch eine Sturmspitze.

Jacobsen: In vorderster Front würde ich Marc Kirchhoff berufen. Er war über Jahre hinweg Leistungsträger und bester Torschütze bei Rot-Schwarz Kiel. Er hat zwar auch ganz gerne hundertprozentige Chancen vergeben, aber dafür hatte er die für einen Stürmer seltene Fähigkeit und konnte auch mal ein Tor aus dem Nichts erzielen.

KN Sportbuzzer: Kommen wir zu deiner Ersatzbank, denn auch eine solche hast du parat. Wer findet sich dort ein?

Jacobsen: Ersatzkeeper wäre Uli Stein. Ansonsten würde ich noch Frederik Listner aufbieten. Er war mein Kapitän und Libero als wir mit Eidertal Molfsee als erste deutsche Mannschaft den Dana Cup gewinnen konnten.

KN Sportbuzzer: Was genau ist der Dana Cup?

Jacobsen: Der Dana Cup in Hjørring ist Dänemarks größtes Sportereignis. Es ist das drittgrößte Fußball-Jugendturnier der Welt mit über tausend teilnehmenden Mannschaften.

KN Sportbuzzer: Gibt es noch weitere Reservisten deines Teams, die sich dort präsentieren konnten?

Jacobsen: Ja. Sebastian Thoring, der seinerzeit alle drei Tore im Finale machte und Hendrik Nickel, der damals gegen die East Indie Boys das Golden Goal erzielte.

KN Sportbuzzer: Und welche Kicker komplettieren den Kader deiner Elf?

Jacobsen: Tobias Nehren und Andreas Witthinrich. Letzterer war der antrittsschnellste Spieler, den ich jemals gesehen habe. Tobi war schon in der Jugend mein Kapitän und schon damals wurden seine Qualitäten dahingehend deutlich. Ich kann mich an ein Spiel erinnern, bei dem sich zwei Spieler unseres Teams nicht gerade optimal verhalten haben sollen. Tobi kam dann auf dem Weg in die Kabine zu mir und bat mich für einen kurzen Moment wegzubleiben, damit er das Ganze klären kann. Das fand ich stark. Solche Situationen vermisse ich heutzutage ein wenig.

KN Sportbuzzer: Vielen Dank Ole, dass du dir die Zeit für dieses Gespräch genommen hast und uns diesen persönlichen Einblick gewährt hast.