04. Dezember 2020 / 12:00 Uhr

Die verhinderten Torjäger: Nur die Corona-Pause kann diese Stürmer stoppen

Die verhinderten Torjäger: Nur die Corona-Pause kann diese Stürmer stoppen

Yannik Haustein und Benno Seelhöfer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Kaum zu stoppen: Triangels Torjäger Tim Spillecke zieht am Keeper vorbei, auch Bennet Bülter (kl. Bild l.) aus der Reislinger Reserve sowie Christian Ebel (r., Vorhop/Schönewörde II) trafen wie am Fließband, nur die Corona-Pause konnte sie aufhalten.
Kaum zu stoppen: Triangels Torjäger Tim Spillecke zieht am Keeper vorbei, auch Bennet Bülter (kl. Bild l.) aus der Reislinger Reserve sowie Christian Ebel (r., Vorhop/Schönewörde II) trafen wie am Fließband, nur die Corona-Pause konnte sie aufhalten. © Michael Franke/Privat/Adobe Stock/Coloures-Pic 107239289
Anzeige

Sie treffen wie am Fließband, keine Abwehr, kein Torhüter kann diese drei Top-Knipser der heimischen Fußball-Kreise bremsen. Dafür braucht es schon etwas mehr - und zwar eine ganze Pandemie. Die Torjäger berichten, wie sie ihren Lauf auch über diese ewig lange Corona-Zwangs-Winterpause konservieren wollen.

Sie hatten einen Lauf, trafen fast nach belieben - dann kam die nächste Corona-Pause. Die besten Torjäger Tim Spillecke (Kreisligen Gifhorn), Bennet Bülter (Kreisliga Wolfsburg) und kreisübergreifend Christian Ebel berichten, wie sie ihren Lauf auch über diese ewig lange Zwangs-Winterpause konservieren wollen.

Anzeige

Tim Spillecke (SV Triangel)

Laut Fußball.de hat er schon 13 Mal in dieser Spielzeit genetzt. Aber: „Im Spiel in Leiferde wurde ein Tor meines Bruder fälschlicherweise mir zugeschrieben“, sagt Tim Spillecke, Top-Knipser des SV Triangel (Kreisliga Gifhorn B) ehrlich. Also sind es „nur“ zwölf. In sieben Spielen. Eine Quote, die sich trotzdem mehr als sehen lassen kann. „Ich weiß auch nicht, warum es bei mir so gut läuft“, sagt Triangels Nummer 9 und lacht. „Ich habe auf jeden Fall viel der Mannschaft zu verdanken, schließlich muss der Ball ja auch erst mal zu mir kommen.“ Und seine Kollegen kennen die Vorlieben ihres Torjägers.

„Ich liebe die Bälle in den Lauf, gehe gern in Lauf-Duelle“, sagt der Stürmer, der vor allem die Schnelligkeit als eine seiner Stärken bezeichnet. Dass jetzt auch diese Eiseskälte vor dem Tor dazukommt, dagegen hat er aber auch nichts einzuwenden.

Anzeige

In der Aufstiegs-Saison 16/17 waren es mal 48 Kreisklassen-Tore. Spilleckes Kreisliga-Bestwert liegt bei 21 Toren in 28 Spielen. „Aber da waren auch immer mal Dinger dabei, wo der Ball eigentlich drin sein muss“, sagt der SVT-Stürmer mit einem Schmunzeln. Seine Quote jetzt ist mit fast zwei Toren im Schnitt pro Spiel deutlich über der in seiner Top-Saison.

Mehr heimischer Sport

Nur wie konserviert man diese Leistung über diese ewig lange Winterpause? „Das ist natürlich schade, dass es schon wieder eine Unterbrechung gibt, ich habe gerade so einen guten Lauf gehabt“, moniert Triangels Top-Torjäger und führt mit einem Schmunzeln aus: „Aber um ehrlich zu sein, mache ich gerade nichts Besonderes dafür...“ Bei einer Heim-Übung hat sich ein Mitspieler verletzt, deshalb lässt auch der Stürmer es lieber ruhiger angehen, um dann im Frühjahr wieder durchstarten zu können: „Wir werden wahrscheinlich eine harte Vorbereitung haben. Da verlasse ich mich auf meinen Instinkt, und falls der weg sein sollte, hole ich mir den eben wieder.“

Bennet Bülter (SV Reislingen/Neuhaus II)

Sieben Partien hat Aufsteiger Reislingen II bisher bestritten, und Bülter hat fast doppelt so viele Treffer auf dem Konto. Mit 13 Toren führt er die Liste der erfolgreichsten Knipser der Kreisliga Wolfsburg an. Damit hat der 21-Jährige nicht gerechnet, denn: Er ist gar kein gelernter Angreifer. „Es ist meine erste Saison als Stürmer“, sagt der Reislinger. „Viel Erfahrung habe ich damit also nicht.“ Eigentlich spielt Bülter auf dem linken Flügel, „aber unser Trainer Holger Grunewald wollte es im ersten Liga-Spiel mal so ausprobieren“, erklärt Bülter. Mit Erfolg: Gleich beim 5:2-Auftakt-Erfolg gegen den TSV Heiligendorf schoss Bülter vier Tore. „Damit habe ich mich wohl gut für die Position angeboten“, so der Reislinger rückblickend. Neun weitere Treffer sollten bis zur erneuten Corona-Unterbrechung folgen. „Das verdanke ich auch der Mannschaft.“

Damit es beim Re-Start weiter so rund läuft, geht der 21-Jährige laufen. „Wir haben auch ein paar Fitness-Geräte im Keller, damit halte ich mich fit“, sagt der Neu-Stürmer. „Nur die Koordination mit Ball und Mitspielern fehlt durch den Lockdown natürlich.“ Dort weitermachen, wo er aufgehört hat, will Bülter in jedem Fall, wenn der Ball wieder rollt: „Die 20-Tore-Marke würde ich gern knacken.“ Auch, um die starke Saison des Aufsteigers fortzuführen – Reislingens Zweite überwintert auf Rang fünf. „Mit unserer Performance bin ich echt zufrieden“, freut sich Bülter. „Alles, was weiter nach oben geht, wäre natürlich umso schöner.“

Christian Ebel (FSV Vorhop/Schönewörde II)

Die FSV-Zweite macht’s wie die Erste in der vergangenen Saison und führt die 3. Kreisklasse Gifhorn 1 verlustpunktfrei an – nicht zuletzt dank Ebels Toren: Ganze 14 gelangen ihm in sechs Spielen, auch Teamkollege Ludger Harms schlug mit 13 Treffern kräftig zu. „Wir harmonieren super“, freut sich Ebel. Für den 32-Jährigen ist es die Comeback-Saison nach einer langen Pause: Ganze sieben Jahre hatte er nicht mehr gekickt, ein Abszess am Steißbein hatte ihn immer wieder geärgert. „Der hat sich immer wieder entzündet, also habe ich irgendwann aufgehört“, so Ebel. „Dadurch wurde es auch tatsächlich besser.“ Auch ein Faktor für die Rückkehr auf den Platz ist das Engagement von Arne Hoffart als Coach der Ersten des FSV. „Arne ist ein alter Bekannter, ich kenne seine Frau noch aus Kindertagen“, erklärt Ebel. Der Anreiz, wieder anzufangen, war also da. „Als Fußballer juckt es irgendwann ja sowieso im Fuß“, sagt Ebel schmunzelnd.

Ähnlich wie Bülter spielt Ebel nicht auf seiner eigentlichen Position: Er ist gelernter Zehner, „bei den Herren hat es sich aber so ergeben, dass ich über die Außen komme“, erklärt der Goalgetter. Auch in der zweiten Saisonhälfte nach der langen Winterpause will Ebel von dort Gefahr ausstrahlen. „Meine Kinder halten mich fit“, so der FSVer, der drei Söhne im Alter von 13 und zehn Jahren sowie sieben Monaten hat. „Mit den älteren beiden gehe ich gern Bolzen.“


Und wo soll es in Sachen Toren noch hingehen für den Knipser? „Die gleiche Ausbeute wie in der Hinrunde wäre natürlich spitze“, sagt Ebel. „Vielleicht reicht es ja auch zu über 30 Treffern. Aber damit rechne ich nicht.“

Die Top-Torjäger auf Kreisebene

Wolfsburg

Kreisliga
Bennet Bülter (Reislingen/N. II) 13
1. Kreisklasse
Georg Bolgert (Fallersleben II), Appas Ezzedine (Heiligendorf II), Robert Heimlich (Vorsfelde III) und Florian Saß (Hehlingen II) alle 10
2. Kreisklasse
Joris Olivier (Fallersleben III) 10

Gifhorn

Kreisliga A
Lennard Emmermann (Wittingen) 7
Kreisliga B
Tim Spillecke (Triangel) 12
1. Kreisklasse A
Jonas Springborn (Tappenbeck) 9
1. Kreisklasse B
Björn Henke (Parsau) 11
1. Kreisklasse C
Nihat Karakas (SV Welat) 11
1. Kreisklasse D
Felix Wolter (Rötgesbüttel) 9
2. Kreisklasse A
Kevin Nemitz (Tappenbeck II) 6
2. Kreisklasse B
Aboubacar Diakite, Patrick Gernsheimer (beide Sprakensehl), Lennart Feuerhahn (Hankensbüttel II), Henning Holdhaus (Oerrel) alle 7
2. Kreisklasse C
Hakan Aydogmus (TC Gifhorn) 10
2. Kreisklasse D
Alexander Degner (Volkse-Dalldorf), Eric Thöne (Leiferde II) beide 9
3. Kreisklasse 1
Christian Ebel (Vorhop/S. II) 14
3. Kreisklasse 2
Julian Ruhle (Kästorf III) 7