12. November 2020 / 17:01 Uhr

Die VfL-Frauen vorm Classico gegen Bayern: Zuversicht und Nasenbruch

Die VfL-Frauen vorm Classico gegen Bayern: Zuversicht und Nasenbruch

Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Es geht um die Tabellenspitze: Nur mit einem Sieg können Stephan Lerch und der VfL Wolfsburg an den Bayern vorbeiziehen.
Es geht um die Tabellenspitze: Nur mit einem Sieg können Stephan Lerch und der VfL Wolfsburg an den Bayern vorbeiziehen. © Roland Hermstein
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Es geht um die Tabellenspitze: Nur mit einem Sieg am Sonntag kann der VfL Wolfsburg wieder am FC Bayern vorbeiziehen. Im Kader des Meister ändert sich nichts - eine Spielerin braucht allerdings eine Maske.

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Jetzt zählt es: Am Sonntag (14.05 Uhr, NDR und BR übertragen live) treffen die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg in München auf den Tabellenführer FC Bayern (24 Zähler). Beide Teams dominieren seit Jahren die Liga - doch dieses Jahr sind die Wolfsburgerinnen (22 Punkte) überraschend in der Verfolgerrolle. VfL-Trainer Stephan Lerch spricht vor dem Duell von viel Zuversicht innerhalb der Mannschaft und auch der Einsatz auf dem Trainingsplatz stimmt.

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Die Stimmung, so Lerch, ist nach dem deutlichen und dominanten 5:0-Erfolg gegen Turbine Potsdam "gut und gelöst. Wir haben das Spiel noch einmal aufgearbeitet und viele positive Punkte mit rausnehmen können. Diesen Effekt konnte ich auch in den Trainingseinheiten sehen und spüren." Die Mannschaft sei "voll da, arbeitet fokussiert und konzentriert. Wir freuen uns jetzt alle auf dieses Spiel gegen Bayern. Wir gehen die Aufgabe sehr optimistisch an."

In München kann der 36-Jährige auf den gleichen Kader zurückgreifen wie schon gegen Potsdam. Aber: Torfrau Friederike Abt zog sich in einer Trainingseinheit am Mittwoch einen Nasenbeinbruch zu. Lerch: "Sie bekommt jetzt eine spezielle Maske angefertigt. Es ist aktuell nicht damit zu rechnen, dass sie ausfällt." Dass im Top-Spiel auf der Torhüterinnen-Position getauscht wird, ist aber sowieso eher unwahrscheinlich, in der Liga war Katarzyna Kiedrzynek bisher gesetzt und hielt in acht Spielen bisher fünf Mal zu Null.

Zu Null spielen - damit kennen sich die Bayern aus. Der noch ungeschlagenene Spitzenreiter hat bisher eine makellose weiße Weste. Dass der VfL für das erste Gegentor in der Liga sorgt, traut Lerch seinem Team zu: "Wir haben viele verschiedene Torschützinnen, sind dadurch schwieriger auszurechnen." Und: "Die Bayern treten aktuell sehr stabil auf, das heißt aber nicht, dass sie nicht schlagbar sind! Kein Gegentor heißt ja auch nicht, dass die anderen Mannschaften noch nicht die Möglichkeit hatten. Das haben wir natürlich beobachtet und da wollen wir ansetzen." Kleinigkeiten werden entscheiden und die wenigen Chancen, die sich wahrscheinlich bieten, müssen genutzt werden. "Da haben wir in den letzten Spielen einen Schritt in die richtige Richtung gemacht", findet Lerch, aber "wir können noch mehr und sind noch nicht da, wo wir sein wollen. Wir sind dennoch gerüstet und müssen Bayern einfach beschäftigen. Wir müssen sie stressen und nerven, damit sie ihr Spiel nicht aufziehen können."

Mit Zsanett Jakabfi (sechs Tore) kickt neben Laura Freigang (neun) und Sydney Lohmann (ebenfalls sechs) die derzeit dritttreffsicherste Torschützin der Liga beim VfL. "Sie macht das sehr, sehr gut", weiß Lerch. Auf die 30-Jährige, deren Vertrag nächsten Sommer ausläuft, "ist Verlass, das hat sie gerade in den letzten Wochen unter Beweis gestellt. Dabei kommt es nicht nur auf die Tore an. Sie macht auch so unheimlich viele Wege für die Mannschaft und reißt sich auf. Sie ist schon lange im Verein, identifizert sich mit dem Verein und lebt die Werte hervorragend vor." Und das sei gerade für junge und neue Spielerinnne wichtig, "denn darauf schaut man auf und daran orientiert man sich." Aber trotzdem gilt für Sonntag: "Am Ende ist es egal, wer das Tor macht. Hauptsache wir machen eines mehr als der Gegner!"

Der VfL kann nur bei einem Sieg wieder auf dem "gewohnten" ersten Platz landen.Extra-Druck? "Eher zusätzliche Motivation", sagt Lerch. Es herrsche "große Zuversicht, dass wir top vorbereitet in dieses Spiel gehen. Wir haben das Ziel, das Spiel zu gewinnen." Dass der VfL jetzt mal in der Jägerrolle steht, ist für Lerch keine Überraschung, denn "ich wundere mich eher, dass es in den vergangenen Saisons nicht auch schonmal so war. Da muss man eher fragen, warum der FC Bayern es nicht geschafft hat, an uns vorbei zu ziehen. Jetzt haben sie auf dem Transfermarkt noch einmal richtig nachgelegt und sie haben es bisher einfach besser gemacht als wir."

An eine Niederlage und möglichen Fünf-Punkte-Vorsprung der Bayern denkt man in Wolfsburg trotzdem nicht. "Jeder kann rechnen und weiß, wie das dann wohl aussehen würde. Aber ich würde vorschlagen, dass wir erst darüber reden, falls es so ist. Ich betone aber auch noch einmal: Ich sehe dieses Spiel nicht als meisterschaftsentscheidend an, dafür ist die Saison noch zu lang." Lerch sei da noch recht entspannt, gibt aber auch zu: "Klar, wir haben einen gewissen Druck und wollen den Vorsprung zu unseren Gunsten wieder gerade rücken. Sollte es nicht so kommen, sehe ich die Bayern aber auch nicht in weite Ferne gerückt."

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VfL-Geschäftsführer vor Ort

VfL-Geschäftsführer Dr. Tim Schumacher wird ebenfalls nach München reisen und die Double-Gewinnerinnen anfeuern. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass unsere Mannschaft auch in München eine starke Leistung abrufen wird", so der 46-Jährige. "Besonders freue ich mich darauf, das Team zu begleiten und vor Ort zu unterstützen. Zusammen werden wir auch diese Herausforderung meistern!“ Bedauerlich ist, dass aufgrund der steigenden Corona-Zahlen das Classico des deutschen Frauenfußballs ohne Zuschauer stattfinden muss. Dabei gab es vorweg wohl große Pläne, wie die beiden Sportlichen Leiter Bianca Rech (FCB) und Ralf Kellermann (VfL Wolfsburg) im "Kicker" verrieten. "Am Sonntag vor 25.000 in der Allianz-Arena wäre es viel schöner", so Kellermann. Rech bestätigte: "Vor Corona gab es viele Ideen, was man in der neuen Saison alles auf die Beine stellt. Aber von einem Spitzen-Spiel in der Allianz-Arena sind wir sicher nicht mehr so weit entfernt." Und das, so Kellermann, "kann ich so nur unterstreichen. Es war viel geplant, unter anderem auch Highlight-Spiele in den großen Stadien, wenn die Männer pausieren. Corona hat das ausgebremst, aber die Pläne liegen in der Schublade."

Aufgrund der TV-Übertragungen in NDR und BR wurde die Anstoßzeit fünf Minuten nach hinten gerückt - auf 14.05 Uhr. Kommentieren wird Bernd Schmelzer auf beiden Kanälen, Expertin bei der NDR-Übertragung ist VfL-Nationaltorhüterin Almuth Schult, die sich nach der Geburt ihrer Zwilling gerade im Aufbautrainin befindet.