05. März 2021 / 12:00 Uhr

Die Zoff-Liga: Ob auf Schalke, in Frankfurt oder Gladbach - Machtkämpfe wie einst bei "Dallas"

Die Zoff-Liga: Ob auf Schalke, in Frankfurt oder Gladbach - Machtkämpfe wie einst bei "Dallas"

Frank Hellmann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
In der Bundesliga ist es zuletzt unruhig geworden.
In der Bundesliga ist es zuletzt unruhig geworden. © Getty Images/IMAGO/Laci Perenyi (Montage)
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In der Bundesliga kann von Vorbild an Zusammenhalt keine Rede sein. Bei vielen Klubs herrscht Zoff. Der bevorstehende Abschied von Fredi Bobic bei Eintracht Frankfurt das Wechsel-Theater von Marco Rose von Gladbach zu Borussia Dortmund sind nur zwei Beispiele für die Zoff-Liga. 

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Christian Heidel wird bei der Rückkehr zu seinem Ex-Verein noch auf einige bekannte Gesichter treffen. Beim FC Schalke mag sich vor dem Kellerduell mit dem FSV Mainz 05 (Freitag, 20.30 Uhr, DAZN) vieles verändert haben, aber alle Köpfe konnten vergangenen Sonntag auch nicht rollen. Gleich fünf Verantwortungsträger – darunter Trainer Christian Gross und Sportvorstand Jochen Schneider – mussten gehen. Der Vorletzte Mainz hat übrigens einen solchen Komplettkahlschlag auf sportlicher Ebene schon hinter sich: Chefcoach Bo Svensson, Sportchef Martin Schmidt und eben Heidel kamen erst kurz nach Weihnachten zu ihren Ämtern.

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Der alte und neue Mainzer Macher bestreitet, die Malaise auf Schalke in seiner Amtszeit zwischen Sommer 2016 und Frühjahr 2019 verursacht zu haben. "Nach mir wurden viele Spieler gekauft, Trainer gewechselt und Strukturen verändert. Zehn Monate nach meinem Abschied war Schalke Dritter in der Bundesliga, und alle waren voller Euphorie", sagt Heidel selbstbewusst. Im königsblauen Chaos der laufenden Saison versucht sich mit Dimitrios Grammozis bereits der fünfte Fußballlehrer an der untrainierbaren Truppe. Vorausgegangen war eine Spielerrevolte.

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Es scheint, dass die von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge getätigte Zustandsbeschreibung durch die Corona-Krise ("Wir sind alle angespannt“) stimmt. Bei vielen Vereinen herrscht Hypernervosität. Zwist und Zoff zählen zur Tagesordnung, als versuche man sich an einer Fortschreibung der Kultserien "Dallas" oder "Denver-Clan". Intrigen allerorten. Die Bundesliga scheint vom Virus des Misstrauens infiziert. Selbst beim Champions-League-Anwärter Frankfurt leidet die Eintracht. Zwietracht besteht zwischen Sportvorstand Fredi Bobic und Aufsichtsratschef Philip Holzer. Der eine sagt, er wollte schon im Sommer 2020 weg, der andere will den Abschiedswunsch erst vor drei Wochen empfangen haben. Es kündigt sich eine schmutzige Scheidung vom Architekten des Aufschwungs an, der wohl als Manager zu Hertha BSC wechseln will.

Borussia Mönchengladbach ist auf Sinkflug in allen Wettbewerben, nachdem der begehrte Trainer Marco Rose wochenlang rumeierte mit dem Vorhaben, zu Borussia Dortmund zu wechseln. Das Possenspiel am Niederrhein kennt nur Verlierer. Und vielleicht gilt das bald auch für Arminia Bielefeld, wo Aufstiegscoach Uwe Neuhaus womöglich nur zu stur war, eine Einmischung durch Sportchef Samir Arabi zu dulden. Nun soll Frank Kramer die nötigen Punkte zum Klassenerhalt holen.

Schlammschlacht beim VfB Stuttgart tobt

Noch verstörender wirkte der Umgang mit der Basis beim VfB Stuttgart. Über Monate tobte eine Schlammschlacht wegen der Weitergabe von vertraulichen Mitgliederdaten, um die Ausgliederung der Profiabteilung durchzudrücken. Höchst belastbares Material kam zusammen, seitdem ist auch Vorstandschef Thomas Hitzlsperger schwer angeschlagen – und enorm viel Vertrauen verspielt. So weit ist es bei Werder Bremen noch nicht, aber ehemalige Führungsfiguren wie Willi Lemke sind seit Längerem mit der Geschäftsführung nicht mehr einverstanden. Diese wurde von Ex-Moderator und Ex-Aufsichtsratsmitglied Jörg Wontorra als zu wenig weltmännisch bezeichnet.

Damit konterkarieren die intern zerstrittenen Mitglieder der Deutschen Fußball-Liga (DEL) auch alle hehren Absichten, die jüngst im Abschlussbericht der "Taskforce Zukunft Profifußball" festgehalten wurden. Da tauchte fürs Jahr 2030 folgender Wunsch auf: "Haltung und Handeln der Klubs sind gekennzeichnet durch Integrität, Transparenz, wirtschaftliche Vernunft, demokratische Strukturen. (...) Der Profifußball nutzt seine Strahlkraft für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“ Aber bis 2030 ist ja auch noch etwas Zeit. Immerhin hat die DFL einen vorläufigen Fahrplan für den Erneuerungsprozess vorgelegt. Er sieht unter anderem Reformen mit Blick auf die finanziellen Rahmenbedingungen auf internationaler Ebene vor. Ebenfalls auf der Agenda weit oben steht die Weiterentwicklung des seit 2013 bestehenden Dialogs zwischen den Klubs und den Fans. Zudem soll der Frauenfußball verstärkt gefördert werden.