27. März 2019 / 07:26 Uhr

Diese fünf Baustellen machen Hannover 96 zu einem Trümmerhaufen

Diese fünf Baustellen machen Hannover 96 zu einem Trümmerhaufen

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Ein Trümmerhaufen: Nicht nur die 96-Mannschaft, sondern auch der Trainer, der Manager - und der Verein.
Ein Trümmerhaufen: Nicht nur die 96-Mannschaft, sondern auch der Trainer, der Manager - und der Verein. © imago images / Jan Huebner/ Vosshage
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In allen Bereichen gibt der Klub ein zerstörtes Bild ab. Viele sind an dem Verfall des einst so stolzen Europa-­League­-Teilnehmers beteiligt. Sportbuzzer-Redakteur Dirk Tietenberg sucht nach den letzten Wertstoffen. 

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Sportlich läuft nichts bei 96, der Abstieg ist kaum zu verhindern. Auch hinter den Kulissen des Vereins gibt es viele Baustellen. Wir geben den Überblick über 96-Themen.

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Der Trainer

Thomas Doll hat mit seinem Feuer versucht, eine ausgebrannt wirkende Mannschaft wieder anzuzünden. Doll machte Dampf, aber es lief nicht. Damit war die einzige Hoffnung, über Emotion wieder zur Leistung zu finden, erloschen. Doll hat die Spieler nicht zu packen bekommen, er verlor sie noch eher durch die harte Kritik („Ich schäme mich, Grottenkick“).

96 kann mit Doll nichts mehr gewinnen, wie in der Schaaf-Saison müsste man den Trainer noch mal wechseln und U19-Trainer Stephan Schmidt oder Reserve-Coach Christoph Dabrowski an den 96-Grill lassen. Aber offenbar ist Chef Martin Kind nicht heiß darauf, noch mehr Geld für die Abfindung eines Trainer zu zahlen. Doll bleibt möglicherweise bis zum Saisonende, wenn 96 sich nicht selbst noch mehr blamiert wie in Bielefeld (0:5) oder der Trainer zurücktritt. In der 2. Liga wird es auf keinen Fall mit ihm weitergehen – trotz Vertrages.



Der Manager

Horst Heldt hatte bei der Zusammenstellung des 96-Kaders im vergangenen Sommer kein glückliches Händchen – er ist zu schlecht. Die Breitseite bekam er dafür vom Boss. „Die Mannschaft ist kaputt, schlecht zusammengestellt und gescheitert“, sagte Martin Kind. Das Verhältnis zwischen Boss und Manager gilt intern seit längerem als angespannt. Während Trainer Thomas Doll von Kind eine Jobgarantie bis zum Saisonende bekam, fehlt so ein Bekenntnis gegenüber Heldt. Dazu kommt der Maulkorb-Ärger mit Dieter Schatzschneider, der vom Verein eine Abmahnung bekam (die Neue Presse berichtete). Heldt wackelt, steht vor dem Abschied. Das Aus kann schon nach dem Schalke-Spiel am kommenden Sonntag kommen. Spätestens aber wohl dann, wenn der Abstieg rechnerisch feststeht.

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Die Vereinskrise

Die Kind-Kritiker haben seit der Mitgliederversammlung die Macht im Verein. Das erste Ziel ist erreicht: Der benannte Vorstand um Sebastian Kramer und Aufsichtsrat Carsten Linke wollten mehr Mitbestimmung und Demokratie als unter der Kind-Leitung. Das nächste Ziel ist: Die Verhandlungen so zu führen, dass keine langen juristischen Auseinandersetzungen mehr nötig sind. Das wird die schwerste Aufbauarbeit, weil Kind sich zunächst nach über 20 Jahren Kapital-Politik nicht auf viele Kompromisse einlassen wird. Hier der Verein, der die 50+1-Regel mehrheitlich behalten will – dort die Gesellschafter, die das alleinige Sagen haben wollen.

Damit droht eine Zukunft mit zwei vereinspolitisch verschiedenen Konstrukten unter demselben Namen. „Wir wollen beweisen, dass 50+1 auch ein Motor sein kann“, sagt der neue Aufsichtsrat-Chef Ralf Nestler, „und zeigen, dass eine Aufbruchstimmung im Stadion der Mannschaft Flügel verleihen kann, die vielleicht doch noch das Wunder schafft.“ Erste Gespräche seitens seien „sehr gut und offen“ verlaufen, sagte Nestler. Entscheidend wird sein, wie die Gespräche mit dem Profi-Boss sein werden. Kind bezeichnete sich als „gesprächsoffen“.

Die Fotos von der Mitgliederversammlung des Hannover 96 e.V. am 23. März 2019:


Martin Kind legt sein Amt als Präsident des Hannover 96 e.V. nieder. Zur Galerie
Martin Kind legt sein Amt als Präsident des Hannover 96 e.V. nieder. ©

Die Mannschaft

„Kaputt“, so beschrieb Martin Kind die Mannschaft, die sich beim 0:5 in Bielefeld auch wie ein Trümmerhaufen präsentiert hatte. Intern ist die Mannschaft durch die Fehlplanung des gesamten Kaders in Grüppchen zersplittert. Aus den Einzelteilen lässt sich auch kein neues, funktionierendes Gebilde mehr bauen.

Die zukünftige sportliche Führung nehme mental starke Spieler wie Marvin Bakalorz oder Torwart Michael Esser, dazu Stürmer wie Hendrik Weydandt und Jonathas (ja, Jonathas) und wieder genesene wie Edgar Prib oder Timo Hübers und baue eine Mannschaft aus frischen, schnellen, leistungswilligen Talenten zusammen. Anders wird es nicht gehen.

Der Wertverlust einzelner Schätze war in den vergangenen Monaten dramatisch, einerseits wegen der schwachen Leistungen, andererseits wegen Verletzungen. Die festgeschriebenen Summen für den 96- Wertstoffhof mit Walace (30 Millionen Euro), Niclas Füllkrug (zwölf Millionen bei Abstieg) oder Ihlas Bebou (zehn Millionen bei Abstieg) sind für 96 kaum komplett zu erzielen.

Die Schulden

Das solide Fundament aus den Europa-League-Zeiten ist futsch. Der Abstieg vor zwei Jahren, die Transfers, die gestiegenen Gehälter, der Trainerwechsel, der Zuschauerrückgang, kurz: Der Misserfolg ist schuld daran, dass 96 mit einem Minus von 18 Millionen Euro aus dieser Saison herausgeht. Für die kommende Saison in der 2. Liga kalkuliert Martin Kind erneut mit einem Minus von 17 Millionen Euro.

Das hat Auswirkungen auf mögliche neue Investoren. Die 2. Liga ist nicht so sexy wie die 1. Bundesliga. Es ist auch nicht unbedingt attraktiv, bei einem Klub einzusteigen, der rote Zahlen schreibt. Schon wegen dieser Bilanzen ist 96 gezwungen, auf junge Spieler zu setzen und möglichst hohe Transfererlöse zu erzielen. Pleite geht 96 so schnell nicht, versprach Kind in der „Bild“-Zeitung: „Für die Liquidität stehen meine Mitgesellschafter und ich gerade.“

Umfrage: Welche 96-Spieler dürfen bleiben, wer soll gehen?

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