19. Juli 2019 / 09:01 Uhr

Dieselgeneratoren zum Batterieladen: Kritik nach E-Motorrad-Premiere am Sachsenring

Dieselgeneratoren zum Batterieladen: Kritik nach E-Motorrad-Premiere am Sachsenring

LVZ
Leipziger Volkszeitung
Der britische Motorradfahrer Bradley Smith (38) beim Rennen Anfang Juli auf dem Sachsenring. Äußerlich sind die Elektro-Motorräder von herkömmlichen Maschinen kaum zu unterscheiden – sie sind aber deutlich schwerer und halten nur kurze Renndistanzen durch.
Der britische Motorradfahrer Bradley Smith (38) beim Rennen Anfang Juli auf dem Sachsenring. Äußerlich sind die Elektro-Motorräder von herkömmlichen Maschinen kaum zu unterscheiden – sie sind aber deutlich schwerer und halten nur kurze Renndistanzen durch. © imago images / PanoramiC
Anzeige

Nach dem ersten offiziellen Rennen elektrisch betriebener Motorräder haben Fans und Fahrer Kritik geäußert. Die Maschinen klingen anders und sind gefährlicher. Die Ladung über einen Dieselgenerator erinnert an Etikettenschwindel. Der ADAC möchte dennoch an der Moto-E-Klasse festhalten.

Anzeige
Anzeige

Hohenstein-Ernstthal. Für Fahrer und Fans gab es am ersten Juli-Wochenende am Sachsenring eine gewöhnungsbedürftige Weltpremiere: Zum ersten Mal starteten die elektrisch betriebenen Motorräder zu einem offiziellen Rennen in der Moto-E-Klasse. Der Vermarkter Dorna soll sich die neue Elektro-Rennserie 40.000 Euro pro Team und Fahrer kosten lassen, der italienische Akku-Hersteller Enel-X feiert gar eine grüne „Revolution“. Und der ADAC, Ausrichter des Sachsen-Ring-Grand-Prix, spricht von einem „kleinen Stück Motorsportgeschichte“, das in Hohenstein-Ernstthal geschrieben wurde.

Doch die Premiere war insgesamt ein eher holpriger Start. In den Tagen danach mehrt sich die Kritik an dem Event – denn ganz so grün und revolutionär ist die E-Serie wohl doch noch nicht. Einige Reaktionen von Fachmagazinen reichen bis „Etikettenschwindel“ und „Alibi-Veranstaltung“.

Mehr zum Sport in Leipzig

Rennabbruch bei Premiere nach fünf Runden

18 Zweirad-Piloten aus zehn Ländern gingen beim Aufbruch ins Elektro-Rennzeitalter am Sachsenring an den Start – alle mit der gleichen Motorrad, einer 260 Kilogramm schweren Maschine mit rund 150 PS Leistung. Und einer 100 Kilogramm schweren Batterie, die aufgrund ihrer Laufzeit allerdings nur ein kurze Rennzeit von knapp 30 Kilometern erlaubt.

Aber selbst diese schafften die Maschinen beim Premieren-Rennen nicht: Nach einem Sturz des italienischen Fahrers Lorenzo Savadori gab es bereits nach fünf von acht geplanten Runden einen Rennabbruch. Hintergrund: Die Elektro-Motorräder können nicht einfach so abgeschleppt werden. Bei der Bergung besteht für die Streckenposten Stromschlaggefahr und ein erhebliches Risiko, falls es zu einem Brand der Batterie kommt.

Spezialtrupp bei Batterie-Brand nötig

Ein Szenario, was in der neuen Rennserie auch künftig droht: Die Lithium-Batterien zu löschen ist eine komplizierte Sache. Ein Spezialtrupp ist notwendig: Der Rennserien-Vermarkter Dorna brachte daher fünf speziell ausgebildete Feuerwehrmänner aus Spanien nach Sachsen mit. Am Sachsenring wurden laut ADAC die heimischen Streckenposten extra geschult und auf die Besonderheiten der MotoE-Serie hingewiesen. Zudem musste der Veranstalter vor Ort in neue Ausrüstung wie Spezialhandschuhe und Abschleppvorrichtungen investieren. Ein ADAC-Sprecher sagt dazu: „Grundsätzlich ist das eine Investition in die Zukunft. In allen Bereichen des Motorsports hält die Elektrifizierung Einzug, so dass die entsprechende Ausrüstung auch in der Zukunft erforderlich ist und entsprechend verwendet werden kann.“

Und die ist offenbar bitter nötig. Denn im wahrsten Sinne brandgefährlich wurde es Mitte März beim letzten Test vor dem Sachsenring-Rennen im spanischen Jerez. Laut dem Motorsport-Portal Speedweek.com brannten hier über Nacht 23 nagelneue Elektromotorräder ab. Dazu wurden auch Helme, Lederkombis und Computer ein Raub der Flammen. Gesamtschaden: Rund 1,5 Millionen Euro. Brandursache soll ein Kurzschluss in der Ladestation gewesen sein.

Batterien mit Dieselgeneratoren aufgeladen

Die meiste Kritik an der neuen Rennserie gibt es aber in puncto Ökologie und Nachhaltigkeit. Denn der Anspruch, möglichst klimaschonend mit erneuerbarer Energie zu fahren, konnte zumindest am Sachsenring nicht erfüllt werden. Hier wurden die Motorradbatterien laut Speedweek wenig umweltfreundlich mit Dieselgeneratoren geladen – zwar befüllt mit Biodiesel, der aber in Deutschland nur einen Anteil von sieben Prozent im Dieselkraftstoff ausmacht. „Ein Etikettenschwindel der Extra-Klasse“, kommentiert deshalb das Fachmagazin „Motorsport-Magazin“. Erst beim Grand-Prix-Rennen im italienischen Misano (14./15. September) sind Änderungen angekündigt – dann sollen Solarzellen für den Akku-Strom sorgen.

Ein anderer Klang

Einige Fans, die in Hohenstein-Ernstthal die MotoE-Premiere verfolgten, reagierten verärgert. „Wir wurden verarscht, denn die Batterien wurden tatsächlich mit Dieselgeneratoren geladen. Außerdem halten die Batterien nicht lange durch. Du kannst da nicht mal schnell tanken, sondern musst die Batterien wechseln. Das erzeugt alles Kosten und Müll“, sagt einer, der seit Jahrzehnten am Sachsenring die Rennen verfolgt. Zudem stoßen die kaum vorhandenen Fahrgeräusche auf Ablehnung: „Das fiept wie ein undichter Staubsauger. Zum Motorsport gehört aber Krach“, sagt ein eingefleischter Motorsport-Fan aus Freyburg.

Das Urteil der Fahrer ist durchwachsen. Rennfahrer Jesko Raffin (Schweiz) sagte dem Portal Speedweek: „Das ungewöhnlichste ist der Start. Normalerweise gibt es einen Höllenlärm. In der MotoE herrscht Totenstille. Du hörst die Gegner auch in den Kurven nicht.“ Der britische Rennserien-Favorit Bradley Smith sieht ein Problem in der kurzen Strecke von knapp 30 Kilometern: „Bei so einer geringen Distanz darfst Du Dir keinen einzigen Fehler erlauben.“

ADAC will Wiederholung

Immerhin: Sachsenring-Sieger Niki Tuuli (Finnland) ist mit dem Auftakt zufrieden: „Das ist ein toller Start in meine MotoE-Karriere.“ Dagegen war Team-Chef Paolo Simoncelli enttäuscht und sagte dem “Motorsport-Magazin“: „Wenn diese elektrischen Motorräder Fortschritt bedeuten, dann mag ich die Zukunft nicht.“ Für ihn sei der Preis für einen Crash zu hoch – und es sei schon kritisch zu hinterfragen „welch großen Schaden ein 270 Kilogramm schweres Motorrad anrichten kann, wenn es in Dinge oder in Menschen geschleudert wird.“

Trotz dieser Anlaufschwierigkeiten bleibt der ADAC als Ausrichter des Sachsen-Ring-Grand-Prix zuversichtlich. Der Kalender der E-Motorrad-Rennserie 2020 werde zwar vom Weltverband FIM und der Dorna festgelegt. „Es würde uns aber freuen, wenn die MotoE auch Teil des nächstjährigen Motorrad Grand Prix Deutschland ist, der vom 19. bis 21 Juni 2020 ausgetragen wird“, so ein Sprecher auf Anfrage von LVZ.de.

Von Olaf Majer

Mitmachen: #GABFAF-Adventskalender

Bundesliga-Tickets, Fußballschuhe, signierte Trikots und vieles mehr: Trage Dich hier ein und gewinne einen der 24 Preise. (mehr Infos)




Klicke hier Weiter und dann auf der nächsten Seite Absenden - und Du hast die Chance auf jeden der 24 Preise.

ANZEIGE: 50% auf alle JAKO Artikel! Der Deal des Monats im SPORTBUZZER-Shop.

Die aktuellen TOP-THEMEN