27. August 2018 / 20:12 Uhr

Eishockey: Dieser Mann fühlt den Grizzlys Wolfsburg auf den Zahn - im perfekten Ambiente

Eishockey: Dieser Mann fühlt den Grizzlys Wolfsburg auf den Zahn - im perfekten Ambiente

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Peter Wohlfahrt bei der Arbeit: Der Zahnarzt versorgt die Grizzlys, wenn die mal nicht mehr richtig beißen können.
Peter Wohlfahrt bei der Arbeit: Der Zahnarzt versorgt die Grizzlys, wenn die mal nicht mehr richtig beißen können. © Jürgen Braun
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Sie sind die Grizzlys Wolfsburg, sie sind auf dem Eis kampfstark, bissig und gefährlich. Aber einer darf ihnen gefahrlos auf die Beißerchen schauen: Peter Wohlfahrt.

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Der Zahnarzt aus Fallersleben kümmert sich seit Jahren um die oft leidvoll geprüfte Zahngesundheit der Wolfsburger Eishockey-Profis. Obendrein ist er Fan, eines seiner Behandlungszimmer ist voll im Grizzlys-Stil eingerichtet.

Die Grizzlys Wolfsburg (hier Brent Aubin) bei ihrem Zahnexperten Peter Wohlfahrt

Jährlich gibt es für die Grizzlys routinemäßig medizinische Checks, teils von der DEL verpflichtend gefordert, teils, um die Fitness und Fähigkeiten der Spieler zu überprüfen, um Trainings- und Rehapläne danach ausrichten zu können. Da geht es zu Internistin Dr. Gerlinde Menzel, Chiropraktor Dr. Alexander Ruhe, zu Dr. André Albrecht (Laktattest), ins Klinikum zu den Orthopäden Dr. Wolfgang Klein und Dr. Axel Gänsslen und zu Dr. Nazem Hamade, dem Allgemeinmediziner, und Ehme de Riese, dem Optiker. Und eben zu Zahnarzt Peter Wohlfahrt. Eines haben sie alle gemein - sie mögen den Sport, sind teils schon ewig für die Grizzlys aktiv, schauen häufig zu. Nicht nur in ihrer Funktion, sondern auch als Fans.

Der Zahnarzt der Grizzlys Wolfsburg: Praxis-Raum im Eishockey-Look

Fast alle haben mit Andenken und Fanartikeln Räume in ihren Praxen und Warteräumen unverkennbar im Grizzlys-Look ausgestattet. Als vorletzter Check in diesem Jahr stand bei den Grizzlys am Montag die Überprüfung von Zähnen, Mund und Kiefer an. Der eine oder andere Zugang staunte. Wohlfahrt trug eine Brille mit orange-schwarzen Bügeln, im Behandlungszimmer sind die orange-schwarzen Jalousien kaum zu übersehen. Genauso wenig wie Schläger, Pucks, ein Trikot von Torwart Felix Brückmann und diverse gerahmte Plakate.

Peter Wohlfahrt in seinem Grizzlys-Behandlungszimmer. Der Zahnarzt ist auch großer Eishockey-Fan, was unschwer zu erkennen ist. Zur Galerie
Peter Wohlfahrt in seinem Grizzlys-Behandlungszimmer. Der Zahnarzt ist auch großer Eishockey-Fan, was unschwer zu erkennen ist. © Jürgen Braun
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Auf die zahnmedizinische Untersuchung legen die Grizzlys Wert. Manager Charly Fliegauf: "Bekanntlich hängen viele gesundheitliche Probleme mit den Zähnen zusammen." Also checkt Wohlfahrt, ob alle Grizzlys-Beißerchen intakt, nicht irgendwo schon Entzündungen oder Schmerzen im Anmarsch sind. Zudem wird der Gebissstatus erfasst. Sprich: Wie viele Zähne sind es, wie stehen sie, welche sind gefüllt, waren schon einmal beschädigt.

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Denn: Eishockey-Profis können schlimme Gesichtsverletzungen erleiden, nur wenige haben noch alle eigenen Zähne, viele hatten schon Kieferbrüche. Andreas Morczinietz etwa, der etliche Jahre bei den Grizzlys spielte, brachte es auf mehrere Unterkieferbrüche. Zur Rekonstruktion hilft dann ein Bild des Urzustandes enorm. "Mir ist bislang nur einmal ein Zahn abgebrochen", sagt Brent Aubin lächelnd. Der Torjäger klopft aber schnell auf Holz. Im Training hatte es jüngst schon Corey Elkins erwischt, Zahn abgebrochen - ab zu Wohlfahrt. Ein schwererer Fall führte mal einen Grizzlys-Profi gemeinsam mit dem Fallersleber Zahnarzt zum Kieferchirurgen. Etliche Zähne waren beim Spieler verschoben. Wohlfahrt weiß: "Die wären in früheren Zeiten vielleicht alle entfernt worden, wir konnten alle retten. Das freut mich dann sehr."

Mit Ken Magowan fing es an


Aubin trägt einen Sport-Mundschutz, auch für deren Anfertigung und Anpassung ist die Untersuchung bei Wohlfahrt da. Hilft der Schutz? "Auf jeden Fall", sagt der Zahnmediziner, "Über 90 Prozent der Spieler tragen inzwischen einen." Das gefällt ihm. So gehen weniger Zähne verloren. Wohlfahrt: "Mir ist es wirklich lieber, wenn ich die Jungs seltener in der Praxis sehe. Wenn nichts passiert." Seine Leidenschaft für Eishockey hatte Anfang der 90er begonnen. Tochter Lucie war der Auslöser. Nun sind beide begeisterte Eishockey-Fans und der Vater inzwischen seit zehn Jahren offiziell im Einsatz für die Grizzlys. "Kenny Magowan war mein erster Patient vom EHC", erinnert er sich.

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Saisoneröffnung der Grizzlys in der Eis-Arena Zur Galerie
Saisoneröffnung der Grizzlys in der Eis-Arena ©

Der Fallersleber hat inzwischen über 100 Grizzlys auf den Zahn gefühlt, kann zum aktuellen Team verraten: "Alle haben noch ihre eigenen Zähne, und das soll so bleiben." Auf die neue Saison ist er gespannt, weiß aber: "Die Grizzlys kämpfen immer bis zum Ende, da geht einem das Herz auf." Apropos Herz: Mit Herzblut sind alle im Umfeld der Grizzlys dabei. Der Zahnarzt weiß: "Anders ginge es auch gar nicht." Da ziehen dann alle an einem Strang, so assistierte sogar mal Dr. Hamade dem Zahnarzt mitten in der Nacht, als ein Profi lädiert das Spiel verlassen musste.

Beim Zahnarzt hat auch mancher harte Profi der Grizzlys Woilfsburg Respekt

Eishockey-Profis blocken Schüsse, kassieren Checks, sammeln Prellungen und Blutergüsse, spielen manchmal noch mit angebrochenen Knochen - da bleibt noch die Frage: Sind sie beim Zahnarzt, den so viele fürchten, auch so harte Knochen? Wohlfahrt schmunzelnd: "Da sind sie wie alle anderen auch, nicht jedem behagt das." Und er gibt zu: "Ich sitze auch lieber auf dem kleinen Stuhl als auf dem großen."

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