17. Juni 2020 / 14:03 Uhr

Hamann zum Premier-League-Restart: Deshalb hätte ich für einen vorzeitigen Werner-Wechsel kein Verständnis

Hamann zum Premier-League-Restart: Deshalb hätte ich für einen vorzeitigen Werner-Wechsel kein Verständnis

Sönke Gorgos
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Timo Werner wechselt zum FC Chelsea. Nur über das wann wird noch diskutiert. Dietmar Hamann hat eine klare Meinung.
Timo Werner wechselt zum FC Chelsea. Nur über das wann wird noch diskutiert. Dietmar Hamann hat eine klare Meinung. © Getty/imago images
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Vor dem Wiederbeginn der Premier League am Mittwochabend spricht Sky-Experte Dietmar Hamann über die Schwierigkeiten des "Project Restart", den bevorstehenden Wechsel von Timo Werner zum FC Chelsea und das spannende Rennen um den letzten Champions-League Platz.

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In Deutschland wird längst wieder gespielt, auch die spanische La Liga ist wieder in den Spielbetrieb gestartet. Am Mittwochabend kehrt auch die Premier League aus der Corona-Zwangspause zurück. Zwei Nachholspiele zwischen Sheffield United und Aston Villa (19 Uhr) sowie Manchester City und dem FC Arsenal (21.15 Uhr) machen den Auftakt, am Wochenende greift dann auch der Quasi-Meister FC Liverpool im Stadtderby gegen Everton (Sonntag, 21 Uhr) ins Geschehen ein. Die Mannschaft von Jürgen Klopp braucht nur noch zwei Siege, um die erste Meisterschaft seit 1990 unter Dach und Fach zu bringen.

Der SPORTBUZZER hat vor dem Restart mit Dietmar Hamann gesprochen - über das umstrittene "Project Restart", die Stärke des FC Liverpool, den bevorstehenden Transfer von Timo Werner zum FC Chelsea sowie die Zukunft von Leroy Sane und Jadon Sancho. Der ehemalige Nationalspieler und aktuelle Sky-Experte spielte von 1998 bis 2009 in der Premier League für Newcastle United, Liverpool und Manchester City. Sky überträgt alle Spiele der ersten drei Spieltage nach dem Restart live, zwischen dem 17. Juni und dem 2. Juli insgesamt 32 Spiele.

SPORTBUZZER: Herr Hamann, anders als in Deutschland gab es in England von einigen Klubs Widerstand gegen das „Project Restart“. Hat der gut verlaufene Neustart der Bundesliga Überzeugungsarbeit geleistet?

Dietmar Hamann: Das kann man nur hoffen. Man darf nicht vergessen, dass die Corona-Zahlen in England keinen früheren Neustart hergegeben hätten. Die britische Regierung ist mit der Krise anders umgegangen als die deutsche Bundesregierung. Deswegen war bei einigen Spielern die Sorge vorhanden, wieder loszulegen. Einige Klubs haben sich außerdem gegen einen Restart ausgesprochen, weil dann möglicherweise niemand absteigen müsste. Das kann aber nicht im Sinne des Wettbewerbs sein. Mittlerweile wollen alle eine sportliche Lösung. Mit Sicherheit haben sie auf Deutschland geschaut, wo alles hervorragend umgesetzt wurde. Ich bin zuversichtlich, dass es in England ähnlich läuft.

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Niemand zweifelt noch an der Meisterschaft des FC Liverpool. Ist dieser Erfolg noch höher zu bewerten als der Gewinn der Champions League im Vorjahr?

(Überlegt) Die Champions League kannst du gewinnen, wenn du nicht die beste Mannschaft Europas bist. Das kann passieren. Aber du kannst nicht Meister werden, wenn du nicht die beste Mannschaft Englands bist. Die Premier League nach so vielen Jahren und in der Art und Weise zu gewinnen, ist ähnlich hoch zu bewerten wie der Champions-League-Titel. Sie haben schon im Vorjahr gezeigt, was für ein starkes Team sie sind. Jetzt der Liga davonzulaufen, ist aller Ehren wert. Liverpool hatte in der Vergangenheit schon große Mannschaften, die aktuelle wird als eine der größten in die Geschichte eingehen.

Ihr früherer Teamkollege Steven Gerrard hat dafür plädiert, Jürgen Klopp eine Statue zu bauen. Statuen errichtet man eigentlich nur für Persönlichkeiten, die nicht mehr aktiv dabei sind. Glauben Sie, dass Klopp sich nach dem Gewinn des Titels verabschieden könnte?

Das glaube ich nicht. Er hat seinen Vertrag vor nicht allzu langer Zeit verlängert, zu einem Zeitpunkt, an dem bereits klar war, dass sie sehr wahrscheinlich Meister werden. Deswegen gehe ich davon aus, dass er auch nächstes Jahr in Liverpool Trainer ist.

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Für Manchester City könnte 2020 die vorerst letzte Chance sein, die Champions League zu gewinnen – für die beiden folgenden Jahre sollen sie gesperrt werden.

Falls City gesperrt werden würde, wäre es mit Sicherheit die vorerst letzte Chance. Es ist der Titel, den sie unbedingt wollen, weil sie ihn bisher nicht holen konnten.

Leroy Sané ist wieder fit. Würden Sie ihn einsetzen oder ist sein Kopf wegen der Bayern-Gerüchte nicht frei?

Solange er unter Vertrag ist, muss man ihn einsetzen. Er ist ein hervorragender Spieler, der den Unterschied ausmachen und großen Einfluss auf die Champions League haben kann, deswegen gehe ich davon aus, dass er eine Rolle spielen wird. Mit ihm hat City bessere Chancen, die Königsklasse zu gewinnen.

"Ich hätte lieber gesehen, wenn Werner die Champions League bei Leipzig beendet"

Der FC Chelsea wird Timo Werner verpflichten – offenbar nach Liga-Ende und nicht erst nach Abschluss der Champions League. Hätten Sie Verständnis?

Wenn es so kommen sollte, hätte ich es lieber gesehen, wenn er die Champions League bei Leipzig beendet. Ich kann nicht nachvollziehen, warum er nicht die Möglichkeit wahrnehmen möchte, innerhalb von drei Spielen Champions-League-Sieger mit RB zu werden. Schließlich gibt es in Viertel- und Halbfinale vermutlich je nur ein Spiel.

Chelsea will enorm aufrüsten, könnte aber im Liga-Endspurt noch die Champions League verpassen.

Ich habe bei Chelsea zum ersten Mal seit Jahren das Gefühl, dass die Fans sich wieder mit der Mannschaft identifizieren. Das hatten sie damals mit Cole, Terry, Lampard oder Cech - Spielern, die jahrelang im Verein waren. Da hat sich etwas entwickelt. Jetzt ist mit jungen Spielern wie Abraham und Mount oder einem absoluten Sympathieträger wie Kanté wieder etwas am Wachsen. Von Transfer-Entscheidungen wie Werner oder Havertz, über den auch spekuliert wird, kann Chelsea nicht abhängig machen, ob sie in ein paar Wochen Vierter werden, so etwas muss strategisch für vier oder fünf Jahre getroffen werden. Es bleibt so oder so eine spannende Geschichte.

Dietmar Hamann: "Ich würde Chelsea die Champions League wünschen"

Wer setzt sich im Rennen um Platz 4 durch?

Chelsea hat drei Punkte Vorsprung auf Manchester United; bei denen Paul Pogba wieder fit ist. United wird sicherlich der größte Gegner sein. Sheffield spielt über seine Verhältnisse, aber mit viel Euphorie. Und Wolverhampton hat eine sehr, sehr gute Mannschaft. Ich denke aber, dass Chelsea den Vorsprung ins Ziel retten wird. Ich würde es ihnen wünschen.

Bei Jadon Sancho sehen Sie Manchester United als Favorit auf eine Verpflichtung. Würde sich ein Transfer ausschließen, wenn United nur die Europa League schafft?

Dortmund muss auch mitspielen, sie werden eine nicht geringe Ablöse fordern. Ich weiß nicht, ob er so lange mit dem Transfer warten kann. Sancho muss sich irgendwann entscheiden, wenn er denn wechseln will. Denn die Bundesliga ist bald vorbei, die Klubs müssen ihre Kader planen. Ich glaube deshalb nicht, dass es seine Entscheidung zwingend beeinflussen wird, ob ManUnited – sollten sie der Klub sein, der das Rennen macht – in die Champions League kommt oder nicht.

Am Wochenende kommt es zu deutsch-österreichischen Trainer-Duell zwischen Norwichs Daniel Farke und Ralph Hasenhüttl vom FC Southampton. Letzterer galt im Herbst nach einem 0:9 gegen Leicester als gescheitert, nun hat er verlängert. Wie ist diese Wende zu erklären?

Es ist ja oft so, dass man sich sagt, dass bei einer so hohen Niederlage etwas Grundsätzliches nicht stimmen kann. Aber er macht dort wirklich hervorragende Arbeit. Southampton steckt in einer ähnlichen Lage wie 12, 13 andere Vereine, bei denen es ums Überleben geht. Zum Vergleich: Aston Villa steht ebenfalls dort unten, die im Sommer 120 Millionen Euro ausgegeben haben. Hasenhüttl hat mit limitierten finanziellen Mitteln das Maximale herausgeholt. Deswegen: Hochachtung! Den neuen Vertrag hat er sich absolut verdient.